Während im Oberharz ein rätselhaftes Forellensterben für Schlagzeilen sorgte, gab es in diesem Jahr auch gute Nachrichten. Die Lebensbedingungen des Wernigeröder Wappentiers haben sich gerade im Stadtgebiet weiter verbessert.

Wernigerode l "Als wir 1996 begonnen haben, wurden wir noch belächelt", erinnert sich Ulrich Eichler über die damaligen Pläne zum Bau eines Fischaufstiegs in der Holtemme an der Ilsenburger Straße. Inzwischen sind in Wernigerode und seinen Ortsteilen 23 sogenannte Querbauwerke aus der Holtemme und dem Zillierbach fast verschwunden. Die beiden Gewässer sind wieder "ökologisch durchgängig" geworden, wie es die Experten bezeichnen. Die Forellen können nun ungehindert flussaufwärts in ihre Laichgebiete wandern. Bis vor kurzem war dies noch undenkbar. Denn die von Menschen geschaffenen Hindernisse, die einst zum Regulieren der Mühlgräben und damit zum Antrieb von Wasserrädern genutzt wurden, verhinderten dies. Sie schränkten ausgerechnet das Harzer Wappentier in seinem Lebensraum ein.

Das letzte große Hindernis wurde vor wenigen Wochen beseitigt: ein dreistufiges Betonwehr in der Straße Im Stadtfelde. Mehr als 100000 Euro wurden aufgewendet, um einen sogenannten überströmenden Schlitzpass einzubauen (wir berichteten). Die Mitglieder des Vereins für Wildfisch- und Gewässerschutz Wernigerode haben ihn bereits auf seine Funktion kontrolliert. "Wir haben Fische oberhalb des Flusslaufs gefangen, markiert und unterhalb wieder ausgesetzt", erläutert Ulrich Eichler. Wenig später wurden jene markierten Forellen wieder oberhalb des Aufstiegs beobachtet. "Sie können also sehr gut durchwandern. Damit ist eindeutig bewiesen, dass der Fischaufstieg funktioniert."

Das freut auch Andreas Heinrich, der beim jüngsten Besichtigungstermin Oberbürgermeister Peter Gaffert vertrat. Immerhin hat die Stadtverwaltung in den vergangenen 15 Jahren erheblich Geld in das Projekt investiert. "Damit sind aber auch eine Menge an Fördergeld in die Stadt geflossen und Aufträge an Firmen aus der Region vergeben worden", so Heinrich, der daran erinnerte, dass der erste Fischaufstieg noch mit Hilfe der Hasseröder Brauerei errichtet werden konnte. Danach sprang die Vattenfall Europe Umweltstiftung ein. "Es ist auch ein großer Verdienst von Vattenfall, dass wir soweit gekommen sind", ist es für Andreas Heinrich schon erstaunlich, dass sich solch großes Unternehmen über so viele Jahre für solche Projekte im Harz engagiert.

Ein Grund dürfte sein, dass die errichteten Fischaufstiege Teile eines großen Gesamtkonzeptes sind. "Vor Jahren war der Lebensraum der Forellen in viele kleine Teile zerschnitten. Jetzt haben wir ihn Stück für Stück vergrößert - von Oberhasserode bis nach Derenburg", ist Ulrich Eichler stolz auf das Geleistete. "2012 haben die Fische hier wieder optimale Lebensbedingungen."

Dann sollen auch die letzten Hindernisse noch beseitigt werden, wie zum Beispiel unterhalb der Brücke an der Schmatzfelder Straße, an Abels Mühle und an der Neuen Mühle bei Minsleben. Damit sei dann die größte Renaturierungsaktion innerhalb der Stadt Wernigerode abgeschlossen.

Trotzdem bleiben für die Fischfreunde noch Wünsche offen. "Es gibt immer noch einige Punkte, um Strukturen der Holtemme zu verbessern", so Eichler. "Aber den Grundstein haben wir gelegt."

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