Dank Spenden konnten zwei weitere historisch wertvolle Bücher der Francisceumsbibliothek restauriert werden. Die Aufarbeitung der Werke brachte eine bislang verborgene bibliophile Kostbarkeit zum Vorschein.

Zerbst lMit leuchtenden Augen präsentieren die Bibliothekarinnen Iruta Völlger und Petra Volger eine gotische Notenhandschrift. Eine reich verzierte Initiale mit aufwendig verschlungenen Ranken und leuchtenden Farben prägt das Pergament. Die gegerbte Tierhaut diente bislang für einen Foliant als Einband, der starke Beschädigungen aufwies und deshalb erneuert werden sollte.

Bei der Aufarbeitung des historischen Werkes, dessen Druckwerke von 1561 und 1566 sich in Kommentaren mit griechischen Klassikern wie Aristoteles und Hippokrates befassen, kam dann beim Ablösen des Einbandes diese bibliophile Kostbarkeit zum Vorschein. "Wir schätzen sie gut 200 Jahre älter als das Buch", bemerken die Frauen. Um das Notenblatt zeitlich genauer einzuordnen, müsste ein Handschriftensachverständiger hinzugezogen werden. Auf alle Fälle handelt es sich bei dem Fragment "um etwas ganz Besonderes". Von einer "einmaligen Zimelie" für die Bibliothek sprechen die Beiden.

Zu Tage trat das Kleinod, als Ende 2012 durch Spenden des Fördervereins Francisceum Zerbst zwei weitere wertvolle Werke im Wert von 1000 Euro restauriert werden konnten. Zum einen handelte es sich um den erwähnten Folianten, zum anderen um einen theologischen Druck von 1763. Über 1000 Seiten besitzt die spezielle Ausgabe zur Bibelkunde, die mit zahlreichen Holzschnitten zur biblischen Geschichte illustriert ist und der christlichen Erziehung der Jugend diente, wie Petra Volger und Iruta Völlger erläutern. Sie erklären, dass es sich um einen in Nürnberg erschienenen Nachdruck der 1544 erstmalig veröffentlichten "Postilla für die jungen Christen..." des Theologen Johann Spangenberg handelt. Jener war ein Bekenner der Reformation und bemühte sich intensiv um eine Verbesserung des Schulwesens in der Grafschaft Mansfeld. So enthält sein Werk auch ein Vorwort von Martin Luther. Die Auflage von 1763 trägt den gleichen Titel allerdings mit der Ergänzung "gründliche und deutliche Auslegung der Evangelien und Episteln..." und beschreibt damit die Funktion einer Postille als Erklärung eines biblischen Abschnitts.

Der mächtige Band wies erhebliche Schäden auf. Die Nutzungsspuren sind inzwischen verschwunden. "Durch die Werkstatt Buchrestaurierung Leipzig wurden ein neuer Lederband angefertigt, Heftung und Bünde stabilisiert sowie Fehlstellen an den Seiten neu angefasert", schildern die Bibliothekarinnen. "Somit ist das Buch wieder gebrauchsfähig und bleibt für die kommenden Generationen erhalten", freuen sie sich. Auch der Foliant glänzt nun in einem neuen Einband, während seine einstige Pergamenthülle fortan in voller Schönheit betrachtet werden kann.

Möglich ist das am morgigen Sonnabend, wenn die Francisceumsbibliothek anlässlich der traditionellen Schulfesttage ihre Türen für Besucher öffnet. Von 10 bis 17 Uhr können sich Interessierte zwischen den Spitzbogenregalen umschauen und in den reichen Bestand eintauchen. Der Eintritt ist kostenfrei.