Der Zeitplan für die neue Schulentwicklungsplanung steht. Bis zum Frühsommer muss die Gemeinde Hohe Börde ihr Konzept für sechs Grundschulstandorte beschließen. Die Bürgermeisterin warnt vor falschen Kinderzahlen und befürchtet Fehlplanungen.

HoheBörde l Heftige Diskussionen bei Eltern und Lehrern, in den Ortschaftsräten, Ausschüssen und im Gemeinderat der Hohen Börde stehen bis Anfang Juli ins Haus. Grund ist die neue Schulentwicklungsplanung, die über die Zukunft vor allem der sechs Grundschulstandorte in der Gemeinde entscheiden wird.

Der Landkreis hat die Gemeinde aufgefordert, bis Ende Mai angeforderte Planungsunterlagen nach Haldensleben zu schicken. Bis Ende Juni soll der Gemeinderat laut Schreiben der Kreisverwaltung die Schulentwicklungsplanung für ihre Standorte beschließen.

Mindestschülerzahlen und Prognosen sind entscheidend

"Unser Plan ist: Der Gemeinderat soll im Juli die Schulentwicklungsplanung beschließen. Bis dahin wollen wir eine offene, transparente Diskussion führen, die ein zukunftsfähiges Schulentwicklungskonzept zum Ziel hat", erklärte Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel und erwartet kontroverse Debatten.

Maßgabe für die Zukunft der Schulen ist eine vom Land angekündigte Verordnung. Danach gelten ab dem Schuljahr 2014/2015 neue Mindestschu¨lerzahlen fu¨r die Grundschulen im ganzen Land. 60 Schu¨ler heißt die magische Grenze fu¨r den Erhalt eines Schulstandorts. Ab 2018 soll die Mindestschu¨lerzahl auf 80 erho¨ht werden.

In den Sog der Schließungsverordnung könnten nach dem bisherigen Stand der Dinge die Grundschulen Eichenbarleben, später auch Bebertal und Rottmersleben geraten. Auf den Prüfstand kommen aber alle Schulstandorte.

Seit Wochen arbeitet die Gemeindeverwaltung an einer Untersuchung der sechs Grundschulen. Laut Auflagen des Landkreises wird besonders der bauliche Zustand der Schulgebäude und der damit verbundene Investitionsbedarf bewertet. Aber auch Kriterien wie das Raumpotenzial und die Ausstattung der Schulen, die Schulwegsituation, der Zustand und die Nähe zu einer Turnhalle und die Hortbetreuung sollen in die Untersuchung einbezogen werden. Doch der alles entscheidende Bewertungsfaktor bleiben die zu erwartenden Schülerzahlen.

Dabei hat die Gemeindebürgermeisterin hat ein grundsätzliches Problem ausgemacht: Tendenziell unterscheiden sich die Prognosen der Bevölkerungsentwicklung für die Hohen Börde.

Zum Einen: Der Landkreis greift für die Zukunft auf Zahlen der 5. regionalisierten Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes von Sachen-Anhalt für die Jahre 2008 bis 2025 zurück.

Zum Anderen: Die Gemeinde hat auf Basis konkreter nachweisbarer Einwohnerzahlen eigene Prognosen aufgestellt. Deren Grundannahmen und Zahlen bestätigt auch die vom Land geförderte wissenschaftliche Studie zum Demografischen Wandel in der Hohen Börde aus dem Jahr 2011.

Schere der Prognosen geht immer weiter auseinander

Für die Langzeitprognose soll die Gemeinde aber die Landesprognose verwenden. Die Folge: Der Landkreis geht für das Jahr 2025 von 113 Erstklässlern in der Hohen Börde aus, die Gemeinde prognostiziert 151. Für 2032 geht die Schere noch weiter auseinander. Der Landkreis geht von 67 Erstklässlern aus, die Gemeinde von 148.

Bürgermeisterin Steffi Trittel mahnt deshalb: "Ich befürchte, dass eine Fehlplanung zur Grundlage der Schulentwicklungsplanung gemacht werden könnte. Es nützt doch niemandem, wenn in einigen Jahren wegen falsch prognostizierter Schülerzahlen erneut Zusatzbauten erforderlich sind. Das haben wir in der Hohen Börde an der Grundschule Niederndodeleben schon erlebt, wo zunächst der Hort angebaut werden musste und dann ein Schulanbau nötig geworden war. Deshalb sollten die aktuellsten Zahlen die Basis sein, um wirklich verlässlich Strukturen für die Zukunft zu schaffen", betonte Steffi Trittel.