Klein Ammensleben. Das war gestern Vormittag in der Mühlhofer Straße 6 in Klein Ammensleben ein einziges Kommen und Gehen. Man gab sich gewissermaßen die Klinke in die Hand. Das hatte seinen Grund: der älteste Bürger der Ortschaft, Gerhard Schrader, feierte seinen 90. Geburtstag. Und es waren nicht nur seine drei Kinder Kristine Belling (59), Detlef (57) und Ulrich Schrader (66), die vier Enkel und fünf Urenkel, die dem Jubilar gratulieren wollten. Fast das ganze Dorf wusste von dem runden Geburtstag, viele kamen zum gratulieren.

Auch Bürgermeisterin Erika Tholotowsky, Ortsbürgermeister und Vorsitzender des Gemeinderates Matthias Meinecke sowie der ehemalige Bürgermeister Siegfried Bein, der noch heute voll des Lobes ist: "Meinen Haarschnitt hat mir Gerhard verpasst."

Das war an diesem Vormittag nicht die einzige Episode, die in der Mühlhofer Straße die Runde machte. Auf dem Dorf ist der Friseur, auch wenn Gerhard Schrader schon 25 Jahre außer Dienste ist, nicht nur einer, der gekonnt die Haare schneidet. "Nicht erst seit meiner Zeit", so verrät der geistig sehr rege Rentner, "war der Salon auch eine echte Drehscheibe für alle (un)möglichen Neuigkeiten."

In den beruflichen Fußstapfen des Vaters

Natürlich wurde auch ein ganz wenig geklatsch und getratsch, erinnert sich der 90-Jährige, der am 22. November 1920 in Vahldorf zur Welt kam. "1936 verzogen meine Eltern nach Klein Ammensleben, wo ich später in die Fußstapfen meines Vaters Otto Schrader trat." Obwohl der Friseurmeister nach über 50 erfolgreichen Jahren noch heute einräumen muss: "Eigentlich wollte ich Bäcker von Beruf werden, aber die Mehlkrätze machte mir einen dicken Strich durch die Rechnung."

Unglücklich, so versichert der agile Senior – der mit 65 Jahren für immer die Schere aus der Hand legte – noch gestern, "das sieht anders aus". Denn er hat in und um Klein Ammensleben Spuren hinterlassen: So war er als "rasender" Friseur in den 60er Jahren mit seinem SR2 unterwegs, um schon damals den älteren und kranken Menschen abseits der großen Hauptstraßen daheim die Haare zu schneiden.

Als im Jahre 1958 die PGH gegründet wurde, zählte er zu den Mitgliedern, und er erinnerte sich noch sehr gut an die Gründerzeiten. "PGH", so weiß Gerhard Schrader noch, als wäre es erst gestern, "steht für Produktionsgenossenschaft des Handwerks und hatte in Spitzenzeiten zwanzig Mitarbeiter, die sich auf zwölf Salons bis hin nach "Socken"-Wellen verteilten."

Heute, auch das weiß der Jubilar, der täglich seine Heimatzeitung liest, hat die Salonkette noch vier Geschäfte. "Der Hauptsitz befand sich aber damals und noch heute in Groß Ammensleben. Damit konnte ich aber gut leben."