Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter dem 1992 gegründeten Internationalen Förderverein "Katharina II.". Über die Höhepunkte sowie aktuelle Projekte sprach Daniela Apel für die Volksstimme mit der Vereinsvorsitzenden Tatyana Nindel.

Volksstimme: Wie schätzen Sie das vergangene Vereinsjahr rückblickend ein?

Tatyana Nindel: Das Jubiläumsjahr "Anhalt 800" war ein intensives kulturelles Jahr, das uns auch gezeigt hat, was für eine große Akzeptanz Katharina die Große in unserer Stadt, der Region und im Land mittlerweile und auch nicht ohne unsere Hilfe gewonnen hat. Der Verein wurde zum aktivsten Teilnehmer und Ansprechpartner bei allen wichtigen kulturellen Veranstaltungen.

Volksstimme: Welche Bedeutung hatte die Einweihung der Katharina-Ausstellung im Mai?

Tatyana Nindel: Die Arbeit an der Ausstellung im Schloss hat unseren Verein noch mehr zusammengeschweißt und einen guten Rückblick ins 20-jährige Vereinsleben gegeben. Die Eröffnung dieser Ausstellung haben wir als Spaß "der Wiedereinzug von Katharina" genannt. Und es ist tatsächlich so. Somit hat das Zerbster Schloss ein neues Potential und eine zusätzliche Entwicklung bekommen. Ein prächtiges Architekturdenkmal ist sehr bedeutend und interessant, aber erst durch die "Geister", die in diesen Schlössern leben, und ihre Geschichten werden sie anziehend und beliebt bei den Besuchern.

Volksstimme: Können Sie ein Beispiel nennen?

Tatyana Nindel: Im Sommer hat ein berühmter Journalist aus Russland - Wladimir Posdner - auf seiner Durchreise durch Deutschland unser Zerbst und natürlich auch das Schloss besucht. Er dreht gerade einen Film unter dem Arbeitsnamen "Deutsches Rätsel". Als er mich in den Ruinen des ehemaligen Gemachs der Prinzessin interviewt hat, war er echt verwundert, dass das Schloss, in dem eine der größten russischen Persönlichkeiten mal gelebt hat, in dem sie diesen historisch entscheidenden Brief bekommen hat, aus dem sie abgereist ist, um die Weltgeschichte zu schreiben, immer noch in solchem Zustand steht. Eine Persönlichkeit, die zwei der größten und mächtigsten Völker und Kulturen der Welt für immer im Guten verbunden hat. Und bis jetzt hat keiner von diesen reichen mächtigen Völkern Möglichkeiten rausgesucht, dieses Schloss wieder aufzubauen.

Volksstimme: Welche Erinnerungen verbinden sie mit der Realisierung der touristischen Katharina-Route?

Tatyana Nindel: Die Planung und der Verwirklichung der historischen Katharina Route zeigte uns, wie viel Spaß es macht, mit allen wichtigen Akteuren im Kulturleben der Stadt zusammenzuarbeiten, und was für gute Ergebnisse wir in dieser Zusammenarbeit erzielen können.

Volksstimme: Im September erfolgte schließlich die Eröffnung der Katharina-Route.

Tatyana Nindel: Es war wirklich ein unvergesslicher Tag. Die anwesenden Ehrengäste wie unser Ministerpräsident, seine Exzellenz der Botschafter der russischen Föderation, die Direktorin eines der bedeutendsten Museen in Russland, Katharina-Palast in Puschkin und viele andere zeigten, welche große Bedeutung diese Route hat und das nicht nur für die Stadt Zerbst/Anhalt, sondern auch auf internationalem Niveau. Die Touristikabteilung der Stadt hatte bis dahin auch alle Hände voll zu tun. Mit der Eröffnung der Route hat auch diese Seite der Zerbster Geschichte ihre Struktur bekommen.

Volksstimme: Wissen Sie, wie die Route angenommen wird?

Tatyana Nindel: Die Gäste der Route sind begeistert. Nachdem sie alle Stationen der Route besucht haben, haben sie gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: die schönsten Ecken der Stadt gesehen, viel Neues über Katharina II. erfahren sowie einen Blick in ihr Leben in Zerbst und ihre Familie geworfen.

Volksstimme: Darüber hinaus präsentiert der Verein vielfach Katharina und die Region auf Veranstaltungen - woran nahmen Sie 2012 teil?

Tatyana Nindel: Es ist bestimmt leichter aufzuzählen, woran wir nicht teilgenommen haben. Ich kann ganz stolz behaupten, Katharina war die Hauptdarstellerin, von allen gewünscht und geliebt. Hätten wir nicht unsere Karin Rettig, Olga Tidde und zwei unserer Prinzessinnen, so müsste ich bestimmt meine Arbeit aufgeben, um überall als Katharina da zu sein.

Volksstimme: Kommen wir zu 2013. Ein besonderes Ereignis gab es bereits: den Festabend zum 20-jährigen Vereinsbestehen.

Tatyana Nindel: Der Abend war unvergesslich schön. Wir haben im engen Kreis der Vereinsmitglieder und unserer Freunde gefeiert. Es gab viele schöne Erinnerungen, wie alles angefangen hat und was alles geschehen ist. Alle, die über die Jahre an uns geglaubt und uns unterstützt haben, die mitgewirkt haben, bekamen als Dankeschön Katharina-Souvenirs vom Verein geschenkt. Es war wirklich wie ein Kindergeburtstag im Kreise der Familie.

Volksstimme: Welche Veranstaltungen plant der Verein 2013?

Tatyana Nindel: Kurze Durchatmenspause und es geht wieder los. Der Verein plant schon wieder neue Projekte zusammen mit Viola Tiepelmann und der Tourist-Information. Aber pssst! Es ist noch ein Geheimnis.

Volksstimme: Gibt es Pläne, die Sie verraten können?

Tatyana Nindel: Wir möchten unsere Ausstellung im Schloss durch neue Exponate erweitern und führen gerade Gespräche mit einer Künstlerin aus der Zerbster Partnerstadt Puschkin für die Durchführung einer Ausstellung. Es gibt immer wieder alle Hände voll zu tun.

Volksstimme: Welche aktuellen Projekte verfolgt der Verein derzeit?

Tatyana Nindel: Im Moment bereiten wir unsere zwei Veranstaltungen im Rahmen der 48. Zerbster Kulturfesttage vor - das Konzert zu Katharina II. vom Verein Rudek am 24. Februar und die Vorlesung am 5. März über die Geschichte der Russlanddeutschen, die dem Aufruf Katharinas zur Ansiedlung der Deutschen in Russland gewidmet ist, der sich zum 250. Mal jährt.

Volksstimme: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Vereins?

Tatyana Nindel: Was kann sich ein Verein wünschen... Mehr aktive Mitglieder, fleißige Sponsoren und Förderer, Unterstützung der Stadt und viele schöne Projekte, an denen wir mitwirken können. Aber eigentlich haben wir das alles schon. Also wünschen wir uns, dass es auch so weiter geht.

Volksstimme: Wie hat sich die Mitgliederzahl entwickelt?

Tatyana Nindel: Die Mitgliederzahl bleibt mehr oder weniger stabil. Die Mitglieder gewinnen wir während der Projektentwicklung, nach irgendwelchen großen Aktionen. Ich als Vorsitzende habe leider keine große Erfahrung in der Führung eines Vereins. Ich versuche, mein Bestes zu tun. Aber die Einbeziehung von allen Mitgliedern ins aktive Mitwirken im Vereinsleben ist noch meine größte Schwäche. Daran möchte ich in der Zukunft noch viel arbeiten.