Höhepunkt beim Reformationsfest in Colbitz war am Sonntag die Einweihung des neu gestalteten Luther-Denkmales. Das ist mit seinem neuen Standort jetzt näher an die Paulus-Kirche gerückt.

Colbitz. "Luther hat die deutsche Geschichte entscheidend mitgeprägt", erinnerte Pfarrer Dieter Kerntopf an die großen Verdienste des Begründers der Reformation. "Luther hat sich genau vor 500 Jahren, Ende Oktober 1510, auf den Weg nach Rom gemacht. Dort hat er über Vieles nachgedacht, über die Bibel und das Christentum. Das mündete in seine berühmten 95 Thesen, die er am 31. Oktober 1517 an die Wittenberger Schlosskirche angeschlagen hat."

Luther habe mit der Übersetzung der Bibel auch die Grundlage für die einheitliche deutsche Sprache geschaffen. "Sonst könnten sich Bayern oder Ostfriesen heute nicht verständigen", machte Kerntopf deutlich.

Schon vor mehr als 70 Jahren setzten die Colbitzer dieser wichtigen Person der deutschen Geschichte ein Denkmal. Im Jahr 1934 wurde der Lutherstein aufgestellt, der das 400-jährige Jubiläum der Herausgabe der ersten Gesamtausgabe der Lutherbibel würdigen sollte.

Damals stand der Stein noch vor dem Gemeindebüro, erinnerten sich einige ältere Colbitzer. Doch weil dort zu DDR-Zeiten die Ehrentribüne für die Maidemonstrationen aufgebaut wurde, musste der Lutherstein weichen. Er fand seinen neuen Platz in dem kleinen Park an der Kirche.

Der Zahn der Zeit nagte unaufhörlich an dem Stein. "Der Zustand des Luther-Denkmales ist einfach unwürdig", fand nicht nur Herbert Müller. Das Colbitzer Urgestein initiierte eine Spendenaktion, um den Stein neu zu gestalten. "Herbert Müller hat mit seinem Willen die Dinge in Bewegung gebracht", würdigten Bürgermeister Heinz Kühnel und Pfarrer Dieter Kerntopf übereinstimmend die Verdienste des Hobbyhistorikers, wobei auch das Wort "Dickkopf" fiel.

"Luther war auch ein Dickkopf", konterte Herbert Müller, "aber auch er hat mit seinem festen Willen etwas bewegt."

Dank zahlreicher Spenden konnte die Neugestaltung des Lutherdenkmales in Angriff genommen werden. Der ortsansässige Steinmetzmeister Hartmut Kositzki nahm sich dieser Aufgabe an. Er arbeitete die verwitterte Vorderfront des Steines ab und setzte in kupfernen Buchstaben die Inschrift "Dr. Martinus Luther".

Hartmut Kositzki und seine Mitarbeiter stellten den Stein auch an seinen neuen Standort auf, unmittelbar am Haupteingang der Paulus-Kirche.

Nach der feierlichen Einweihung, der zahlreiche Colbitzer Bürger beiwohnten, lud Herbert Müller noch zu einem Vortrag über den Bau des Colbitzer Kirchturmes ein. Darüber informiert die Volksstimme in einer ihrer nächsten Ausgaben.