Barleben (gbi) l Der Tisch war festlich gedeckt, Dieter und Waltraud Richter strahlten um die Wette. Das Paar feierte die Goldene Hochzeit und freute sich über viele Gratulationen. Die nahmen sie am frühen Morgen in der selben Wohnung entgegen, in der sie auch schon zu ihrer Hochzeit Gäste empfingen. "Ich bin hier geboren", erzählt Dieter Richter. "Wir haben hier alle zusammen viele Jahre zusammen gewohnt", fügt seine Frau an, "meine Schwiegereltern, wir beide und unsere drei Kinder." Das sei vor einem halben Jahrhundert nicht ungewöhnlich gewesen, man habe sich eben arrangiert. "Zur Hochzeit hatten wir ein großes Fass Heringe ergattert", erinnert sich Waltraud Richter, "die Fische haben meine Schwiegermutter und ich stundenlang in der Küche saubergemacht. Wir waren so froh, dass wir unseren Gästen etwas Gutes bieten konnten." Die Zeiten der Enge und der Knappheit sind inzwischen vorbei. Die drei Kinder sind längst aus dem Haus, zwei Töchter wohnen aber noch immer ganz in der Nähe. Vier Enkel nennen die Richters ihr Eigen. "Ich war früher Böttcher", erinnert sich Dieter Richter. Ein seltener Beruf, einer, der im Laufe der Jahre beinahe ausgestorben ist. "Ich habe ihn auch nur sechs Jahre ausgeübt." Danach arbeitete er in verschiedenen Handwerksbetrieben, zum Schluss als Trockenbauer. Waltraud Richter war Lageristin.

Inzwischen ist das Berufsleben des Paares lange vorbei. Ihren großen Garten haben sie auch abgegeben, kümmern sich dennoch gerne darum, dass es auf dem Hof ihres Hauses hübsch aussieht. "Ansonsten fahren wir unheimlich viel mit dem Fahrrad", strahlt Waltraud Richter. Und wenn eines der Kinder Hilfe beim Tapezieren braucht, ist die Mutter noch immer zur Stelle. Am Abend der Goldenen Hochzeit aber blieben die Fahrräder im Schuppen und die Tapezierbürste im Schrank. Da feierte das Goldene Paar mit der großen Familie und vielen Freunden ein Fest.