Seit 100 Jahren steht es bereits am Heltauer Platz - das Wernigeröder Logenhaus. Zum Jubiläum präsentiert sich die Freimaurerloge am 22. September bei einem Tag der offenen Tür.

Wernigerode l Mit einem Tag der offenen Tür soll am 22. September das Jubiläum des Wernigeröder Logenhauses begangen werden. In dem imposanten Bau am Heltauer Platz haben das Philharmonische Kammerorchester, eine Tanzschule und die Wernigeröder Freimaurerloge ihr Domizil. Seit 100 Jahren steht das Gebäude bereits dort. "Es gibt trotzdem viele Einheimische, die verwirrt gucken, wenn sie nach dem Logenhaus gefragt werden", weiß Bernd-Jürgen Sahland. Er ist "Meister vom Stuhl" der Wernigeröder Freimaurer. Viele Menschen wüssten zudem nicht, dass im Harz wieder Freimaurerlogen existieren. Das mag an der wechselvollen Historie dieser Vereinigung während der vergangenen Jahrhunderte liegen.

Zwischen dem 15. und 16.Jahrhundert zogen Dombaumeister von Grafschaft zu Grafschaft, um ihre Dienste anzubieten. Durch Reisen ins Ausland erweiterten sie ihren Horizont und entwickelten oft eine tolerante und offene Weltanschauung. Aufgrund ihres Wissens und Erfahrungsschatzes war die Zunft der Dombaumeister - der Maurer - äußerst angesehen. Ihnen schlossen sich Künstler, Wissenschaftler, Philosophen und andere an - weil sie aber nicht der Zunft angehörten, wurden sie Freimaurer genannt. Im Jahr 1717 organisierten sich in England die ersten Freimaurer in einem Bund. Sie fühlten sich den Grundideen der Französischen Revolution verbunden, machten Humanität, Menschenliebe und Toleranz zu ihren Schlagworten.

"Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten die meisten Logen in Kleinstädten um die 250 Mitglieder", erklärt Sahland. Auch in Wernigerode sei die 1901 gegründete Freimaurerloge "Zum starken Licht am Brocken" gut besucht gewesen, darum musste 1912 ein geeignetes Vereinsheim her. "Das Logenhaus wurde durch den damaligen Stadtbaudirektor Deistel erbaut und bis 1934 kulturell von den Freimaurern genutzt", so Sahland.

"Viele Mythen um die Freimaurer entstanden in der Zeit des Nationalsozialismus."

Die Nationalsozialisten empfanden den Bund von Freidenkern als Bedrohung und sprachen 1934 ein deutschlandweites Verbot aus. "In dieser Zeit wurden viele Gerüchte in die Welt gesetzt. Auch deshalb umgibt die Freimaurer bis heute ein Mantel von Mythen. Dabei ist das Blödsinn, wir haben keine Schätze oder Geheimnisse wie bei Illuminati", sagt Sahland augenzwinkernd. Auch zu DDR-Zeiten blieben die Freimaurer verboten. In Wernigerode gehörte das Logenhaus zu der Zeit der Kreisverwaltung - beherbergte den Bund der Vertriebenen und den Sozialverband. "Nach dem Mauerfall wurden die Häuser der Freimaurer wie enteignetes jüdisches Eigentum behandelt. Alle Immobilien wurden der nationalen Mutterloge der Freimaurer "Zu den drei Weltkugeln" übereignet. Noch heute gehört das Wernigeröder Haus der Weltkugelstiftung.

Als sich die Freimaurer in Wernigerode 1996 neu formierten - die Logen "Zum starken Licht am Brocken" und "Zur Eiche am scharfen Stein" wuchsen damals zusammen - wurde das Gebäude wieder ihre Heimstatt. Momentan bauen die insgesamt zwölf Wernige-röder Mitglieder ihre Vereinsräume aus. Und auch wenn die Freimaurer ihrer Ideologie nach eher zurückhaltend sind und sich in der Öffentlichkeit nicht gern selbst präsentieren, wollen sie den 100. Geburtstag ihres Hauses nutzen, um Irrtümern ein Ende zu bereiten.

"Am 22. September wollen wir Besuchern das Haus zeigen. Dafür bereiten wir eine Ausstellung über den Werdegang des Gebäudes vor. Wer Bilder und Dokumente hat, die das Haus in der NS-Zeit oder zu DDR-Zeiten zeigen, kann sich gerne an uns wenden. Besonders diese Jahre sind sehr lückenhaft", sagt Sahland.

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