Datumsgenau liegt das Jubiläum eineinhalb Monate zurück. Am Freitagabend begingen die Mitglieder des Internationalen Fördervereins "Katharina II." in festlicher Runde das 20-jährige Vereinsbestehen, blickten auf das bisher Erreichte zurück.

Zerbst l "Und so könnten wir mit diesem Tage ruhigen Gewissens sagen, dass wir nicht mehr die Stadt sind, die eine der größten Persönlichkeiten der Weltgeschichte so stiefmütterlich wie Aschenputtel behandelt." Dieser Satz stammt aus einem Volksstimme-Beitrag vom 19. Januar 1993. Geschrieben hat ihn Kerstin Teslenko als Vorsitzende des Internationalen Fördervereins "Katharina II.". Der Verein ist zu diesem Zeitpunkt zwei Monate alt. Am 16. November 1992 wurde er mit zunächst acht Mitgliedern in Zerbst gegründet.

Ein Denkmal möchte der Verein der einstigen Anhalt-Zerbster Prinzessin und späteren russischen Zarin Katharina II. (1729-1796) setzen. Dieses Vereinsziel formuliert Kerstin Teslenko. Ein erstes Zeichen der Würdigung der großen Tochter der Stadt soll es am 10. Januar 1994, dem 250. Jahrestag der Überfahrt nach Russland, geben.

Viel bewirkt und befördert

Das Anliegen, Katharina II. ihren Status als "Das Zerbster Aschenputtel" zu nehmen, so die Überschrift des damaligen Zeitungsartikels, findet längst nicht sofort die Unterstützung der Zerbster Bürger und Verantwortlichen.

20 Jahre später ist es für die heutige Vorsitzende Tetyana Nindel "ein Glück und eine große Ehre", das Fest zum Vereinsjubiläum zu eröffnen. Am Freitagabend hat der Förderverein Mitglieder und gute Partner - von denen es längst viele gibt - in das Hotel-Restaurant "v. Rephuns Garten" eingeladen, das "Geburtstagskind" zu feiern. "Wie es sich gehört, mit vielen schönen Erinnerungen, wie alles begonnen hat und was alles in seinem Leben bis jetzt passiert ist, mit leckeren russischen Spezialitäten, Live-Musik, gemeinsamem Singen und natürlich einer Geburtstagstorte".

Der Abend unterstrich, dass der Verein international ist, nicht nur wegen seiner Mitglieder, sondern auch wegen seiner Ausstrahlung. Und dass er das Wort Förderverein nicht nur im Namen trägt, sondern schon "wirklich viel bewirkt und befördert hat", so Tetyana Nindel.

20 Jahre im Schnelldurchlauf, aber voll eindrucksvoller Fakten und Bilder - gerade auch, was die zahlreiche und immer wieder gefragte Präsenz des Vereins und von Katharinen auf Festen, Tourismusmessen, aber ebenfalls auf der Bonner Hardthöhe, in Brügge oder Puschkin betrifft -stellte Vorstandsmitglied Johanna Lüdecke vor.

Allererste Aktivität war 1992 ein Straßentheater in Zerbst. Der Jahrestag der Abreise 1994 wurde mit den 1. Internationalen Katharina-Festtagen und dem Enthüllen einer Tafel im heutigen Katharina-Saal der Zerbster Stadthalle gewürdigt.

Mit der Eröffnung der Sammlung "Katharina II." am 2. September 1995 und der Einweihung des deutschlandweit einzigen Katharina-Denkmals am 9. Juli 2010 sind die Gründungsziele erreicht. Die am 19. September 2012 als Beitrag zum Jubiläum Anhalt 800 und Gemeinschaftsprojekt mehrerer Partner eingeweihte touristische Route "Katharina II." ist ein zusätzlicher Anziehungspunkt.

Gemeinsam weiter machen

All dies wie auch die am 1. Oktober 1994 unterzeichnete Städtepartnerschaft mit Puschkin gebe es "nicht ohne den Förderverein", betonte am Freitagabend Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD), der den Vereinsmitgliedern "ein ganz großes Dankeschön" für ihre bisherige Arbeit aussprach, auch mit der Hartnäckigkeit gegenüber der Verwaltung. Noch am Abend kam er der Bitte Tetyana Nindels nach, wie sein Amtsvorgänger Vereinsmitglied zu werden.

Danke sagte auch die Vereinsvorsitzende. Neben dem Bürgermeister für seine Unterstützung auch schon als Kulturamtsleiter weiteren Partnern und Unterstützern des Vereins, darunter den Gründungs- und heutigen noch engagierten Mitgliedern Johanna Lüdecke, Marlies Kellpinski, Karin und Hartmut Rettig sowie den Gründungsinitiatoren Kerstin und Wladimir Teslenko. Nicht alle konnten am Freitag dabei sein.

"Wir hatten am Anfang Träume, wir haben Ziele erreicht und wir gehen weiter", so Wladimir Teslenko. Im Volksstimme-Gespräch erinnert er sich, dass ein Buch, das er 1992 geschenkt bekam, die Initiative zur Vereinsgründung auslöste. Darin ging es um die Abreise der Prinzessin aus Zerbst 1744. Bis zum Jahrestag waren es noch eineinhalb Jahre. "Um ihn würdig begehen zu können und die nötigen finanziellen Mittel dafür zu bekommen, wollten wir den Verein gründen."

"Es ist wichtig, dass alle Zerbster Vereine, die thematisch verbunden sind, an einem Strang ziehen und versuchen, Aufgaben gemeinsam zu bewältigen. Da sind wir auf dem richtigen Weg und machen weiter", sagte Dirk Herrmann. Der Vorsitzende des Fördervereins Schloss Zerbst gratulierte wie auch Irene Stephan, Vorsitzende des Zerbster Heimatvereins, und Dr. Inge Werner, Geschäftsführerin der Internationalen Fasch-Gesellschaft.

Uwe Hippe, Tourismus-Amtsleiter beim Landkreis Anhalt-Bitterfeld, würdigte die Vereinsarbeit auch im Namen von Landrat Uwe Schulze.

Wie vereinsübergreifende Projekte reifen im Moment ebenso neue Ideen wie für die Arbeit des Fördervereins "Katharina II." selbst. Es gibt unter anderem Einladungen vom Heimatverein und für eine Schlossführung. Und für die eigenen Mitglieder ist im 21. Jahr des Vereinsbestehens zum Beispiel auch eine Fahrt geplant.

   

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