Agrardiplomaten von drei Kontinenten besuchten in der vergangenen Woche die Agrargesellschaft "Börde" in Rottmersleben. Die internationalen Gäste wollten sich vor Ort ein Bild von einem landwirtschaftlichen Großbetrieb im Osten Deutschlands machen. Hintergrund ist eine weitere geplante Agrarreform der EU.

Rottmersleben. Auf Landwirtschaftspolitik spezialisierte Botschaftsvertreter aus den USA, Japan, Argentinien, Polen, den Niederlanden, aus Frankreich, Großbritannien, Belgien und Ungarn empfing Thomas Seeger, der geschäftsführende Vorstand der Agrargesellschaft "Börde", in Rottmersleben. Zuvor war die Delegation Gast von Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens in Magdeburg gewesen. "Während dieses Treffens hat der Minister ausführlich über die in den nächsten Jahren zu erwartenden Änderungen in der EU-Landwirtschaftspolitik gesprochen und den Standpunkt der Landesregierung dargestellt", berichtete Thomas Seeger.

Vor allem geplante Veränderungen bei den Direktbeihilfen für landwirtschaftliche Betriebe liegen den Rottmerslebern schwer im Magen. Thomas Seeger erläuterte: "Zukünftig sollen die Direktbeihilfen mit einem enormen bürokratischen Aufwand mit Umweltauflagen verknüpft werden. Außerdem soll eine Höchstgrenze für Direktbeihilfen eingeführt werden. Bisher hängt die Beihilfe von der Größe der landwirtschaftlichen Betriebe ab. Wird eine Obergrenze für diese Beihilfen eingeführt, werden Unternehmen ab einer bestimmten Betriebsgröße bestraft. Und davon sind natürlich vor allem Betriebe im Osten Deutschlands betroffen, die aufgrund ihrer historisch gewachsenen Struktur größer sind. In allen anderen Wirtschaftsbranchen wird von Marktfähigkeit und Konzentration der Ressourcen gesprochen, in der Landwirtschaft will die EU einen umgekehrten Weg gehen. Da sind wir natürlich dagegen und hoffen auf Unterstützung durch unsere Landesregierung."

Maisfelder wachsen

Mit der Besichtigung der Agrargesellschaft wollten die Gastgeber den ausländischen Gästen demonstrieren, wie ein bodenständiger landwirtschaftlicher Betrieb im Osten Deutschlands aussieht, wie seine 35 Mitarbeiter arbeiten, unter welchen Bedingungen und mit welchen Problemen Landwirte in der Börde zu kämpfen haben.

Ein Thema dabei war auch der zunehmende Maisanbau auf deutschen Äckern. Aufgrund der staatlichen Förderung von Biogasanlagen, die Mais als einen wesentlichen natürlichen Rohstoff benötigen, werden die Maisanbauflächen immer größer. "Das wird allmählich zur Konkurrenz für die Nahrungsmittelproduktion. Darauf hat der Minister in seiner Rede auch hingewiesen. Wir sehen das ähnlich, aber für uns muss sich die Nahrungsmittelproduktion auch rechnen. Auch wir sehen die Gefahren sich ausbreitender Monokulturen, doch hier ist die Agrarförderpolitik gefragt, die seitens der EU unserer Einschätzung nach falsche Schwerpunkte setzt."

Problem: Ackerpreise

Zusammen mit ihren Gästen erörterten die "Börde"-Landwirte Fragen einer leistungsfähigen Landwirtschaft. Seeger sprach das Problem der sich verteuernden Ackerpreise an. Preistreiber Nummer 1 ist dabei die Bundesbehörde BVVG, die Ackerflächen des Bundes im Osten Deutschlands zu enormen Preisen privatisieren will (Volksstimme berichtete). "Von Minister Aeikens haben wir vernommen, dass das Land Sachsen-Anhalt versucht, diese BVVG-Flächen zu übernehmen und damit Einfluss darauf hat, dass diese Flächen an Landwirte vor Ort verkauft werden und nicht zu Spekulationsobjekten werden. Somit würden die Erträge der einheimischen Landwirte auf diesen Flächen auch in Sachsen-Anhalt versteuert", sagte Seeger.

Zum Abschluss besuchten die Gäste die Biogasanlage in Schackensleben.