Die Entscheidung ist gefallen. Das neue, zweite Blockheizkraftwerk in Wolmirstedt soll auf der Fläche des ehemaligen "Ohre-Zehners" gebaut werden. Die Stadtwerke schlagen vor, den Schornstein nachts zu beleuchten und Bäume drumherum zu pflanzen.

Wolmirstedt l 13 der anwesenden Stadträte haben ihre grüne Stimmkarte hochgehalten, als Ratsvorsitzender Gerald Zimmermann (CDU) auf einer Sondersitzung am Donnerstagabend die entscheidende Frage stellte: "Stimmen Sie dem Beschluss zu?" Damit steht nun fest, wo in Wolmirstedt das neue, zweite Blockheizkraftwerk (BHKW) gebaut werden soll: auf der Fläche des ehemaligen "Ohre-Zehners" in der Geschwister-Scholl-Straße/Ecke Heinrich-Heine-Straße. Vier Stadträte lehnten den favorisierten Standort-Vorschlag der Stadtwerke ab, fünf Ratsmitglieder enthielten sich.

Schornstein bis zu 16 Meter hoch

Mit dem Bau eines zweiten BHKW wollen die Stadtwerke Wolmirstedt laut Geschäftsführer Harald Luther das veraltete, inzwischen weder wirtschaftliche noch effiziente, Fernwärmekonzept aus dem Jahr 1993 neu definieren. Dazu gehört auch die Errichtung eines weiteren BHKW in der Gebäudehülle der bestehenden Anlage in der Gipfelstraße. Für die Leistung von unter zwei Megawatt könne der in dem neuen Werk künftig erzeugte Strom steuerfrei verwendet werden. Zudem gebe es vom Bund pro erzeugter Kilowattstunde 2,4 Cent zurück. Beides solle sich positiv auf den Strompreis für die Kunden der Stadtwerke auswirken.

Einen Antrag, einen Beschluss darüber zu fassen, dass die Stadtwerke die künftig zusätzlich erzielten Gewinne den Kunden über den Strompreis rückerstatten sollen, stellte am Donnerstag Stadtrat Frank Senkel (Bündnis 90/Die Grünen). Eine entsprechende Beschlussvorlage werde in die nächste Beratungsfolge der Ausschüsse aufgenommen, sagte Vorsitzender Gerald Zimmermann.

Gesprächsbedarf hatten die Stadträte - wie schon am Montag bei einer vorangegangenen Informationsveranstaltung - auch hinsichtlich der optischen Gestaltung des neuen BHKW in der Geschwister-Scholl-Straße. Wolmirstedt sei "mit Betonklötzen gesegnet" hatte Gisela Gerling-Köhler (FDP) zu Beginn der Woche gesagt. Mit einem schmuck- losen BHKW würde ein weiteres "massives Betongebäude entstehen".

Stadtwerke-Chef Harald Luther schlug verschiedene Möglichkeiten vor, den Speicher sowie den 15 bis 16 Meter hohen Schornstein optisch zu verschönern beziehungsweise zu verstecken. "Hierzu werden sowohl bautechnische Ergänzungsmöglichkeiten am BHKW als auch natürliche Elemente in Form von Bäumen, Büschen und Sträuchern beziehungsweise Hecken in Kombination mit lichttechnischen Illuminations- sowie optischen Marketingelementen zum Einsatz kommen", erklärte Harald Luther.

Nur Flachwurzler möglich

Vorstellen könne er sich beispielsweise, die Gebäudehülle mit Naturmotiven bemalen zu lassen und/oder den hohen Schornstein - quasi als ein neues Wahrzeichen der Ohrestadt - nachts farbig beleuchten und damit zum Blickfang werden zu lassen. Was die Bepflanzung angeht, gebe es eine Einschränkung: Weil sich in einer Tiefe von 1,50 bis 1,80 Meter noch eine Betonplatte befinde, müsse auf Flachwurzler zurückgegriffen werden. Welche Bäume auch immer gepflanzt werden - es wird eine Weile dauern, bis sie hoch genug gewachsen sind, um das Gebäude etwas zu verstecken. Geplant sei weiterhin, "mittelfristig die nach Süden ausgerichtete Dachfläche des BHKW mit einer Photovoltaik-Anlage zu versehen", informierte der Geschäftsführer.

Voraussichtlich im Februar oder März des kommenden Jahres soll mit dem Bau des neuen Blockheizkraftwerkes begonnen werden.

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