Einem ernsten Thema widmeten sich gestern die Schüler der Klasse 6 b des Kurfürst-Gymnasiums. Multiple Sklerose – die Krankheit mit den 1000 Gesichtern – stand im Mittelpunkt ihres Projekttages, der den Schülern viel Wissenswertes vermitteln und Verständnis für die Betroffenen wecken sollte.

Wolmirstedt. "Cool, ein Rollstuhl", ruft einer der Sechstklässler, als Katrin Gensecke die Klasse zur Fühlstrecke führt. "Nein, der ist ganz und gar nicht cool", erwidert die Gersdorferin. Sie hat Multiple Sklerose und gehört zur Selbsthilfegruppe "MS? Neu? Jung?" für Betroffene aus der Region Haldensleben.

Für die Klasse ihrer Tochter hatte Katrin Gensecke gestern einen lehrreichen Projekttag vorbereitet. "Im Ethikunterricht haben wir uns mit dem Thema Behinderung befasst, wollten versuchen zu ergründen, wie sich diese Menschen fühlen", erklärt Andreas Schmidt. Der Sozialkundelehrer war gestern mindestens so wissbegierig wie seine Schüler. Nach einer Gesprächsrunde mit den Mitgliedern der Selbsthilfegruppe konnten die Schüler auf der sogenannten Fühlstrecke erfahren, wie die MS-Betroffenen ihr Leiden erleben.

Multiple Sklerose befällt die Nervenbahnen im Gehirn und im Rückenmark, greift die Schutzschichten der Nervenleitungen an und zerstört sie. Die Symptome sind dabei vielschichtig, reichen von Gleichgewichtsstörungen über Taubheitsgefühle, Missempfindungen sowie Störungen des Seh- und Sprechvermögens.

Annabell, Michélle, Joana und Pia versuchten zum Beispiel, mit Handschuhen an den Händen Knöpfe zu schließen oder auch, Münzen aus der Geldbörse zu nehmen. "Das geht total schwierig und man rutscht immer weg", schildert Michélle ihre ersten Versuche. Am Ende halfen sich die Sechstklässlerinnen gegenseitig. Und genau das war auch eines der Ziele dieses Projektes. "Die Schüler sollten erfahren, wie es Betroffenen oder auch deren Angehörigen geht", so Klassenlehrerin Beate Krohn. "Sie haben ja auch die Tochter einer MS-Kranken in der Klasse. Vielleicht wächst dadurch auch das Verständnis für solche schwierige Situationen, mit denen manche Familien umgehen müssen und vor denen niemand gefeit ist."

Genau deshalb besuchen die Betroffenen auch Schulklassen. Im April 2009 wurde vom hiesigen Landesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft das Projekt "Run for help" neu aufgelegt. Bundesweit sind 120 000 Menschen von dieser heimtückischen Krankheit, die durch ihren vielschichtigen Verlauf oft lange unentdeckt bleibt, betroffen. Das Projekt soll helfen, Schüler für den Umgang mit behinderten Menschen zu sensibilisieren. Denn dazu zählen auch die MS-Kranken, weil ihr Leiden zwar nicht immer auf den ersten Blick erkannt wird, aber gravierende Auswirkungen auf Beruf, Familienleben und die Freizeit – also den gesamten Alltag – hat.

Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Selbsthilfegruppe endete aber nicht mit dem Projekttag. Im Frühjahr soll dann der Benefizlauf "Run for help" stattfinden, dessen Erlös dem Landesverband gespendet werden und damit den Betroffenen zugutekommen soll.

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