Liebe Volksstimme-Leser, das Jahr geht zur Neige, zwischen Schrote und Beber heißt es Abschied nehmen von 2011. Hell wird der Himmel heute Abend im Schein der Böller leuchten. Genießen Sie es, denn wer weiß, wie lange die Straßen in der Hohen Börde um Mitternacht noch hell erstrahlt sind. Die Gemeinde will 2012 in allen Ortschaften am Straßenlicht sparen.

"Sparen-Sparen-Sparen" hallte es 2011 über die Weiten der Hohen Börde. Selbst zu Tode Sparen bringt nichts. Denn auch das kostet richtig Zaster. Selbst die unbeleuchteten Orte des Gedenkens, unsere Friedhöfe, sind ins Visier der Sparfüchse aus Rathaus und Hofrat geraten. Stolze Preise sollen Einzug halten, von Luxus und Grundversorgung ist nun selbst beim Tod die Rede. Das muss heute Schlag Mitternacht Bornstedts Orts-Oberer Andreas Arnecke wohl ganz sicher mit einem kräftigen Schluck runterspülen, hatte er doch in der Diskussion um die geplanten höheren Bestattungsgebühren die "teuren Toten" zu "bald superteuren Toten" erklärt. Das Sterben wird teurer und das Leben - weiß Gott - nicht billiger und das Geld der Gemeinde schon gar nicht mehr.

Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel nennt man schon die "Eiserne (Spar-)Lady". So manch Ortsbürgermeister würde ihr heute als Diener bei "Dinner for one" wohl ganz gern Einen einschenken, um sie milde für das kommende Jahr und Investitionen in seinem Dorf zu stimmen. Andere Ortsbürgermeister wiederum sind richtig vergrätzt, und wollen von der "First Lady" der Hohen Börde nicht einmal ein Weihnachtsessen annehmen. Zur letzten Ratssitzung vier Tage vor dem Fest verschmähte Rottmerslebens Ritter mit dem Kreuz an der Brust, Hans Eike Weitz, dampfenden Grünkohl mit Knacker, erhob sich und erklärte in Anlehnung an seinen Glaubensbruder Luther: "¿Ich stehe hier und kann nicht anders.\' Mir wäre lieber, in Zeiten knapper Kassen, das Weinachtsessen selbst zu bezahlen." Ganz so theatralisch hätte er es nicht sagen müssen, aber selbst die Verwaltungsmitarbeiter murrten, dass für sie nicht einmal ein Weihnachtsschnittchen gereicht wurde.

Naja, essen macht ohnehin nur dick, dass bekam auch schon der alte Luther zu spüren. Und ich auch. Erinnern Sie sich, genau vor einem Jahr wollte ich den Gürtel enger schnallen, fünf Kilo hat\'s gebracht. Wohin die verschwunden sein sollen? An der Wampe ist jedenfalls ist kein Schwund zu erkennen. Alles beim Alten also!

Neu hingegen muss 2011 für einen Gemeinderat der Umgang mit seinem neuen Handy gewesen sein. Unberührt und von allen zu hören piepste er Minuten lang eine SMS nach der anderen durch den Raum.

Ein anderer Ortschaftsrat beschwerte sich, dass er immer so viele kluge Sätze sage, und kein einziger davon in der Zeitung steht. Ach ja, Kommunalpolitiker haben\'s manchmal nicht leicht. Journalisten auch nicht, denn nach wie vor wie vor hält sich die Mär, unser Arbeitstag beginne erst gegen Mittag. Den Spruch gegen 11 Uhr am Telefon: "Herr Schulz, habe ich Sie geweckt" möchte ich 2012 - wenn es geht auch noch ein paar Jahre länger - nicht mehr hören. Andererseits bin ich frühmorgens um 6 Uhr beim Zähneputzen auch noch nicht recherchebereit, wie ich einem Leser ausführlich erklären musste.

Und morgen früh bitte gar nicht wecken. Dann ist schließlich Neujahr. Ich wünsche allen Lesern aus der Hohen Börde einen guten Rutsch und ein gesundes helles neues Jahr - auf den Straßen und im Herzen. Bis übermorgen! "Prosit!"