Wernigerodes Weihnachtsmarkt 2011 ist seit gestern Abend Geschichte. Im Rathaus fällt das Fazit dazu rundum positiv aus. Bei den Händlern sind die Meinungen hingegen zum Teil durchwachsen.

Wernigerode l "Rundum positiv" bewertet Volker Friedrich den Weihnachtsmarkt. Die 2010 geänderte Anordnung der Verkaufsstände, die einen besseren Blick auf das Rathaus gewährt, ist ein Grund dafür. Das neue Lichtkonzept der andere. Wernigerodes Ordnungsdezernent: "Alle haben gesagt, das sieht gut aus. Der Effekt ist ein sehr schöner."

Dafür sei er allen Beteiligten dankbar. Besonders den Kollegen vom Baudezernat und den Stadtwerken. Friedrich: "Ich kann die großen Buden nicht weiter verschieben. Vieles muss wegen der Beleuchtung so bleiben."

Die Devise, klein aber fein, solle unbedingt beibehalten werden. Zu überlegen sei, wie der Bereich zwischen Nico und Marktplatz weiter belebt werden kann, ohne dadurch Nachteile für die dortigen Geschäfte zu erzeugen.

Durchweg Zuspruch hätten auch die Herrnhuter Sterne an den Stadteingängen "ohne mit Schnickschnack überfrachtet zu sein" und die vom Ökumenischen Arbeitskreis der Kirchen initiierte Krippe gefunden. Volker Friedrich: "Sie ist eine Bereicherung." Ebenfalls bewährt habe sich die Anregung von Händlern vom Wochenmarkt, einzelne mobile Stände in die Marktstraße zu verlagern. Der Dezernent: "Ich denke, dass dieser Schritt gut war."

Zu den regelmäßig geäußerten Forderungen nach einer generellen Erweiterung der "Adventsmeile" zeigt sich der Amtschef allerdings zurückhaltend. Wenn überhaupt, "dann muss das Qualität haben", betont er.

"20 Busse täglich am Anger. Das ist Irrsinn."

Volker Friedrich, Ordnungsdezernent

"Wir haben mal wieder versucht, es allen recht zu machen", lautet Friedrichs Fazit. Das dies gelungen sei, hätten sämtliche Mitglieder des Aufsichtsrates der Wernigerode Tourismus GmbH in der Sitzung zu Wochenbeginn bestätigt.

Im Übrigen könne ruhig einmal erwähnt werden, dass das Ordnungsamt seit 20 Jahren federführend für die Organisation und Ausrichtung des Weihnachtsmarktes verantwortlich zeichne und kein privater Anbieter, so der Dezernent.

Exakte Besucherzahlen ließen sich schwer schätzen. Volker Friedrich: "Aber 20 Busse täglich auf dem Parkplatz am Anger. Das ist Irrsinn." Und: "Das fast vier Wochen lang durchzuhalten, muss uns erst einmal einer nachmachen."

Die Meinungen der Händler sind hingegen durchwachsen. "Das Geschäft lief besser als im Vorjahr", sagt zum Beispiel Klaus Dörfert. Seit etlichen Jahren steht der Cattenstedter mit seiner Waffelbäckerei auf dem Wernigeröder Weihnachtsmarkt. 2010 hätten die Massen an Schnee die Kunden ferngehalten. Dörfert: "Da gab es eine Unwetterwarnung nach der anderen für den Harzkreis."

Michael Wiecker sieht dies genauso. "Letztes Jahr war jeder bis zum Mittag mit Schnee schippen vor seinem Stand beschäftigt", erinnert er sich. Die massiven Behinderungen hätten dafür gesorgt, dass zahlreiche Besucher von auswärts mit ihren Autos und den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht nach Wernigerode gekommen seien. "Sicherlich gab es auch dieses Jahr einige Regentage", räumt Wiecker ein. Mit dem Geschäft sei er trotzdem "sehr zufrieden". Überhaupt hätten die Anordnung der Verkaufsstände und das Lichtkonzept das Ensemble aufgewertet. "Wir hatten schon immer einen schönen Weihnachtsmarkt in Wernigerode", betont der Gastronom. "Jetzt ist er aber noch schöner."

Zufrieden mit dem Geschäft ist auch Carmen Liste. Sie verkauft Schmuck für den heimischen Tannenbaum. Allerdings seien viel weniger Besucher als 2010 auf dem Markt gewesen. "Der Platz war ja manchmal menschenleer", ärgert sie sich. Überhaupt habe die weihnachtliche Atmosphäre gefehlt. Carmen Liste: "Anfangs war das hier ja wie auf einem Frühlingsfest - da kam ich mir mit dem Weihnachtsschmuck schon etwas doof vor."

Regen und Sturm seien tödlich, meint auch Frank Pilz, der mit zwei Ständen auf dem Markt vertreten ist. Alles in allem sei das Geschäft zufriedenstellend gewesen - "aber halt nicht zum Hurra schreien". Was er sich für 2012 wünsche? "Temperaturen um null Grad, leichter Schneefall, freie Straßen - und Sonnenschein."

Für das Wetter könne ja keiner was, gibt Jörg Wieland zu bedenken. Mit dem Geschäft sei er zufriedener als im Vorjahr. "Da kam wegen des Schnees ja keiner \'raus." Für den Inhaber des Hotels "Weißer Hirsch" ist die Saison übrigens noch nicht vorbei: Bis zum 3.Januar lädt der Weihnachtsmarkt im Hotelinnenhof noch zum Verweilen ein.