Das Gelände des ehemaligen Wolmirstedter Krankenhauses wird der Stadt übertragen. Der Traum von der Nachnutzung des Krankenhauses in Form eines Ärztehauses ist geplatzt.

Wolmirstedt l Das Gelände des ehemaligen Wolmirstedter Krankenhauses ist inzwischen eine Brache. Darauf türmt sich ein Schuttberg. Wenige Gebäude stehen noch, unter anderem das ehemalige Bettenhaus. Ein niedergelassener Internist berät dort stundenweise zu Herzschrittmachern, Ärzte des Sana Ohre-Klinikums halten Sprechstunden für Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen und zur Unfallchirurgie ab.

Doch die Tage der Sprechstunden an dieser Stelle sind gezählt. "Im ersten Halbjahr 2013 werden wir ein Konzept für den Abriss erstellen", teilt Peter Falkenberg, Geschäftsführer des Sana Ohre-Klinikums mit. Beräumt wird dieses Gelände der Stadt übertragen. "Unentgeltlich, lasten- und kostenfrei", sagt Iris Herzig, Koordinatorin des Fachbereiches Soziales und Verbraucherschutz im Landkreis Börde. "Die Sprechstunden sollen aber weiterhin in Wolmirstedt abgesichert werden, lediglich an anderer Stelle", versichert Yvonne Eichelmann, Pressesprecherin des Sana Ohre-Klinikums. Derzeit werde nach Standorten gesucht.

Die Stadt bekommt nicht nur das rund 33000 Quadratmeter große Grundstück übertragen, sondern obendrauf auch noch Geld. "Die Sana Ohre-Klinikum GmbH hat sich verpflichtet, der Stadt Wolmirstedt einen Zuschuss von 40000 Euro zu leisten", so Iris Herzig. Dieses Geld ist zweckgebunden. Davon soll eine Konzeptstudie für zen- trumsnahe Stadtentwicklung und Verbesserung der städtischen Infrastruktur erstellt werden. Diese Vereinbarungen gehen auf einen Kreistagsbeschluss vom 22. Februar 2012 zurück.

Dass das Sana Ohre-Klinikum der Stadt sowohl das Grundstück als auch die Fördersumme von 40000 Euro überlässt, hat einen einfachen Grund. "Zwischen dem Landkreis und dem Sana Ohre-Klinikum war vereinbart worden, dass ein Nachnutzungskonzept zum Tragen kommt", sagt der Wolmirstedter Heinz Maspfuhl (SPD), der sowohl im Stadtrat als auch im Kreistag sitzt und die Entwicklung begleitet hat. Eine Art Praxisklinik sollte entstehen und die ärztliche Versorgung an der Stelle des ehemaligen Krankenhauses weiterhin sichern. "Bei Nichterfüllung des Vertrages drohte eine nicht unerhebliche Vertragsstrafe", so Maspfuhl. Bis Ende 2011 sollte das Nachnutzungskonzept stehen.

Aber aus der geplanten Praxisklinik sei nichts geworden. Darum hatte es Anfang 2012 den neuen Vertrag gegeben, in dem die Forderung nach einem Nachnutzungskonzept ersatzlos gestrichen, somit auch die Vertragsstrafe hinfällig wurde, und im Gegenzug Grundstück plus Geldsumme an Wolmirstedt gehen.

Ärzte haben sich eingerichtet

Die Schließung des Wolmirstedter Krankenhauses war vor Jahren in der Landeskrankenhausplanung zu Gunsten des Haldensleber Krankenhauses gefordert worden. Es hatte heftige Proteste in der Bevölkerung gegeben und doch kam Anfang 2008 das Aus.

Es habe auch Bemühungen gegeben, Ärzte für eine Praxisklinik in Wolmirstedt zu gewinnen, erinnert sich die amtierende Bürgermeisterin Marlies Cassuhn (parteilos). Ein greifbares Ergebnis habe es nicht gegeben. "Die Ärzte haben sich inzwischen in ihren eigenen Praxen eingerichtet", sagt Marlies Cassuhn.

Diesen Trend bestätigt auch Dr. Ernst Riemann. Der 74-Jährige war seit 1972 Ärztlicher Direktor der Kreispoliklinik des Kreises Wolmirstedt, arbeitet seit der Wende und immer noch als Hausarzt in einer eigenen Praxis. Dr. Riemann sieht ebenfalls keine Chance, noch einmal eine Praxisklinik an der Stelle des ehemaligen Krankenhauses zu etablieren. "Die Ärzte, die in Wolmirstedt tätig sind, haben inzwischen ihre Häuser und kein Interesse, woanders hinzugehen," sagt er.

Außerdem sieht er die Stadt momentan noch gut versorgt. "Wir haben zwei Augenärzte, zwei Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, zwei Orthopäden und Chirurgen", nennt er Beispiele. Lediglich in der Hausarztversorgung drohen Engpässe, weiß er aus eigener Erfahrung: "Wir nehmen keine neuen Patienten mehr auf", erklärt er.

Die Überalterung der Ärzte, die Tatsache, dass manche weit übers Rentenalter hinaus praktizieren, macht Heinz Maspfuhl Sorge. "Wir sollten prüfen, ob das Bettenhaus wirklich so marode ist, oder ob man es auf zwei oder drei Etagen zurückbauen und nachnutzen kann. Vielleicht kommen junge Ärzte hierher."

Marlies Cassuhn sieht diese Option nicht. Sie fände es wichtig, dass die bisherigen Sprechstunden weiterhin an anderer Stelle abgehalten werden. "Außerdem würde sich die Stadt bei Bedarf zusammen mit der Ohrebus Verkehrsgesellschaft bemühen, die Busse zu den Besuchszeiten des Haldensleber Sana Ohre-Klinikums durchfahren zu lassen." Und ganz besonders liegt ihr am Herzen, dass in Wolmirstedt ein Konzept dazu erarbeitet werde, was mit dem Krankenhausgelände passieren soll.