Das Harmonium in der Jersleber Kirche war erst im Vorjahr von Matthias Müller restauriert worden. Zum 4. Advent spielte er auf dem Instrument fast durchweg unbekannte Stücke. Trotzdem wurden die Besucher wunderbar auf Weihnachten eingestimmt.

Jersleben l Mit einem kleinen Schatz unter dem Arm kam Kantor Matthias Müller am Sonnabend in die Jersleber Kirche. Den Besuchern seines Konzerts zum 4. Advent präsentierte er stolz eine kleine Sammlung an Originalnoten für das Harmonium. Die hatte der Kirchenmusiker erst kürzlich aus dem Nachlass einer Prinzessin aus der Toskana "für viel Geld", wie er mit hocherhobenem Zeigefinger erwähnte, erworben.

Was Müller dann den Tasten entlockte, war weit entfernt von dem, was derzeit überall weihnachtsselig zu hören ist. Es begann schon damit, dass er die Stücke vorher nur vage ausgesucht hatte. Mehr nach Lust und Laune und mit kleinen Geschichten rund um das orgelähnliche Instrument gestaltete er das für die Adventszeit eher ungewöhnliche Programm. Das begann mit "Drei Melodien" von einem tschechischen Musiker. Vor allem aber spielte er Stücke von Siegfried Karg-Elert. Lange war das Harmonium ein Stiefkind der Kirchenmusik. Doch seit etwa zehn Jahren, so erzählte er, würde das Instrument ein wenig aus dem großen Schatten der Orgel heraustreten. "Es gibt wirklich wunderschöne Stücke. Meist stammen die Noten aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts", war weiter von Müller zu erfahren. Er besitzt nach eigenen Angaben neben seiner Werkstatt für Harmonien auch zahlreiche wertvolle Exemplare dieses Instrumentes sowie die wohl größte Sammlung an Originalnoten in Europa. Im Vorjahr hat Matthias Müller das Harmonium in der Jersleber Kirche restauriert.

Drei Tage lang war er damit beschäftigt, die Schäden durch den Holzwurm sowie mechanische und optische Mängel zu beseitigen. Das Instrument war dann durch ihn mit einem Eröffnungskonzert zu neuem Leben erweckt worden. Neben dem erwähnten Karg-Elert waren auch Stücke von Paul Wachs und Paul Köppens zu hören. Darunter einige Raritäten und Kuriositäten wie "Seltsame Karawane", "Maurische Phantasien" oder der Marsch Serafine, mit dem das kleine Konzert endete.

Zwischendurch waren auf Wunsch von Jürgen Kober alle Besucher zum Mitsingen aufgefordert worden. Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrat, immer für ein Späßchen zu haben, hatte sage und schreibe Textzeilen aus 15 Weihnachtslieder zu einem "Weihnachtslied für ganz Eilige" zusammengefügt. Gesungen wurde dazu zur Melodie "Oh Tannenbaum".

Mit viel Beifall, Blumen und dem Wunsch auf ein baldiges Wiedersehen wurde der Kantor verabschiedet.