Wer gern auf der Ohrepromenade Richtung Bodelschwingh-Haus spaziert, dem ist der Weg seit Oktober abgeschnitten. Dort wird die Eisenbahnbrücke erneuert.

Wolmirstedt l An der Eisenbahnbrücke, die über die Ohre führt, drehen sich Bagger. Baufahrzeuge rollen an und wieder ab. Die Enten auf dem Wasser lassen sich davon nicht beeindrucken. Sie gründeln fröhlich vor sich hin. Dem Federvieh ist es schnuppe, dass hier gerade eine Brücke aus dem Jahre 1895 das Zeitliche segnet und einer neuen Überführung weichen muss.

"Die Eisenbahnstrecke zwischen Magdeburg und Stendal wird für Züge mit einer Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometer ausgebaut", sagt Frederike Kötz, die das Baugeschehen an der Ohre betreut. Diesen Geschwindigkeiten hält die 116 Jahre alte Eisenbahnbrücke nicht mehr stand. Teile von ihr wurden zwar 1965 schon einmal erneuert, aber auch die haben schon viel Wasser die Ohre hinunter fließen sehen. Nun ist die Zeit reif, diese alte Brücke durch eine neue zu ersetzen.

Dafür wird erst einmal der Boden verbessert. Eine Zementsuspension wird mit Hochdruck sechs Meter in die Tiefe injiziert. Damit wird die Standfestigkeit der neuen Brücke gewährleistet. "Noch gehen die Arbeiten gut voran", sagt Frederike Kötz, "wenn das Ohrewasser weiter steigt, könnte es schwierig werden." In der Tat ist der Wasserspiegel schon ziemlich nach oben geklettert, liegt aber noch weit unter der kritischen Grenze.

Ist der Unterboden unter der neuen Brücke befestigt, werden neue Widerlager errichtet. Widerlager heißen die Betonblöcke, auf denen auch jetzt die Brücke steht. Die alten Widerlager werden nicht komplett abgebrochen, sondern nur ein Meter wird von jedem Block entfernt, der Rest bleibt stehen. Vor die alten Widerlager werden in Flussrichtung neue Widerlager gesetzt, die die neue Brücke dann tragen.

Zur gleichen Zeit wird neben der alten Brücke der neue Stahlüberbau vormontiert. Die Teile dafür sind längst angefahren worden, auf Schwertransportern mit Überlänge. Für die wurde extra eine Baustellenzufahrt angelegt, und zwar neben dem Rad- und Gehweg zwischen Magdeburger Straße und dem Sportplatz Elbeu.

Im März wird die neue Brücke eingeschoben

Im März müssen alle vorbereitenden Arbeiten fertig sein. Dann wird der alte Überbau abgebrochen und der neue Stahlüberbau eingeschoben. Vom 19. bis zum 26. März wird deshalb die Bahnstrecke gesperrt.

Das passt genau, denn zur selben Zeit fahren dort ohnehin keine Züge, denn auch unter dem Mittellandkanal wird an der Bahnstrecke gearbeitet. Dort wird das alte Klinkergewölbe über der Bahn abgebrochen und durch einen Stahlbetonüberbau ersetzt, der das verbreiterte Kanalbett tragen kann.

Die neue Eisenbahnbrücke in Wolmirstedt wird wesentlich eleganter. "Es wird eine Stahlbogenbrücke errichtet", verrät die Bauleiterin, "sie wird freitragend sein." Dadurch fallen auch die vier Widerlager, also die Betonblöcke weg, die jetzt mitten im Flussbett der Ohre stehen.

Geht alles gut, wird sie spätestens am 26. März in voller Pracht erstrahlen.

Doch nicht nur der Überbau der Brücke wird neu, vor allem geht es ja um die Funktionalität. Damit die schnellen Züge an dieser Stelle durchrauschen können, werden auch die Gleise angepasst und die Oberleitungen erneuert.

Radfahrer und Fußgänger müssen sich dennoch gedulden. Bis alle Arbeiten fertig sind, wird der August ins Land gehen. "Solange haben wir die Sperrung des Rad- und Gehweges beantragt", sagt Frederike Kötz, "aber wenn alles gut geht, werden wir vielleicht schon eher fertig."

Nun wird erst einmal der Winter beweisen, ob er auf der Seite der Bauarbeiter steht.