Mose/Farsleben. Auf den Sitzungen der Ortschaftsräte Mose und Farsleben reichten Ende Januar die Besucherstühle nicht aus. Wurde auf den Zusammenkünften doch ein Antrag der Firma Papenburg diskutiert, die am Standort der Kiesgrube Farsleben eine Deponie errichten wollen.

Zahlreiche besorgte Anwohner und Vertreter einer neu gegründeten Bürgerinitiative wollten hören, welche Meinungen es in den politischen Gremien dazu gibt, die vorgesehene Abholzung von 70 000 Quadratmetern Waldfläche nicht zu verantworten. Besonders, weil dieser eine natürliche Abgrenzung zur geplanten Streckenführung der Nordverlängerung der Autobahn 14 darstelle. Zusammen mit den anderen Sprechern war der Farsleber schon bei verschiedenen Ämtern und Behörden vorstellig, hat sich den Antrag der Firma besorgt und durchgearbeitet. Bauchschmerzen haben die Anwohner auch, "weil die Entfernung der Deponie zur Gewerbebebauung 500 Meter, zum Spielplatz 750 und zur Wohnbebauung 800 Meter beträgt". Die Deponie, die mit einer Laufzeit von 42 Jahren ab 2011 geplant ist, umfasst laut Kiesgruben-Betriebsleiter Carlo Hinze "eine Fläche von 20 Hektar und misst im Baufeld Ost am höchsten Punkt 15 Meter, im Baufeld West maximal 13 Meter mit Abflachungen zu allen Seiten."

Ordnungsgemäße Verfüllung

Hinze erhielt, genau wie Heinz Jasniak, sowohl im Ortschaftsrat Mose, im Bauausschuss und vor dem Ortschaftsrat Farsleben Rederecht und konnte so einige erklärende Worte zum Antrag sagen. "Wir wollen keine Mülldeponie zur Annahme giftiger Abfälle bauen", so der Betriebsleiter. "Unser Ziel ist die langfristige Fortführung des Sandabbaus und nach Auskiesung eine ordnungsgemäße Verfüllung mit zugelassenen mineralischen Stoffen, zum Beispiel Boden, Bauschutt und Schlacke", schrieb Hinze in einem Brief an die Stadt- und Ortschaftsräte. Er verwies darauf, dass sein Unternehmen die Verantwortung für alle Mitarbeiter und die Anwohner ernst nehme und er selbst die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften verspreche. Schließlich würde er – wohnhaft in Zielitz und mit Blick auf das Betriebsgelände – auch keinen Giftmüllberg vor der Tür wollen.

"Wenn wir Stoffe annehmen, werden wir Proben fordern, das erledigen Analyse-Institute. Zusätzlich wird es eine Sichtprobe durch den Wiegemeister und eine beim Abkippen geben, und wir werden Rückstellproben nehmen, die aufgehoben werden", entgegnete Hinze den Kritikern.

Albrecht Greiser (SPD) hatte auf der Sitzung des Bauausschusses darauf hingewiesen, wie umfangreich beispielsweise im Kaliwerk die Prüfung von Stoffen erfolgt, bevor diese angenommen werden. Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander erlebte im Farsleber Ortschaftsrat erstmals persönlich die emotionsgeladene Diskussion und versuchte, diese zu versachlichen. Er erklärte den erschienenen Anwohnern, dass man sich derzeit noch vor jedem öffentlichen Verfahren befinde und die Stadt in dieser Angelegenheit nicht der Entscheider sei. "Die zuständige Behörde ist der Landkreis mit seiner Unteren Abfallbehörde."

Dennoch sei die Verwaltung als Träger öffentlicher Belange um eine Stellungnahme gebeten worden, die bis Anfang März abgegeben werden muss.