"Familien stärken - Perspektiven eröffnen" ist ein Pilotprojekt des Landes Sachsen-Anhalt überschrieben. Familieninte-grationscoaches verhelfen jungen Menschen, die in Bedarfsgemeinschaften leben, zu Beschäftigung auf dem 1. Arbeitsmarkt.

Zerbst l Seit dem 1. Februar läuft das Pilotprojekt "Familien stärken - Perspektiven eröffnen" im Landkreis Anhalt-Bitterfeld unter dessen Federführung. "Das Ziel ist ganz klar: Mindestens ein Familienmitglied aus Bedarfsgemeinschaften, in denen beide Partner jung und arbeitslos sind, soll auf dem ersten Arbeitsmarkt einen Job finden", erklärt Jacqueline Dräger ihre Aufgabe, die sie als Familienintegrationscoach im Bereich Zerbst ausübt.

"Wir haben bereits 25 Familien, die mit uns zusammen-arbeiten wollen", erzählt Dräger. Das Angebot ist freiwillig. "Mit weiteren Familien, etwa um die 50, stehen wir in Kontakt", erzählt Dräger. Wir - das ist sie und ihre Kollegin Cornelia Lawitschka. Oftmals wird der Kontakt durch das Jobcenter, das Jugendamt oder durch Nachfrage der Interessierten zu den beiden Coaches hergestellt. "Der Ansatz ist individuell, aber ganzheitlich", so Dräger.

In persönlichen Gesprächen findet das Kennenlernen statt sowie die Analyse der Ausgangssituation. Jacqueline Dräger unterstützt die Familien bei der Entwicklung neuer beruflicher Perspektiven, hilft beim Erstellen von Bewerbungen, bei persönlichen Problemen und sucht für den Interessierten den passgenauen Arbeitgeber. "Jeder Fall ist anders, es braucht immer eine andere Lösung."

Angesprochen zur Teilnahme sind Familienbedarfsgemeinschaften, in denen beide Partner arbeitslos und nicht älter als 30 Jahre sind, Alleinerziehende unter 30 Jahren oder Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren, die Mitglied einer Bedarfsgemeinschaft sind, in der die Eltern arbeitslos sind. "Ich helfe dann, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die notwendig sind, damit die Eltern und Jugendlichen einer geregelten Arbeit nachgehen können", erzählt Jacqueline Dräger. Ob die Suche nach einem Kitaplatz, nach einer Ausbildungsstelle oder das Organisieren von verloren gegangenen Zeugnisdokumenten.

Sind diese Grundlagen erarbeitet, folgt die Suche eines sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatzes. "Dafür brauchen wir Unternehmen, die in diesem Programm mitmachen wollen", wirbt Dräger dafür, dass sich Unternehmen bei Interesse melden. Langfristig soll ein neuer sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplatz entstehen. Dazu wird im Rahmen einer maximal elfmonatigen "Erprobungsphase" das Unternehmen mit bis zu 1440 Euro pro Monat bezuschusst - dabei handelt sich um Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds. Zwischen 20 und 40 Wochenstunden sind als Arbeitszeit angestrebt. "Außerdem hat der Arbeitgeber ein tarifliches oder zumindest ortsübliches Entgelt zu bezahlen", so Dräger. Während und auch nach der Erprobungsphase steht der Familienintegrationscoach sowohl dem Unternehmen als auch dem Teilnehmer als Ansprechpartner zur Verfügung. "Aus dem Probearbeitsplätzen sollen langfristige Festanstellungen werden", betont Dräger.

Sollte eine Vermittlung in eine sozialversicherungspflichtige Stelle nicht gelingen, ist vorerst eine maximal sechs Monate lange "gemeinwohlorientierte Arbeit" vorgesehen. "Unser großes Plus ist: Wir haben Zeit." Jacqueline Dräger macht Hausbesuche, wenn der Bedarf besteht. "Wir arbeiten in dem Rhythmus, den die Familien mitgehen können", sagt Dräger - anders als Fallmanager, Sozialarbeiter und Jobvermittler. Maximal 30 Familien im Jahr kann Jacqueline Dräger betreuen. Das ist die vorgegebene Grenze.

Bis 31. August 2014 ist das Pilotprojekt befristet. "Das heißt, wenn wir die vollen elf Monate ausnutzen wollen, müssen wir bis September die Probearbeitsplätze geschaffen haben", betont Dräger. Jedem Familienintegrationscoach steht eine Verwaltungskraft zur Seite. "Wer Interesse hat, kann telefonisch einen Termin mit mir vereinbaren. Auch für Fragen von Unternehmerseite stehe ich zur Verfügung", sagt Dräger.

Jacqueline Dräger ist unter (01 72) 3 47 08 20 zu erreichen oder per E-Mail: jacqueline. draeger@anhalt-bitterfeld.de.