Glindenberg. Ein närrischer Tag als Arbeitsbeginn. "Das passt doch zu mir, oder?", fragt Helga Schulze und lacht. Wenige Minuten zuvor waren Tränen der Rührung aus ihren Augen gekullert. Hatten doch die Knirpse der Kita "Kleine Elbstrolche" für ihre "Tante Helga" ein kleines Programm aufgeführt. Denn die 59-Jährige beging gestern ihr 40-jähriges Dienstjubiläum.

Kinder, Kolleginnen sowie Andrea Weimeister und Lutz Zschäbitz vom Träger, der Sozialen Bürgerinitiative Glindenberg gGmbH, hatten sich aus diesem Anlass versammelt. Und als die Gratulantenschar gemeinsam bis 40 zählte, wurde allen bewusst, wie lange Helga Schulze schon im Dienst der Kinder tätig ist. "Und obwohl es der schönste Beruf der Welt ist – anstrengend ist er manchmal auch", zollte Geschäftsführerin Andrea Weimeister Respekt. "Aber das Schöne überwiegt", bilanzierte die Erzieherin.

Nachdem die gebürtige Wolmirstedterin in Magdeburg den Beruf der Kindergärtnerin gelernt hatte, startete Helga Schulze in Colbitz ins Berufsleben. Am 11. November 1970 betrat sie – nach Schwangerschaft und Erziehungsjahr – zum ersten Mal die Glindenberger Kita. Und das direkt als Einrichtungsleiterin – bis in die 90er Jahre hinein. "Aber ich habe immer am liebsten mit den Kindern gearbeitet", stellt die 59-Jährige fest. Ob Deichmäuse, Zwergbiber, Elbküken, Maxis oder die Kinder aus dem Hort: "Tante Helga" ist die Erzieherin für Glindenberger-Generationen. "Außer von den Kindern, die zugezogen sind, hatte ich von fast allen schon die Eltern bei mir", stellt sie voller Stolz fest.

Kein Wunder, dass sie kaum einen Schritt durchs Dorf machen kann, ohne dass jemand ihren Namen ruft. "Und das ist es auch, was ich an diesem Beruf liebe. Wenn die Kinder strahlend auf einen zulaufen – egal ob morgens in der Kita, nachmittags oder auf Dorffesten – da bekomme ich richtig Gänsehaut."

Man merkt Helga Schulze an, wieviel Freude sie auch nach 40 Jahren noch an ihrem Beruf hat. Als Andrea Weimeister gestern den Kindern erlaubte, dass sie ihre Erzieherin zu diesem Jubiläum ruhig mal drücken dürften, kam es fast zu tumultartigen Szenen im Gruppenraum. Vor lauter kleinen Händen, die nach ihr griffen, konnte sich "Tante Helga" kaum auf den Beinen halten.

"Mensch – und damals hab ich denen noch den Popo abgewischt"

Noch ein Jahr und drei Monate sind es, bis auch ihr der (Un)Ruhestand winkt. "Ich weiß jetzt schon – das wird richtig schlimm für mich!" Denn auch die Arbeit im Kollegium bereitet Helga Schulze Freude. "Das Miteinander von Jung und Alt, die Harmonie zwischen denen, die Frische mitbringen und denen, die Erfahrung haben, das passt hier."

Aber auch, wenn sie ab dem 1. März 2012 nicht mehr täglich mit den Kindern arbeiten kann, wird sie doch den Weg der Knirpse verfolgen. "Manchmal, wenn ich meine Kita-Kinder als Erwachsene wiedersehe und erfahre, was sie so erreicht haben, dann denke ich: Mensch – und damals hast du ihnen noch den Popo abgewischt", erzählt sie und lacht dabei wieder so herzerfrischend, dass die Mädchen und Jungen sie kaum loslassen wollen.