Detlef Hanisch, Jahrgang 1950, kommt gern nach Wolmirstedt. Und stets wird er sehr herzlich in der Agentur für Arbeit begrüßt. So auch gestern. Ein gutes Stück Weg, den er jedesmal für seinen Besuch zurücklegen muss. Der 60-Jährige ist nämlich seit 2000 in Cuxhaven zu Hause, wo er seitdem als Leiter der Agentur für Arbeit tätig ist.

Wolmirstedt. Davor aber stand Detlef Hanisch in Wolmirstedt jahrelang in der Verantwortung. Wie seine ehemaligen Kollegen von der Agentur für Arbeit auch gestern erneut bestätigten, war er stets ein fachkompetenter, aufgeschlossener und loyaler Chef, zu dem alle ehrlichen Herzens aufgeschaut haben.

Der Besuch gestern in der Agentur allerdings war mehr zufällig. "Wolmirstedt liegt direkt an der Reiseroute Cuxhaven – Berlin", erzählt Detlef Hanisch, "wo ich geboren wurde und noch heute meine Mutter lebt. Immer wenn ich sie besuche, lege ich in der Ohrestadt einen Zwischenstopp ein, auch um mit meinen langjährigen Kolleginnen in Erinnerung zu schwelgen." Denn fast auf den Tag genau war es gestern 19 Jahre her, dass er erstmals nach Wolmirstedt kam.

Der Arbeitsamtsbezirk Niedersachsen/Bremen war seinerzeit Partner für Sachsen-Anhalt und schickte 1991 erfahrene Mitarbeiter für acht Wochen nach Magdeburg, um vor Ort die Arbeitsberater zu qualifizieren. Auch Detlef Hanisch, der nach dieser Zeit gefragt wurde "Können Sie sich vorstellen…?"

Er konnte und fuhr am 1. Dezember 1991 erneut nach Magdeburg. Dort erfuhr er, dass die Kollegen in Wolmirstedt ihn bereits erwarten. Von wegen: Als Hanisch dort ankam, stand er vor verschlossenen Türen. Es bedurfte einiger energischer Worte, bevor ihm geöffnet wurde und die Wolmirstedter Kollegen erstaunt zur Kenntnis nahmen: "Hier steht ihr neuer Chef."

Detlef Hanisch widerstand dem anfangs zweifellos aufkommenden Gedanken, wieder nach Bremerhaven zurückzukehren, wo er damals tätig war. Er blieb, auch, "weil ich trotz allem das Gefühl hatte, hier kann man was bewegen".

Und es wurde einiges bewegt, wie erst gestern wieder zur Sprache kam. 1991 stieg die Zahl der Arbeitssuchenden in Wolmirstedt von 2000 auf 6000 an, viele von ihnen wurden in sogenannten Sanierungs- oder Beschäftigungsgesellschaften aufgefangen.

Dann ging es recht schnell, dass sich klare Strukturen auftaten. Letztlich durfte der damalige Arbeitsamtsleiter rund 30 Millionen DM in Bildungsmaßnahmen investieren, flossen nicht weniger als 52 Millionen in den Bereich ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen). 1992/93, so erinnert sich Detlef Hanisch noch sehr genau, begann die Erschließung von Gewerbe- und Wohngebieten, kamen die ersten Investoren, deren Projekte teils zu 100 Prozent gefördert wurden. Allein 1992 wurden 1,3 Milliarden DM in die Wirtschaft im Ohrekreis investiert.

Auch sein Arbeitsamt entwickelte sich: Ab 1997 gab es EDV mit PC für jeden Mitarbeiter, ein neues Gebäude wurde errichtet. Dass Detlef Hanisch zur Jahrtausendwende in Wolmirstedt schließlich seine Zelte abbrach und nach Cuxhaven zurückkehrte, hatte vielfältige Gründe.

"Gleichwohl möchte ich diese zehn Jahre Lebenserfahrung nicht missen", sagt der Agenturchef rückblickend. Und man glaubt es ihm auch, denn selbst zehn Jahre danach gibt es immer noch viele Kontakte zu Freunden und Kollegen in Wolmirstedt, wie sein Besuch gestern einmal mehr bewies.