Eine Sage ist eine meist mündlich verbreitete Erzählung von anonymen Verfassern. Oft werden sie territorial weitergetragen. Viele Sagen sind in Vergessenheit geraten, weil sie nie schriftlich fixiert wurden. Klaus Kagelmann hat sich darauf verlegt, Sagen zu sammeln, zu bearbeiten und neu zu erzählen.

Von Klaus Dalichow

Gutenswegen. Kagelmann sammelt gezielt Ortssagen. "Sagen stiften Identität", sagt er. Sie sind so etwas wie das kollektive Wissen über den jeweiligen Ort, das er rekonstruiert. "Die Sagen waren immer da. Sie wurden nur über die vergangenen hundert Jahre vergessen." Das allerdings will ihm meistens keiner glauben. Immer wenn der 58-Jährige bei seinen Recherchen in ein Dorf kommt, erhält er fast stets dieselbe Antwort: Darüber sei nichts bekannt und es gäbe wohl auch keine Sagen. Auffällig war für ihn, dass dies für die Harzregion nicht so sehr zutrifft wie zum Beispiel für die Magdeburger Börde, seinen 1952 nach Magdeburg eingemeindeten Heimatort Ottersleben eingeschlossen. Daraus erwuchs für Kagelmann der Ansporn, zunächst die Börde zu durchforsten. "Bis auf wenige Ausnahmen gibt es hier kaum Sagen, die man einfach so erzählen könnte. Wenn überhaupt, dann haben sich Reste erhalten", erklärte Kagelmann am Sonnabend auf der dritten heimatgeschichtlichen Konferenz der Einheitsgemeinde Niedere Börde. "Häufig habe ich nur einen oder zwei Sätze als Anhaltspunkt." Kagelmann muss dann den räumlichen und zeitlichen Hintergrund ermitteln und mögliche Zusammenhänge beleuchten, um die Sagen bearbeiten und neu erzählen zu können. Dafür braucht er Kontakte in den Gemeinden und Ortschaften. Um sie zu finden, klappert er die Dörfer ab, telefoniert sich von einer Adresse zur nächsten, fährt zu den Leuten hin und fragt sie aus. Inzwischen gibt es in Kagelmanns Schrank zwei gedruckte Sagenhefte über Ottersleben, eines über die Einheitsgemeinde Sülzetal und eines über die Verwaltungsgemeinschaft Wanzleben (das Sarretal). In den letzten Monaten trug Kagelmann Sagen aus den acht Ortschaften der Einheitsgemeinde Niedere Börde zusammen. 56 an der Zahl sind zusammen gekommen. Gutenswegen allein sticht mit 13 hervor. Wüste Orte wie Volkensdorf, Botzendorf oder Nennemark finden ihre Geschichte. Bürgermeisterin Erika Tholotowsky erhielt auf der Konferenz in Gutenswegen exklusiv ein Musterexemplar der Sagen zwischen Ohre und Felsenberg.

Klaus Kagelmann, der im Landwirtschaftsministerium von Sachsen-Anhalt arbeitet, lässt immer eine größere Anzahl Exemplare des Sammelbandes drucken, damit alle an der Recherche und Aufarbeitung Beteiligten ebenfalls ein Heft erhalten. Es soll im März oder April 2011 vorliegen.