Wernigerode l Für die 36-jährige Natalia Sidorenko und ihren zwei Jahre älteren Mann Jewgenin vollendet sich heute ein Jubiläum.

Seit inzwischen zehn Jahren singen und spielen beide zwei- bis dreimal pro Jahr für jeweils mehrere Wochen in der Wernigeröder Fußgängerzone. Mit Weihnachtsliedern haben sie in den vergangenen Tagen in der Nähe des Marktplatzes bei vielen Passanten für eine Einstimmung auf das bevorstehende Fest gesorgt und dabei auch ihre Heimreisekasse beachtlich aufgefüllt. Zudem kehren sie mit vielen schönen Erinnerungen nach Hause zurück. Dazu gehört ein Erlebnis mit einer Schülergruppe, die ihnen längere Zeit lauschte.

Natalia und Jewgenin Sidorenko sind studierte Musiker. Sie leben und arbeiten in Minsk. Trotz einer Festanstellung an einer Musikschule verdient jeder von ihnen umgerechnet gerade einmal rund 300 Mark pro Monat. "Wenn ich vergleiche, einen Tag in der Heimat arbeiten oder hier spielen - das Einkommen in Wernigerode ist höher", sagt der sympathische Mann, der im Harz einige Freunde gefunden hat. Einer von ihnen ist Adolf Latzik. Schon kurz nach der ersten Ankunft des Musikerpaares war er mit ihm ins Gespräch gekommen, dank seiner guten russischen Sprachkenntnisse. "Seitdem verbindet uns eine herzliche Freundschaft", berichtet der Wernigeröder Stadtführer. Die Sidorenkos haben aber noch weitere Gönner, darunter gute Gastgeber in der Gartenstraße. Dort übernachten die Weißrussen inzwischen stets, wenn sie im Harz spielen.

Auf Dauer will das Paar in seiner Heimat nicht von der Musik leben. Beide spielen in Wernigerode auch, weil Jewgenin Sidorenko ein Jura-Studium aufgenommen hat. Für hiesige Ohren vertraute Argumente führt er als Grund dafür an: Der Staat spare im kulturellen Bereich immer mehr, so dass nur noch wenige Menschen vom Musizieren leben könnten.

Beide reisen nun nach Hause. Sie möchten den Wernigerödern vorher aber noch herzlich danken für viele Freundlichkeiten und die großzügigen Spenden, vor allem an den Adventswochenenden.