Um das "Persönliche Budget" für Menschen mit Behinderung drehte sich gestern eine Fachtagung im Haldensleber Landratsamt, die auf großes Interesse stieß. Der Diskussionsbedarf war groß. Organisiert worden war sie von der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft des Landkreises Börde (PSAG), die sich den Paritätischen und die Arbeiterwohlfahrt mit ins Boot geholt hatte.

Haldensleben. Schon allein am Titel der Fachtagung "Das Persönliche Budget – keine oder eine Erfolgsstory!" ließ sich erkennen, dass es bei dem Thema noch viel Diskussionsbedarf gibt. Und so waren auch zahlreiche Vertreter von Institutionen, Vereinen und Verbänden, die tagtäglich mit Menschen mit Behinderung zu tun haben, in das Haldensleber Landratsamt gekommen, um gemeinsam Lösungen zu finden, um den Umgang mit dem "Persönlichen Budget" zu verbessern.

Das "Persönliche Budget" beinhaltet Pauschalen, über die Menschen mit Behinderung verfügen können, um selbst Leistungen einzukaufen. Die Leistungen können aus den Bereichen Arbeit und Beschäftigung, Freizeit, Bildung, pflegerische Hilfen, lebenspraktische Anleitung sowie psychosoziale Hilfen stammen. Ein Beispiel: Ein junger Mann wohnt in einer eigenen Wohnung und arbeitet in einer Werkstatt für Behinderte. Für die Unterstützung, die er manchmal nachmittags und abends benötigt, hat er ein Persönliches Budget beantragt. Vom Sozialamt bekommt er daraufhin Geld überwiesen, mit dem er beispielsweise für Gespräche einen Sozialpädagogen einkauft oder auch eine Begleitung, wenn er zum Fußball geht. Grundanliegen ist es, den Betroffenen Gelegenheit zu mehr Selbstbestimmung zu geben und die Integration zu fördern, wie auch Dr. Sabine Dutschko von der Regionalstelle Magdeburg/Börde des Paritätischen, der sich mit dem Thema bereits seit drei Jahren auseinandersetzt, unterstrich.

"Hilfen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen und Schwierigkeiten, für Menschen mit Behinderungen oder für Menschen mit einem wie auch immer gearteten Hilfebedarf haben in unserem Landkreis einen besonderen Stellenwert. Bei der Umsetzung und Nutzung des ¿Persönlichen Budgets‘ ist es doch im Augenblick so, dass Wunsch und Wirklichkeit noch weit auseinanderdriften", meinte Landrat Thomas Webel, der als Schirmherr für diese Tagung fungierte, in seinem Grußwort. Es gehe wieder einmal um die finanziellen Mittel, die der Staat dafür zur Verfügung stellen muss. Bei den gestiegenen sozialen Ausgaben seien die Bewegungsspielräume deutlich enger geworden.

Allerdings gebe das "Persönliche Budget", wie Webel erklärte, auch die Möglichkeit, die Kosten zu reduzieren. Denn die Leistungsberechtigten werden zu Kunden, durch deren Handeln der Wettbewerb belebt wird. Und nicht jede Leistung müsse unbedingt von teuren Profis erbracht werden, vielmehr könnte ein kosteneffizienter "Laien-Profi-Mix" oder "Bürger-Profi-Mix" initiiert werden.

Nach einem Fachvortrag von Heiko Schütz, der beim Landesverband Sachsen-Anhalt des Paritätischen das Projekt "Perspektive B." betreut, zeigte eine lebhafte Diskussion aller Beteiligten die Probleme in der praktischen Umsetzung auf. So wurde festgestellt, dass es beispielsweise noch zu viele Barrieren in den Köpfen, auch von möglichen Leistungsbeziehern gibt, dass die Beratungsinfrastruktur Lücken aufweist oder dass die Budgets zu niedrig oder nicht bedarfsgerecht sind.

Im Land Sachsen-Anhalt gab es mit Stand vom 30. Juni dieses Jahres 422 aktuell laufende Budgets. Zum Vergleich: In Rheinland-Pfalz sind es 4 400. Im Landkreis Börde liegt die Zahl derzeit bei 15, die durchschnittliche Budgethöhe beträgt 266 Euro.

Sozialdezernentin Iris Herzig bezeichnete die Veranstaltung als Erfolg. Es wurde festgestellt, dass das System des "Persönlichen Budgets" noch nicht ausgereift ist und in der Praxis noch erprobt werden muss. Weiterhin muss Aufklärungsarbeit geleistet werden und alle Beteiligten müssen auch bezüglich der Angebote ihren Beitrag leisten.