Am Digitalfunk, der auch im Landkreis Börde den analogen Funk ablöst, wird unter Feuerwehrleuten Kritik laut: Die Funkgeräte könnten bei ihren Löscheinsätzen Probleme bereiten und ausfallen. Landtagsabgeordnete wollen sich das Problem jetzt genauer anschauen.

LandkreisBörde l In den Feuerwehren des Kreises rumort es. Die neuen Funkgeräte für den Digitalfunk stehen im Kreuzfeuer der Kritik: Unpraktisch und unglücklich konstruiert, heißt es aus allen Ecken des Landkreises. Stein des Anstoßes ist, dass der Akku dieser Geräte separat vom Gerät geladen werden und dass es dafür auseinandergenommen werden muss - so, als ob ein Handy auseinandergebaut würde. Im Einsatz, im Eifer des Gefechts die Sim-Karte zu verlieren, ist eine böse Vorahnung der Feuerwehrleute. In einem Rettungseinsatz könnte das Funken dann problematisch werden.

Kai Pluntke, Abschnittsleiter für die Hohe Börde, Wanzleben und Sülzetal, erklärt den Unterschied zum bisherigen System: "Bei den alten Funkgeräten war die Halterung zugleich das Ladegerät. Bei den neuen ist das nicht glücklich gelöst. Das sehe ich auch so." Aus anderen Wehren ist dieselbe Meinung zu hören, und sie wird lauter, je näher die Testphase und die Einführung rücken.

Angeschafft wurden die Geräte vom Land Sachsen-Anhalt - nach einer europaweiten Ausschreibung. In diese Richtung entlud sich auf der Jahreshauptversammlung der Haldensleber Feuerwehr nun vor Mitgliedern des Landtages Sachsen-Anhalt die Kritik. "Als sehr negativ anzumerken ist der technische Rückschritt bei den Geräten. Darüber scheint sich im Land keiner Gedanken gemacht zu haben. Wozu gab es denn die Fachgruppen, die sich mit dem Thema befasst haben?", nahm Haldenslebens Wehrleiter Frank Juhl kein Blatt vor den Mund.

"Für den direkten Einsatz zu kompliziert"

Hans-Heino Meuser, Stadtwehrleiter von Oebisfelde Weferlingen

"Das ist veraltete Technik, die man schwer zum Einsatz bringen kann", regte sich auch Andreas Sulfrian auf, stellvertretender Kreisbrandmeister. Und das bemängeln viele. Für "den direkten Einsatz zu kompliziert" erscheinen die Funkgeräte Hans-Heino Meuser, Stadtwehrleiter von Oebisfelde-Weferlingen. "Zu umständlich", pflichtet Bernd Dedecke, Stadtwehrleiter in Oschersleben, bei und erklärt, warum das im Vergleich zur Polizei für die Wehren ungleich schwieriger sei: Die Polizeibeamten würden als Hauptamtliche die Funkgeräte aufgeladen und vorbereitet zur Schicht nutzen. Als Ehrenamtler aber müssten die Wehrleute die Geräte spontan zusammenbauen, nachdem gerade der Alarm geschlagen hat.

Roland Läbisch, Chef der Rettungs-Leitstelle im Landkreis Börde, von wo aus Einsätze koordiniert werden, versteht die Kritik nicht so recht. "Solche Befindlichkeiten kann ich nicht bestätigen." Auf die Einführung des Funks schaut er gelassen: "Ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Ich kann nur darauf verweisen, dass es vor dem Start des Digitalfunks noch Einweisungen geben soll."

Von "Schreibtischtätern" ist unterdessen unter Feuerwehrleuten die Rede mit Blick auf die Kaufentscheidung des Landes. Vom Innenministerium heißt es auf Nachfrage der Volksstimme, dass Vertreter von Feuerwehr und Polizei aber sehr wohl beteiligt worden seien und von Anfang an Gelegenheit gehabt hätten, ihre Bedenken einzubringen.

"Das muss man ansprechen"

Rita Mittendorf, SPD-Landtagsabgeordnete

Dass es mit diesen Geräten Probleme geben könnte, davon wurden Landtagsabgeordnete nun offenbar völlig überrascht, obwohl sie in den Gremien mit dem Thema befasst waren. Auf der Jahreshauptversammlung der Haldensleber Wehr sagte Rita Mittendorf (SPD): "Das muss man ansprechen." Sie hat sich jetzt mit ihrem SPD-Landtagskollegen Rüdiger Erben für Montag mit der Haldensleber Feuerwehr im Gerätehaus für ein Gespräch verabredet. "Wenn es sich tatsächlich als Problem darstellen sollte, muss man sehen, was sich machen lässt", kündigte sie im Vorfeld an.

Keiner in den Wehren glaubt indes, dass es noch einmal Geld für neue Funkgeräte geben könnte. Zu teuer - fürs Land genauso wie für die unter Sparzwängen stehenden Städte und Gemeinden. Sie hoffen, dass die Geräte im Gebrauch "irgendwie funktionieren werden" - auch wenn es nicht der Stand der Technik ist. Hans-Heino Meuser zum Beispiel glaubt, dass es vielleicht nur "Gewöhnungssache" werde. Die Akku-Haltbarkeit sei gut, meint Kai Pluntke. "Vielleicht ist sie so gut, dass es in der Praxis keine Probleme gibt. Wir müssen sehen, wie sich das entwickelt."

   

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