Wolmirstedt (gbi). "Manchmal ist es schön" hieß der Titel des vergangenen Lesetees am Donnerstag. Da war wieder die Magdeburger Schreibrunde zu Gast, die bereits vor einem Jahr mit berührenden Texten beeindruckte. Diese Schreibrunde trifft sich jeden zweiten Dientag im Monat unter der Leitung von Günter Hartmann und Gudrun Billowie, eigene Texte stehen im Mittelpunkt. Fast jeder hat sein eigenes Thema gefunden, eine eigene Handschrift entwickelt.

Annegret Winkel-Schmelz erzählt von ihrer langen zurückliegenden zwei Lieben zu zwei Männern gleichzeitig, bis sie endlich die dritte, die einzige, bis heute andauernde Liebe findet. Aline Wille fuhr allein mit dem Fahrrad durch die Provence und schreib ihre Erlebnisse in einer Art Tagebuch nieder. Angelika Schirmer lässt ihre Protagonistin Franzi verzweifeln, weil der Sohn keinen Kontakt zu ihr will, ihr erst nach langem Drängen verriet, dass sie in zwei Monaten Großmutter wird. Heinz Hallbauer ist selbst längst jenseits der Siebzig und machte sich vor einiger Zeit daran, das Leben seines Vaters zu rekonstruieren und als Roman aufzuschreiben. "Ich muss immer aufpassen, dass ich nicht schreibe: Er knipste das Licht an", verriet der Autor, "denn damals gab es nur Petroleumlampen."

Johanna Bulz schreibt vom Leben mit einem behinderten Sohn, erzählte beim Lesetee die Geschichte, wie Großvater und Enkel zwei Sommer lang geduldig das Lilliput-Fahren übten, bis der Junge endlich alleine in die Pedalen trat und damit die große Freiheit des Fortkommens kennen lernte. Susanne Händel erzählt die Gedanken einer Schizophrenie, davon, wie es ist, wenn die Welten im und außerhalb des Kopfes durcheinander geraten. Auch Annegret Winkel-Schmelz begab sich in eine andere Welt, ließ ihre Heldin frohgelaunt die gesamte Nachbarschaft bis nachts um drei mit Peter Maffay beschallen, so lange, bis der Arzt kommt und dem Treiben der verwunderten, überdrehten Lady mit der Spritze ein Ende bereitet. Schließlich steuerte auch Günter Hartmann Gedichte bei, bitterböse, kurze Zeilen.

Die Geschichten der Magdeburger Schreibrunde sind mitten aus dem Leben gegriffen, manchmal schmerzhaft nah, manchmal mit ironischem Abstand erzählt. Die Themen sind in vielen Wohnzimmern präsent, die Magdeburger Autoren versuchen dafür Worte zu finden, den Figuren eine Seele zu geben. Dass es bereits im vergangenen Jahr gelang zeigte das Zuschauerinteresse am Donnerstag, denn längst genügten die bereit gestellten Stühle nicht.

Wie im vergangenen Jahr bereicherte Igor Sinitsyn mit seinen schwungvollen Melodien auf dem Akkordeon die anderthalbstündige Lesung.

"Ich würde mich freuen, wenn wir uns im kommenden Jahr wieder sehen", sagte Bibliothekarin Dagmar Müller am Ende, "es wäre schön, wenn diese Begegnung zur Tradition würde.

Wie immer hatten die Bibliothekarinnen den Lesetee nicht nur mit Tee, sondern auch mit leckerem Kuchen gemütlich gemacht.