Weihnachten – das Fest der Liebe. Feiern im Rahmen der Familie ist heute selbstverständlich. Bei der Bescherung in die Augen der Kinder oder Enkel zu sehen, bleibt unvergesslich. Doch für einige Zerbster ist auch der Heilig-abend ein ganz normaler Arbeitstag.

Zerbst. "In dem Augenblick loszumüssen, wenn ich den Weihnachtsmann spiele, das wäre das Schlimmste", sagt Steffen Schneider, Ortswehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Zerbst. Für ihn und seine Kameraden ist der 24. Dezember ein ganz normaler Bereitschaftsdienst. "Wir haben keinen direkt abgestellt, aber alle haben ihren Pieper am Mann", erzählt Schneider.

Seit 1993 ist der Ortswehrleiter nun schon bei der Feuerwehr und an Heiligabend musste er noch nie ausrücken. "Toi, toi, toi, dass das auch so bleibt. Allerdings musste ich schon mal am 1. Feiertag raus, das war gleich ein Unfall und natürlich doppelt bitter", sagt Schneider. Doch wenn es in Zerbst und Umgebung brennt, dann sind die Kameraden gewappnet. "Auch wenn der Braten noch so lecker aussieht, wenn der Pieper anspringt, sagen wir Tschüss", verspricht der Ortswehrleiter. Probleme mit der Familie gibt es dadurch allerdings nicht. "Die stehen alle dahinter. Es ist auch immer wichtig, sich bei den Frauen mal zu bedanken."

Im Bereitschaftsdienst auf der Station ist Uwe Köster vom DRK Kreisverband Bitterfeld-Zerbst/Anhalt eingesetzt. "Ich nehme die Feiertage als solche gar nicht mehr wahr. Es ist ein gewöhnlicher Arbeitstag", sagt Köster. Unbedingt begeistert von der Situation ist die Familie nicht. "Natürlich möchte man gerne die Feiertage mit ihnen verbringen, aber wir haben nunmal im Rettungsdienst angefangen und alle konnten sich darauf einstellen", sagt Köster ganz sachlich. Seit 18 Jahren arbeitet er beim DRK und sieht es bereits als "Routine". Der Dienstplan des Kreisverbandes wurde so gestaltet, dass zumindest jeder einen Tag bei der Familie sein kann. "Das ist einfach wichtig", weiß Köster.

Bei der Spätschicht der Zerbster Polizei mit dabei ist Manfred Baumann. "Weihnachten und Silvester arbeiten, ist für mich keineswegs Neuland", erzählt der Polizist. Doch gerade für die Zeit der Bescherung erwartet er eine ruhigere Zeit. "Normalerweise sitzen alle mit ihren Familien zuhause am Weihnachtsbaum, da passiert nicht viel, aber man kann nie wissen." Die Planung für den Einsatz an Weihnachten steht schon seit Jahresbeginn fest, so dass sich Baumann und Familie auf das Bevorstehende einstellen konnten. Aber Bescherung verschieben, gibt es nicht beim Polizisten. "Ich habe ja nicht umsonst einen Weihnachtsbaum gekauft. Die Bescherung findet ganz normal am Nachmittag ohne mich statt und wenn ich dann nach Hause komme, feiern wir weiter", erzählt er. Streitigkeiten gab es deswegen in der Familie nicht. "Sie sind es einfach schon gewohnt."

Ob Kopfschmerzen, Sodbrennen oder Grippe – im Falle dringend benötigter Medikamente hilft am 24. Dezember die Rats- und Stadtapotheke weiter. Den Notfalldienst teilen sich hier Anja Gareis und Sieglinde Mertin. Von 12 bis 18 Uhr steht Frau Gareis für die Zerbster zur Verfügung. "Die Bescherung wird einfach auf danach verschoben", erzählt die junge Mitarbeiterin. Auch Frau Mertin, die die Nachtschicht bis 8 Uhr des Folgetages übernimmt, sieht das sehr gelassen. "Mein Kind kommt eh erst am 1. Feiertag, von daher passt das ganz gut", sagt sie. Beide haben sich für den Dienst freiwillig gemeldet. Dass die Familie das vielleicht nicht ganz so toll finden wird, neben die beiden sehr gelassen. "Mit der Bescherung müssen sie sich dann eben gedulden", sagt Gareis mit einem Lächeln im Gesicht. "Die bekommen ihre Geschenke noch früh genug", ergänzt Mertin. Für beide Mitarbeiterinnen ist der Dienst an Heiligabend eine Premiere.

Egal welche Eventualitäten an den Feiertagen eintreten, Zerbst ist vorbereitet – dank jener, die heute für andere da sind.

   

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