Weihnachten immer noch ohne schnelles Internet (DSL)? Familie Schwalm aus Hermsdorf befürchtet das. Seit Mitte November wartet sie auf die frohe Botschaft vom Anbieter. Bisher leider vergebens. Die Volksstimme hakte nach.

Hermsdorf l Guter Hoffnung war Familie Schwalm, als im Herbst die von der Gemeinde beauftragte Firma MDDSL den Abschluss der technischen Arbeiten für die Erschließung von fünf Ortschaften der Hohen Börde - darunter Hermsdorf - vermeldete (Volksstimme berichtete). Die Kosten für die DSL-Erschließung betrugen stolze 441000 Euro, 407000 Euro davon flossen aus öffentlichen Fördertöpfen. Hintergrund für die Förderung war so genanntes "Marktversagen" (siehe auch Kasten).

Bereits im Oktober hatte der MDDSL-Vertriebsleiter Carsten Stave darauf verwiesen, dass der Anschluss der Kunden in besagten fünf Ortschaften davon abhänge, wie schnell sein Unternehmen das DSL-Signal auf den letzten Abschnitt zwischen Verteilerkasten und Haushalt, die so genannten Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) "auflegen" kann.

Kunde fühlt sich machtlos

Diese TAL gehören der Telekom. Stave verwies im Oktober auf erwartete Messprotokolle der Telekom: Wenn diese vorliegen, würde es schrittweise mit dem Anschluss der Kunden vorangehen. Ähnliches teilte MDDSL auch Familie Schwalm Mitte November mit. "Da in den Ortschaften der Hohen Börde die TAL erst teilweise umgeschaltet und abgenommen wurden, können wir bis dato leider noch nicht alle Kunden mit DSL versorgen. Sobald uns die Freigabe durch die Telekom erteilt wird, werden wir uns mit Ihnen in Verbindung setzen", hieß es in einem MDDSL-Schreiben.

Doch statt dieser sehnsüchtig erwarteten Mitteilung von MDDSL, meldete sich mehrfach die Telekom nun bei Familie Schwalm mit der Offerte einer DSL-Verbindung. Die Familie vermutet nun Verzögerungstaktik der Telekom auf Kosten der Kunden und fühlt sich machtlos.

"Es geht jetzt täglich voran"

Carsten Stave: "Wir haben nun mal Wettbewerb. Ganz ausschließen kann ich eine Verzögerungstaktik nicht, beweisen aber auch nicht. Wir wissen nicht, aus welchen Gründen sich die Freigabe der TAL verzögert. Das kann auch ganz unterschiedliche technische Ursachen in den verschiedensten Bereichen der Dörfer haben. Mal geht es ganz schnell, und wir bekommen innerhalb einer Woche Bescheid. Andernorts warten wir - wie in Hohenwarsleben - schon seit zwölf Wochen auf eine TAL-Freigabe. In solchen Fällen machen wir selbst Druck und wenden uns an die Beschwerdestelle der Telekom. Inzwischen mit Erfolg!"

In Hermsdorf hingegen hat MDDSL Stave zufolge schon einige Neu-Kunden an das DSL-Netz angeschlossen: "13 am Lindenplatz und 6 außerhalb des Lindenplatzes. Das geht jetzt täglich voran. Auch in Ackendorf und Nordgermersleben gehen dieser Tage weitere Neukunden ans Netz."

Manchmal liege laut Stave die Ursache auch beim Kunden. "Will der Kunde beispielsweise seine Rufnummer mitnehmen und bei uns einen kombinierten Telefon-DSL-Vertrag abschließen, geht das erst, wenn die Mindestlaufzeit des derzeitigen Telefonvertrages mit dem jetzigen Anbieter abgelaufen ist", erklärte Stave und ergänzte: "Für einen solchen Fall halten wir bei schriftlicher Anmeldung des Kunden auch einen Anschluss frei, bis der Kunde aus seinem alten Vertrag rauskommt."