Anke Zenker ist trotz Weihnachtsstress einfach nur glücklich. Denn sie freut sich für bedürftige Kinder in Osteuropa, die sie zwar persönlich nicht kennt, deren Schicksal aber die dreifache Mutter zum Handeln bewegt hat. Dank ihrer Initiative kamen bei der Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" 349 Pakete zusammen.

Wolmirstedt -l Am Mittwoch hatte Anke Zenker die endgültigen Zahlen auf dem Tisch. Doch, was die junge Wolmirstedterin, Mutter von drei Söhnen, da Schwarz auf Weiß präsentiert bekam, konnte sie nicht glauben: "Ich habe ja ganz fest darauf gebaut, dass wir die Zahlen aus dem Vorjahr - die lagen bei genau 99 - übertreffen", lässt sich die gelernte Krankenschwester ein kleines Stück in die Seele schauen, "und wenn ich ehrlich bin, habe ich im Stillen darauf gehofft, dass wir vielleicht sogar die 200 knacken können. Dass aber letztlich sage und schreibe 349 Weihnachtspakete zusammenkommen und die noch rechtzeitig zu Heiligabend vor Ort bei den bedürftigen Kindern in Osteuropa sein werden, kann ich kaum glauben. Die Freude, die ich dabei empfinde, ist mit Worten einfach nicht zu beschreiben, ich kann nur sagen, sie ist überwältigend."

Das war vor zwei Jahren noch anders: Denn gerade in dieser so fröhlichen Weihnachtszeit kam die junge Frau stets ins Grübeln: "Mir wurde in diesen Tagen immer wieder schlagartig bewusst, dass es nicht allen Menschen so gut geht wie uns. In manchen Ländern, so auch in Osteuropa, herrscht nämlich in vielen Bevölkerungsteilen bittere Armut, kann deshalb keine rechte Weihnachtsvorfreude aufkommen."

Bei ihren Recherchen stieß die dreifache Mutter darauf, dass besonders Kinder von schwierigsten Lebensumständen betroffen sind. "Ich konnte unter anderem erfahren, dass die Mädchen und Jungen nicht nur Weihnachten oft in Flüchtlingslagern, Waisenheimen, Slums oder auf Müllhalden verleben müssen. Als ich dann noch Bilder von diesem Elend sah, wuchs in mir der zwingende Wunsch, diesen Kindern etwas Freude in die Augen und damit ins Herz zu zaubern."

Anke Zenker ist keine Frau der großen Worten, sie lässt allein Taten sprechen. Das hieß in diesem Fall, dass sich die engagierte Wolmirstedterin, die Mitglied des Gemeindekirchenrates ist, seit dem vergangenen Jahr ganz persönlich für die bundesweite Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" stark macht.

Zu Weihnachten 2010 kamen 99 Schuhkartons zusammen, in diesem Jahre sind es unglaubliche 349 - randvoll gepackt nicht nur mit Süßigkeiten.

Die 41-jährige Wolmirstedterin schreibt sich diesen Erfolg nicht allein auf die Fahne: "Die Menschen in unseren Breiten sind sensibler geworden, zudem habe ich gerade im vergangenen Monat unglaublich viel Zuspruch erfahren", erzählt Anke Zenker. Und was sie besonders freut, es waren fast durchgängig Kinder, die Schuhkartons gepackt und damit den Gleichaltrigen in Osteuropa geholfen haben. So brachten die Schüler der Diesterweg- und der Gutenberg-Grundschule zig Päckchen, wenn nicht in die Katharinenkirche, dann gleich direkt zur Familie Zenker in den Genossenschaftsweg. Auch die Mädchen und Jungen des Evangelischen Kindergartens, der Kita "Ohrespatzen" in Wolmirstedt, die "Weinbergwichtel" in Farsleben sowie die Schüler der Evangelischen Fachschule beteiligten sich an der Aktion "Weihnachten im Schuhkarton". Was die Wolmirstedterin nicht unerwähnt lassen will, neben den Paketen kamen auch über 400 Euro zusammen, davon allein 200 aus der Kirchengemeinde Colbitz. "Das Geld wird dringend benötigt, da das Porto für jedes einzelne Paket sechs Euro beträgt."

Was Anke Zenker dagegen unerwähnt lässt, dass sie alle 349 Pakete selbst kontrolliert und mit ihrem eigenen Pkw nach Haldensleben zum Zentralen Sammelpunkt gebracht hat.

"Einiges allerdings, ich denke da beispielsweise an Gummitiere oder Spielzeug mit Batterien, durften nicht im Karton bleiben, weil es die Einfuhrbestimmungen nicht zulassen", erläutert die engagierte Frau, die sich auch 2012 wieder für "Weihnachten aus dem Schuhkarton" engagieren wird. "Diese Sachen aber gehen dennoch nicht verloren. Sie werden mit absoluter Sicherheit rechtzeitig zu Heiligabend auf dem großen Gabentisch des Waisenhaus Tutajew, 300 Kilometer von Moskau, in Russland liegen."