Noah Lippold (6) aus Roßlau besuchte mit seiner Mutti und seinem Bruder zum ersten Mal Töpfer Detlef Leps in Kämeritz. Am Sonnabend und Sonntag fand der 8. deutschlandweite Tag, korrekter wohl das Wochenende, der offenen Töpfereien statt.

Kämeritz l Die Lippolds freuen sich immer auf dieses Wochenende und suchten sich in den letzten Jahren jedes Mal eine andere Werkstatt in der Region aus. Die "elb auen blau"-Töpferei von Detlef Leps im kleinen Zerbster Ortsteil Kämeritz auf einem früheren Vier-Seiten-Hof nahe der Elbe war 2013 eine von 35 Keramikwerkstätten, Studios, Ateliers und Töpfereien in Sachsen-Anhalt, die zum Schauen, Mitmachen oder Probieren, natürlich auch zum Kaufen eingeladen haben.

Doch zurück zu Noah aus Roßlau. Er bekam strahlende Augen, als Detlef Leps den Hocker an der elektrisch betriebenen Töpferdrehscheibe ganz weit nach unten drehte und einen feucht gemachten Tonklumpen auf das Zentrum der Scheibe positionierte. "Gas geben kann er schon ganz gut", schmunzelte der Töpfermeister Leps. Er widmete sich dann ganz seinem kleinen Gast, erklärte, machte vor und ließ machen.

Andere Besucher suchten ebenfalls den Kontakt zu Detlef Leps, weil sie ganz viele Fragen hatten. Zum Beispiel: Was bedeutet "elb auen blau"? Es ist die von ihm 1991 erfunden völlig neuen Kreation von Keramik. Er versah Steinzeugton aus dem Westerwald mit einer Glasur aus Ziegelton aus der unmittelbaren hiesigen Gegend. Oberflächenspannung erzeugt einen "Schrumpfeffekt". Lehm, Kalk und färbende Oxide schaffen die blauen Inseln. Auf den Regalen in Detlef Leps Töpfereiräumen stehen die vielfältigen fertigen Keramiken mit den seine Erzeugnisse charakterisierenden "blauen Inseln", auch mit Linien und Streifen.

Zum ersten Mal in Kämeritz waren auch Ingrid und Heinz Platte aus Loburg, Bruder Dietmar Platte aus Gödnitz und die Platte-Schwester Karin König aus Magdeburg. "Wir kennen aber Detlef Leps sehr gut. Auf dem von ihm und dem Förderkreis Kultur und Denkmalpflege Leitzkau ins Leben gerufenen Leitzkauer Töpfermarkt treffen wir ihn regelmäßig", erzählt Ingrid Platte.

Sie lassen sich in der Werkstatt, in der ein Brennofen und Regale mit noch zu brennenden Objekten stehen, ausführlich erklären, wie das Brennen der aus Ton geformten, noch hellfarbigen Keramiken vor sich geht. Detlef Leps beschreibt den "Schrühbrand" genannten Erstbrand und den zweiten "Glasurbrand". Natürlich müssen die Dinge vorher gründlich getrocknet sein. Der Töpfer nennt Temperaturen, spricht über die Brenndauer und erzählt ebenfalls, dass hin und wieder auch mal ein Stück einen Riss bekommen kann und unbrauchbar ist.

Ingrid Platte hat auch gleich noch einen Auftrag für ihn. Ein großes ovales, bislang deckelloses Gefäß möchte sie als Keksdose nutzen. Den individuell benötigten Deckel wird der Töpfermeister nach ihren Wünschen in Keramik natürlich nachfertigen.

Ingrid Meier aus Zerbst suchte etwas zum Verschenken. Sie findet in einem alten Ausstellungsküchenschrank schöne tiefe Teller mit Inschriften auf den Rand: "Sündhaft", "Nachtmahl" oder "C`est la vie". Kerstin Bette, Lebensgefährtin von Detlef Leps, lüftet das Geheimnis. Diese Begriffe stammen aus einigen ihrer Gedichte. Motto könnte sein: "Keramik trifft Poesie".

Was denn gerade gut geht - so eine etwas saloppe Frage an Detlef Leps. "Eigentlich alles, was Gebrauchswert hat. Tassen werden immer gern gekauft", erzählt er. Und - ein Senftopf mit Deckel für die noch aus Vorwendezeit bekannten und heute noch gehandelten plastenen Senfbecher sei eines seiner neuen Objekte, zu dem ihn eine Kundin animiert hätte.

"Neben den Teilnahmen an Töpfermärkten habe ich mit der Realisierung der Bestellungen gut zu tun", fügt er an.

Weil das Interesse am Selbsttöpfern auf immer größeres Interesse stößt, bietet Detlef Leps in diesem Jahr zwei Workshops "Einführung in das Drehen an der Töpferscheibe" und "Verschiedene Aufbautechniken" an, die jeweils an zwei Tagen und an jeweils einem gemeinsam festzulegenden Brenntag stattfinden. Termine sind: 21. und 28. Mai, alternativ 22. und 28. Mai, sowie 4. und 11. Juni, alternativ 5. und 12. Juni, jeweils von 19 bis 21 Uhr.

Weitere Informationen: www.toepferei-leps.de