Imaginata piccola, das ist die kleine Wahrnehmungsmesse, die stets so großen Eindruck bei den Kinder hinterlässt. Das heißt in diesem konkreten Fall, die Sinne trainieren, Wahrnehmung schulen – für die Schüler der Evangelischen Fachschule für soziale Berufe steht einmal im Jahr ein großes Projekt auf dem Stundenplan.

Wolmirstedt (VS). Die künftigen Erzieher der Evangelischen Fachschule tüfteln seit der vergangenen Woche an einem Konzept, das Kinder und Jugendliche ansprechen soll. Es soll für den eigenen Körper sensibilisieren, soll Motivation schaffen, seine Fähigkeiten auszuprobieren. Und sie stellen sich auch die Frage: Wie viele Sinne hat der Mensch überhaupt? Sechs Sinne, so die Schüler, wollen sie ansprechen: Sehen, Hören, Gleichgewicht, Fühlen, Schmecken und Riechen.

Für die Präsentation, die am morgigen Freitag stattfinden soll, haben die Schüler die Mädchen und Jungen der Wolmirstedter Harnisch-Schule eingeladen. Denn sie sollen testen, ob das Konzept der Schüler aufgeht, ob ihre Ideen umgesetzt werden können, alltagstauglich sind.

In Gruppen erarbeiten die Schüler einzelne Stationen, die von den Kindern passiert werden sollen. In der Halle der Freundschaft probierten sie dieser Tage selbst aus, was es bedeutet zum Beispiel den Gleichgewichtssinn zu trainieren. Einen Hindernis-Parcours aus Bänken, Sprung- und Rollbrettern, Therapiekreiseln und Luftballons hatten die Schüler aufgebaut. Den galt es zu bewältigen, und der eine oder andere merkte recht schnell, dass es manchmal gar nicht so leicht ist, die Balance zu halten. "Das sind Erfahrungswerte, die wir in unser Konzept mit aufnehmen können", sagt Anett Abel (20). Gemeinsam mit Anja Herbrich (26) plant sie eben so einen Hindernisparcours für die Präsentation. "Es soll am Ende eine Art Staffellauf für verhaltensauffällige Kinder herauskommen", verrät die Schülerin. Dabei sollen aber neben dem Gleichgewichtssinn auch visuelle und auditive Wahrnehmung angesprochen werden.

Dieses Ziel verfolgt auch Paul Mantzsch. Der 21-Jährige erarbeitet mit seiner Gruppe ein Schattenspiel, das sich den Themen Mittelalter und Fantasy widmet. Hinter einer Leinwand werden Pappfiguren und Taschenlampen eine Geschichte erzählen. "Diese Art der Wahrnehmung regt vor allem die Fantasie an, fördert und fordert das Vorstellungsvermögen."

"Das Wahrnehmungsprojekt ist die erste große Herausforderung im Rahmen der Ausbildung", sagt Anja Herbrich. Viele unterschiedliche Aspekte gilt es zu berücksichtigen, damit am Ende ein Konzept steht, das aufgeht. Raus aus dem Klassenraum, rein in die Ideenschmiede – ob die Schüler mit ihrer Arbeit erfolgreich waren, werden die Kinder der Harnisch-Schule spätestens am Freitag beurteilen.