Wernigerode (tk) l "Lasst uns auf Spurensuche gehen" - dieser Satz Ludwig Hoffmanns bildete das Initial für ein knapp einjähriges Projekt des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte. Und immer und immer wieder habe Wernigerodes SPD-Ortsvereinschef seine Mitstreiter gedrängt, gebeten, gemahnt, damit der Präsentationstermin im Dezember nicht in Gefahr gerate. Mit Erfolg: Am 21. Dezember ist die Broschüre über den Widerstand in Harzer Städten gegen den Nationalsozialismus öffentlich vorgestellt worden (wir berichteten).

Gedenkstätte ist authentischer Ort des Erinnerns

Im Volksstimme-Gespräch betont gestern Mit-Autor Peter Lehmann den großen Verdienst des früheren Oberbürgermeisters an der 80-seitigen Schrift mit dem Untertitel "eine spurensuche". Hoffmann sei stets der treibende Keil gewesen, blickt Lehmann zurück: Gesamtverantwortung, selbst Verfasser zahlreicher Kapitel, Auswahl der Wernigeröder Künstlerin Sabine Riemenschneider für die Einbandgestaltung, erfolgreiche Suche nach dem Sponsor Harzsparkasse oder das Ansprechen von Co-Autoren wie Gerd Ilte. "In dieser Schrift steckt von Ludwig Hoffmann jede Menge Herzblut", sagt Lehmann. Krankheitsbedingt habe dieser leider bei der offiziellen Broschüren-Vorstellung fehlen müssen.

Bekanntlich engagiert sich Wernigerodes Ex-Rathauschef seit vielen Jahren gegen den Rechtsextremismus auch in seiner Heimatstadt. Dabei ist es ihm stets wichtig, auf historische Wurzeln wie den Nationalsozialismus zu verweisen. Ein Grund mehr für Hoffmann, im Förderkreis der Wernigeröder Mahn- und Gedenkstätte aktiv zu sein.

Peter Lehmann räumt ein, die Gedenkstätte am Veckenstedter Weg spiele im Bewusstsein vieler Wernigeröder derzeit kaum eine Rolle. Es sei daher ein Anliegen des Förderkreises, diesen Ort von der stark ideologisch geprägten DDR-Erinnerungskultur mit Aufmärschen von Schülern oder feierlichen Verpflichtungen von Wehrdienst-Anwärtern zu befreien. Vielmehr solle darauf hingewiesen werden, dass es in Wernigerode mit diesem Lager für Zwangsarbeiter, die vor allem in Harzer Rüstungsbetrieben schuften mussten, einen sehr authentischen Ort des Erinnerns gibt .

Rolle des Harzer Verkehrsverbandes aufarbeiten

Sollte die Broschüre zunächst nach dem Widerstand in Wernigerode forschen, habe die Autorenrunde - auch dank der Unterstützung von Stefan Küchler und Klaus Oppermann - ihren Ansatz erweitert, Blankenburg, Ilsenburg und Thale mit einbezogen.

Lehmann schätzt ein, es ist noch reichlich Arbeit zu leisten, um die zahlreichen unbeantworteten Fragen aus dieser Zeit beantworten zu können. Die Rolle des damaligen Harzer Verkehrsverbands zur NS-Zeit müsse genauso aufgearbeitet werden wie das Schaffen von Ulrich von Fresenius, Wernigerodes Bürgermeister von Januar 1933 bis April 1945, der 1933 der NSDAP beigetreten war.