Der Bundesrat hat auf seiner jüngsten Sitzung den Weg zur Rückkehr der alten Kfz-Kennzeichen freigemacht. Gute Chancen also, bald wieder mehr Fahrzeuge mit HDL, WMS, OC oder WZL im Straßenverkehr zu entdecken. Selbst OK und BÖ sollen wieder möglich sein.

Haldensleben l Auf die Entscheidung des Bundesrats haben viele Städte lange gewartet: am vergangenen Freitag beschloss das Gremium, dass ausgemusterte Altkennzeichen für Kraftfahrzeuge künftig wieder zugelassen werden.

"Ich freue mich sehr, dass der Bundesrat diese Entscheidung so gefällt hat. Es geht um ein wenig mehr Identifikation und Heimatgefühl für viele Orte in Sachsen-Anhalt, auch für die Stadt Haldensleben", sagt Haldenslebens Bürgermeister Norbert Eichler. Die Kreisstadt hatte sich im Jahr 2010 der sogenannten Heilbronner Initiative angeschlossen, die sich die Wiedereinführung der alten Kfz-Kennzeichen auf die Fahne geschrieben hatte.

Doch das Vorhaben scheiterte noch im gleichen Jahr am Votum des Haldensleber Hauptausschusses, bei dem das Streben der Verwaltung nach dem HDL-Kennzeichen keine Mehrheit fand. Mittlerweile habe sich jedoch die Meinung der Ausschussmitglieder gewandelt, machte Stadt-Pressesprecher Lutz Zimmermann deutlich: "Der Hauptausschuss hat jetzt doch für die Wiedereinführung gestimmt."

So geteilter Meinung, wie vor zwei Jahren noch der Haldensleber Hauptausschuss war, so sehr spaltete das Thema auch noch in jüngster Vergangenheit die Republik. Positiv stand und steht der Städte- und Gemeindebund dem Vorhaben gegenüber. Der Deutsche Landkreistag mit seinem Präsidenten Jörg Duppré dagegen hatte sich bereits im Vorfeld der Bundesratsentscheidung nachdrücklich gegen die Wiedereinführung der Altkennzeichen ausgesprochen.

"...Kosten und bürokratischer Aufwand stehen in keinem vertretbaren Verhältnis."

Hans Walker, Landrat im Landkreis Börde

Seine Zweifel hat auch Börde-Landrat Hans Walker. "Grundsätzlich kann ich die Bemühungen von Städten und Gemeinden nachvollziehen, durch geeignete Marketingideen die eigene lokale Identität zu stärken. Allerdings ist nach meiner Meinung die Wiedereinführung der sogenannten Altkennzeichen (...) aus mehreren Gründen wenig dazu geeignet." Für ihn trage das Kennzeichen "BK" zum Zusammenwachsen des Landkreises und zur bundesweiten Identifikation mit einer Wirtschafts- und Tourimusregion bei, betonte Walker. "Bei einer Realisierung stehen in Zeiten knapper Kassen auch Kosten und bürokratischer Aufwand in keinem vertretbaren Verhältnis."

Doch damit wird er sich nun wohl anfreunden müssen, plant doch das Verkehrsministerium des Landes die Wiedereinführung aller Altkennzeichen des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund zu beantragen. Verkehrsminister Thomas Webel stand bereits vor der Bundesratsentscheidung dem Thema aufgeschlossen gegenüber. "Ich bin für eine Liberalisierung des Systems durchaus offen. Bei den heutigen technischen Voraussetzungen ist sicherlich vieles möglich. Allerdings dürfen wir den ordnungspolitischen Aspekt und die Frage des Verwaltungsaufwandes dabei nicht aus den Augen verlieren", hatte er auf Volksstimme-Nachfrage mitgeteilt.

Neben Haldensleben streben auch die Städte Wolmirstedt und Wanzleben - Börde die Wiedereinführung ihrer alten Kennzeichen-Kürzel "WMS" beziehungsweise "WZL" an. Die Stadt Oschersleben hat sich zu diesem Thema noch nicht offiziell positioniert.

"Zu hoffen bleibt jetzt, dass die näheren Modalitäten schnell geklärt werden..."

Norbert Eichler, Bürgermeister von Haldensleben

Norbert Eichler steht praktisch schon Gewehr bei Fuß. "Zu hoffen bleibt jetzt, dass die näheren Modalitäten schnell geklärt werden und die Landkreise dann unseren Bürgern zusätzlich diese Möglichkeit eröffnen. Ich werde jedenfalls dazu das Gespräch mit Landrat Walker suchen", versicherte das Haldensleber Stadtoberhaupt.

Nach dem Willen des Landesverkehrsministeriums sollen für den Landkreis Börde aber nicht nur Altkreis-Kürzel "HDL", "WMS", WZL" und "OC" zugelassen werden. Auch Anhänger des ehemaligen Ohrekreises beziehungsweise Bördekreises sollen die Möglichkeit bekommen, ihre Fahrzeuge wieder mit "OK" oder "BÖ" schmücken zu dürfen.