Vor ihrer Sitzung in Wolmirstedt haben die Mitglieder des kreislichen Umweltausschusses gestern die Kiesgrube Farsleben besucht. An Ort und Stelle wollten sie sich über die Arbeit des Unternehmens und die geplante Deponie informieren. Auch die Bürgerinitiative war dabei und hatte Gelegenheit, ihre Bedenken vorzutragen.

Farsleben. Mit mehreren Autos machten sich die Mitglieder vom Umwelt- und Wirtschaftsausschusses des Landkreises Börde gestern auf den Weg über das Gelände der Kiesgrube Farsleben. Vorsitzender Manfred Behrens war selbst schon vor Ort gewesen und wollte nun den anderen Kommunalpolitikern zeigen, worüber sie später auf ihrer Sitzung noch sprechen würden.

Auch Vertreter der Bürgerinitiative "Contra Deponie" waren gekommen und machten einmal mehr auf ihre Bedenken aufmerksam. Die übrigens auch von einigen Ausschussmitgliedern geteilt werden. "Die Liste mit den über 70 Stoffen, die dem Antrag für die geplante Deponie Klasse I beiliegt, die macht einem Angst", so Heinz Maspfuhl (SPD). "Und wir wollen hier kein zweites Vehlitz", spielte Hans Eike Weitz (SPD) auf den Skandal um die Tongrube an.

Carlo Hinze, seit 1993 Betriebsleiter der Papenburg-Kiesgrube Farsleben, stellte klar, wieso man diese umfangreiche Liste erstellt hatte. "Wir wollten bewusst keine Stoffe verschweigen, die für eine Deponie der Klasse I zugelassen sind. Jeder, der deswegen Bedenken hat, kann diese beim öffentlichen Erörterungstermin äußern. Und dann müssen die zuständigen Ämter das prüfen und entscheiden."

Bisher fand lediglich der Eröterungstermin für den Antrag der Firma Papenburg über die Erweiterung der Grube zum Sand- und Kiesabbau sowie die dafür nötige Waldabholzung statt. Wie Dezernent Dietrich Bredthauer informierte, sei der Antrag zur Waldumwandlung schon durch. Für die Grubenerweiterung, die insbesondere durch den Großauftrag der Firma bei der Erweiterung des Mittellandkanals nötig wurde, sei ein Vorbescheid erteilt worden, der bis zum 30. Juni 2011 befristet ist. Bis dahin wird noch entschieden, ob ein endgültiger Bescheid erteilt wird. "Der Antrag für die Deponie Klasse I wird derzeit bei uns geprüft. Ein Eröterungstermin steht noch nicht fest, wird aber rechtzeitig bekannt gegeben", so Bredthauer.

An dem gestrigen Treffen nahm auch Ralf Fischer teil, der für das Unternehmen Papenburg die Deponie am Standort Farsleben geplant hat. Er erklärte, "dass man zwischen gefährlichen und nicht gefährlichen Abfällen unterscheidet. Für die Deponie Klasse I sind nur nicht gefährliche Abfälle zugelassen, die vorwiegend mineralischer Art sind. Zum Beispiel Erdaushub oder Schlacke." Außerdem gebe es strikte Vorgaben vom Gesetzgeber, dass zum Beispiel "bei einer Tonne Abfall nur zehn Kilo Organik darunter sein dürfen".

Viele Fragen gab es vor Ort dazu, wie man – sollte die Deponie errichtet werden – kontrollieren könne, dass tatsächlich nur die erlaubten Stoffe eingelagert werden. Der Betriebsleiter erklärte das Prozedere, das Proben sowohl beim Lieferanten der Stoffe als auch bei den Betreibern der Kiesgrube selbst vorsieht, die von unabhängigen Laboren durchgeführt werden. Hinze bot an, dass schon jetzt die Bürgerinitiative und sein Unternehmen gemeinsam Proben nehmen und jede Partei diese untersuchen lassen könnten.