Die Einwohnerzahlen sinken, das hat auch Auswirkungen auf den Personalbestand der Freiwilligen Feuerwehren. Die Gemeindegebietsreform hat in mehreren Regionen neue Konstellationen für die Wehren geschaffen. Doch bei allen Problemen müssen die Feuerwehren ständig einsatzbereit sein. Viel Gesprächsstoff für die Tagung der Wehrleiter des Landkreises Börde am Sonn- abend in Weferlingen.

Weferlingen. 172 Feuerwehren sind im Landkreis Börde aktiv, um im Ernstfall Menschen und ihr Hab und Gut zu schützen sowie unterschiedlichste Hilfeleistungen zu übernehmen. Dafür steht unermüdliches ehrenamtliches Engagement, das nicht mit Geld aufgewogen werden kann. So trat am Sonnabend in der Mehrzweckhalle in Weferlingen auch kaum jemand ans Rednerpult, der nicht wenigstens mit einigen Sätzen allen Männern und Frauen für ihren Einsatz in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehren dankte.

Kreis-Dezernentin Iris Herzig, die Grüße des Landrats überbrachte, machte deutlich, welche Auswirkungen die demographische Entwicklung auf die Feuerwehren haben wird. Der Anteil der 20- bis 65-Jährigen an der Bevölkerung geht – territorial unterschiedlich – um 27 bis 36 Prozent zurück. Die Nachwuchsgewinnung sei deshalb enorm wichtig.

"Wir haben noch relativ stabile Zahlen", stellte Kreisbrandmeister Horst Nitzer dazu fest, weit besser als im Süden des Bundeslandes. "Aber irgendwann wird es auch uns erwischen." Die personelle Situation muss nach seiner Meinung unbedingt bei der Umsetzung der Konsequenzen berücksichtigt werden, die sich aus der Gemeindegebietsreform ergeben.

In den neuen Einheitsgemeinden und Verbandsgemeinden sind Gemeindewehrleiter und Stellvertreter gewählt. Die Verbandsgemeinde Flechtingen mit 30 Feuerwehren und die Stadt Oebisfelde-Weferlingen mit 25 Wehren umfassen die größten neuen Feuerwehrbereiche. Die Feuerwehrabschnitte sind im wesentlichen nach den Altkreisen Haldensleben, Wolmirstedt, Oschersleben und Wanzleben gebildet, hier gibt es keine Probleme, wie die Abschnittsleiter berichteten. Allerdings wurde dabei auch angeführt, dass nicht alle Wehren rund um die Uhr einsatzbereit sind. Überall wird an den Risikoanalysen und Brandschutzbedarfsplanungen gearbeitet.

Man werde nicht umhin kommen, Technik umzusetzen und Wehren zusammenzulegen, erklärte Horst Nitzer. Aber wenn man miteinander rede, werde es funktionieren.

Nitzer informierte auch darüber, wie Technische Einsatzleitung, Kreisfeuerwehrbereitschaft und Chemischer Dienst arbeiten. In der Mittagspause konnten die rund 120 Teilnehmer der Tagung das neueste Einsatzfahrzeug im Landkreis Börde in Augenschein nehmen.Dabei handelt es sich um ein Containerfahrzeug, einen so genannten Behandlungsplatz 50, der mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II angeschafft werden konnte. Dieses Fahrzeug kann beispielsweise bei Massenunfällen eingesetzt werden. Es wird von der Feuerwehr aufgebaut, dann aber übernehmen Sanitätskräfte den Behandlungsplatz. Dieser Container ist mit Betriebsstoffen ausgestattet, die die Versorgung von 50 Patienten ermöglichen. Die Ausstattung ist auf eine Betriebsdauer von acht Stunden ausgelegt. Das neue Fahrzeug wird in Meitzendorf stationiert, die Wehren Meitzendorf und Ebendorf stellen den Betrieb sicher, erläuterte Hans-Joachim Reulecke, Leiter des Amtes für Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungswesen. Für den Katastrophenschutz konnte auch ein zweiter Krankentransportwagen mit Förderung aus dem Konjunkturpaket II gekauft werden. Er wird in Wanzleben stationiert, erläuterte der Amtsleiter.

Die Vorsitzenden der Kreisfeuerwehrverbände Ulf Nohr (Börde) und Otto Silberborth (Ohrekreis) resümierten, dass die Verbandsarbeit in beiden Verbänden gut funktioniere. Gut sei auch die Arbeit in den Jugend- und Kinderwehren. Die Mädchen und Jungen seien mit großer Begeisterung dabei. Die beiden Jugendwarte Hans-Werner Krebs (Börde) und Danny Pachur (Ohrekreis) konnten das in ihrem Bericht vom großen Jugendlager im Sommer bestätigen.

Nicht zufrieden waren Nohr und Silberborth jedoch mit der Beteiligung der Wehren am Kreiswettbewerb, der in diesem Jahr in Wolmirstedt bei guten Bedingungen stattfand. Um den Kreisausscheid attraktiver zu machen und mehr Besucher anzuziehen, soll für 2011 ein Erlebnistag geplant werden, für den noch Partner gesucht werden.