Der alljährliche Gospelworkshop ist ein fester Bestandteil im Wolmirstedter Musikleben und Helmut Jost eine Ikone der Gospelmusik. Beides war am Wochenende in der Werkstatt für Behinderte des Bodelschwingh-Hauses zu erleben. Über 70 Gospelmusik-Begeisterte studierten eine Messe ein.

Wolmirstedt. Kommt in Gottes Nähe, "Come into his presents" heißt der Titel der Messe, die am Sonntag Nachmittag in der Katharinenkirche aufgeführt wurde. Aber darüber berichten wir in der nächsten Ausgabe. Für diese Messe studierten über 70 Gospelbegeisterte am Wochenende dreizehn neue Lieder ein. Dreizehn!

Fast alle stammen aus der Feder von Jost. "Gospelmusik wird immer mehr zum Bestandteil des musikalischen Schaffens in unseren Kirchen und Gemeinden", registriert er, "allerdings als reine Vortragsmusik." Aus dieser Ecke möchte Jost diese berührenden und mitreißenden Lieder herausholen, Gospel in die Gemeinde integrieren. "Dazu braucht es Songs, die schnell zu erlernen sind, Songs, die das Gospel-Flair haben und zu Herzen gehen, die ein gewisses Hit-Potenzial haben." Also setzte er sich hin und schrieb mit anderen solche Lieder wie "Herr, wir beten dich an" oder "Friede sei mit euch", jeweils mit deutschem und mit englischem Text.

Den Workshopteilnehmern blieben kaum zwei Tage Zeit zum Erlernen der Texte, der Melodie. Nebenher müssen die Alt-, Sporan, Tenor und Bassstimmen koordiniert werden. Das erfordert hohe Konzentration von den Sängern, aber vor allem einen großartigen Lehrer.

So einer ist Helmut Jost. Er sitzt vorn am Piano und strahlt Zuversicht aus. Egal, ob er singt, in die Tasten "haut" oder den Text erklärt. "Ihr müsst wissen, was ihr da singt, ihr müsst es verstehen", beschwört er, "sonst sind es tote Worte." Und wenn man die Worte verstanden hat, weiß man auch, ob sie Verzweiflung, Hoffnung, Freude oder ein Zwiegespräch ausdrücken und jede Regung bedarf einer eigenen Stimmung im Lied. Mit diesen Hinweisen können die Gospelsängerinnen und -sänger die Lieder erfühlen, so wird es Zeile für Zeile Musik.

"Wer einmal dabei war ist infiziert", gesteht Stephanie Nawrath aus Barleben, die dem "Gospelworkshop-Virus" schon seit Jahren erliegt. "Es ist das Feeling, was wir mit Jost und den anderen Musikern hier erleben", beschreiben Kathi Wanzke und Sylvia Bauch aus Oschersleben den Zauber des Workshops. Sie singen selbst Gospel in ihrem eigenen Chor "Emotion", haben sich der afrikanischen Art des Lauthals-Singens verschrieben, ließen sich am Wochenende von Jost inspirieren.

So gehören längst nicht alle Teilnehmer zum Wolmirstedter Gospelchor, "etwa die Hälfte kommt von uns", schätzt Organisatorin und Leiterin Konstanze Schlegel. Gospel begeistert übrigens alle Altersstufen. Die 14-jährige Tessa Zauchau gehört zu den Jüngsten und mag die Musik, "weil sie mal was anderes ist, als die aus den Charts."

Dennoch, am Abend beim Werkstattkonzert in der Katharinenkirche spielte die Barleberin ein Lied der Pop-Band "Ich und Ich". Dieses Konzert gehört ebenfalls seit Jahren zum festen Bestandteil des Workshops. Da singt und spielt jeder, was er sonst noch gern mag. Afrikanischer Gospel von "Emotion", Musik von Clapton oder aus dem Musical "Cats".

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