Einen unterhaltsamen Exkurs ins Leben von Katharina II. erlebten die etwa 70 Gäste des musikalisch-literarischen Nachmittags "Eine Zarin auf dem Zarenthron". Begeistert tauchten sie in die dargebotenen Episoden ein.

Zerbst l Dass die russische Zarin Katharina II. eine gut organisierte Günstlingswirtschaft betrieb, ist landläufig bekannt, ist "gewürzt" mit allerlei mehr oder weniger belegten Gerüchten. Die etwa 70 Gäste des musikalisch-literarischen Programms am Sonntagnachmittag im Fasch-Saal der Zerbster Stadthalle wissen nun Genaueres. Historisch erwiesen sind 15 ernsthafte Günstlingsfavoriten, die mit bestimmten Ritualen "geprüft" wurden, ehe sie, gut belohnt, in näheren Kontakt zur Zarin treten durften.

Die Gäste des vom Russisch-Deutschen Kulturforum in Cottbus präsentierten Episoden-Exkurses durch das Leben der einstigen deutschen Prinzessin von Anhalt-Zerbst, die eine weltbedeutende russische Zarin wurde, wissen nun aber auch mehr.

Den 2008 gegründeten Verein mit Mitgliedern aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und Nationalitäten eint der Wunsch zur Verständigung zwischen den Völkern und zur Verbreitung von Geschichte, Literatur und Kunst. Diese Zielstellung wird mit der Erarbeitung und Präsentation musikalisch-literarischer Programme umgesetzt.

Das in Zerbst vom Internationalen Förderverein "Katharina II." im Rahmen der 48. Zerbster Kulturfesttage initiierte Programm heißt "Eine Deutsche auf dem Zarenthron". Im Zentrum der lockeren Folge von Handlungssequenzen stehen Katharina II. (Gertruda Maltschev) und Graf Sternberg (Andre Noack). Sie werden von den auch dolmetschenden Hofdamen (Valeriya Vorkul, Marina Lewandrowski und Olga Richtert) sowie zwei Historikern (Doris Maidanjuk und Karl Geisler) begleitet. Alle waren zudem in zeitgemäße Kostüme geschlüpft. Vorzügliches Klavier solo sowie Gesang mit Klavierbegleitung, beides klassisch, boten die Studentinnen der Hochschule Lausitz, Ekaterina Pimenova und Natalya Kovalchuk, dar.

Zweisprachig, in Russisch und Deutsch, vorgetragene und angezeigte, angenehm konzentriert verfasste Texte machten die Gäste mit viel Interessantem, Kurzweiligem, auch Unterhaltsamem bekannt. Doch auch die szenisch und historisch dargebotenen Dialoge, optisch und akustisch hinterlegt mit Fotos und Gemäldekopien sowie verbunden mit eingespielter Musik machten das Dargebotene unterhaltsam.

Das Bild vom Leben und Wirken Katharina der Großen wurde zweifelsohne bei vielen Gästen erweitert und vervollkommnet. Liebenswerte Episoden fanden ebenso Aufnahme ins Programm wie bedeutende Aktivitäten der Zarin. Da ging es unter anderem um hohe Uferbefestigungen und den Bau großer steinerner Gebäude in St. Petersburg, um die Abschaffung körperlicher Züchtigung, um die Förderung von Kunst, Kultur und Literatur im Besonderen. Da waren der Selbstversuch einer Pockenimpfung und die Schaffung der ersten höheren Töchterschule. Es ging um Schmuck und Handarbeiten, um die Entwicklung der Ermitage, um gesellschaftliche und wirtschaftliche revolutionäre Veränderungen. Auch um das zur Hymne gewordene Lied "Ich bete an die Macht der Liebe" mit dem Text des deutschen Dichters Gerhard Tersteegen und der Vertonung durch den russischen Komponisten Dmitri Bortniansky - schon damals gelebte Freundschaft und Völkerverständigung.