Die Wolmirstedter Stadtbibliothek bietet 21324 Medien Platz. Doch eine Bücherei sollte mehr sein, als Ausleihstation. Leiterin Bastienne Schröter sieht in Bibliotheken auch Kommunikationspunkte. Dafür müssen allerdings größere Räume her.

Wolmirstedt l Die Bibliothek auf der Schlossdomäne ist eng und gemütlich. Bücher, Zeitschriften, Spiele, CDs warten dicht aneinandergedrängt auf Interessenten. Und die kommen. Im vergangenen Jahr wurden 32915 Medien von 14335 Bibliotheksbesuchern entliehen. Damit wäre jeder der knapp 12000 Wolmirstedter Bürger - vom Säugling bis zum Greis - theoretisch mindestens einmal im Jahr in der Bibliothek gewesen. Das ist natürlich Unsinn: Die Zahl von 14335 Besuchern bedeutet, dass die rund 1000 aktiven Leser im Schnitt mindestens einmal im Monat den Büchertempel betreten haben.

1000 aktive Leser, das ist eine beachtliche Zahl. Dennoch wünscht sich die Bibliothek noch viel mehr Nutzer. Andererseits ist der Platz in der Stadtbibliothek sehr begrenzt. Der ehemalige Pferdestall auf der Schlossdomäne misst 168Quadratmeter. "Wir brauchen aber mindestens 400Quadratmeter", sagt Bibliotheksleiterin Bastienne Schröter. Zum einen, um ein Kommunikationspunkt zu werden, zum anderen um die Bücher großflächiger zu präsentieren. Derzeit zeigen die meisten Bücher dem Leser den Rücken. Bei der Vielzahl ist es jedoch angenehmer, wenn das "Gesicht" eines Buches die Auswahl erleichtert und zum Lesen verführt. Die Notwendigkeit einer größeren Bibliothek machte Heinz Natzel, Vorsitzender des Bibliotheksfördervereins "Lesezauber", auf der jüngsten Stadtratssitzung deutlich.

Bastienne Schröter stimmt dem Fördervereinsvorsitzenden zu. "Wir kennen viele unserer Leser gut", sagt sie, "da sprechen wir persönliche Buchempfehlungen aus." Das Engagement der Leiterin und ihrer Mitstreiterinnen Dagmar Müller und Bärbel Reim gleicht somit das Manko des fehlenden Platzes aus. Die Zukunft soll aber darüber hinausgehen. "Eine Bibliothek muss Kommunikationspunkt sein", sagt Bastienne Schröter, "im optimalsten Fall im Zentrum der Stadt. Eine Bibliothek braucht Platz. Leser müssen sich auch in Ruhe hinsetzen und in ein Buch hineinlesen können."

Die Bibliotheksleiterin gerät geradezu ins Schwärmen, wenn sie von den Bibliotheken in Roßlau oder Stuttgart erzählt, die nach Umbau und Umzug ins Stadtzentrum zum gesellschaftlichen Treffpunkt avancierten. "Da können ganze Kindergartengruppen unangemeldet kommen, sogar frühstücken, bevor sie sich die Bücher anschauen", hat Bastienne Schröter beobachtet. Ein weiteres Plus für eine Bibliothek als Bürgertreff wäre die Ebenerdigkeit. Ob in Wolmirstedt ein Gebäude all diese Bedingungen für eine Bibliothek der Zukunft bietet, darüber hat Bastienne Schröter mit dem Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) bereits gesprochen. Der zeigte sich für die Suche nach einem neuen Domizil aufgeschlossen, sagte: "Wir sind an dem Thema dran."