Es war bereits Thema im mehreren Ausschüssen der Einheitsgemeinde und wird demnächst auch den Stadtrat beschäftigen: Der Breitenhagener Fährpächter will aufgeben. Zu groß sei der zeitliche Arbeitsaufwand, zu gering die Einnahmen.

Breitenhagen. Der eisige Wind pfeift über die bleigraue Elbe. Das Thermometer zeigt drei Grad an. Auf dem Wasser ist die gefühlte Temperatur deutlich niedriger. Die Fahrer zweier Kleintransporter beeilen sich nach Entrichten des Fährgeldes schnell wieder ins warme Auto zu kommen.

Erhard Kretzmann stört dieses Wetter nicht. Er hat ganz andere Probleme. Vor zehn Jahren übernahm er die Breitenhagener Fähre als Pächter. Heute ist sein Sohn Andy der Chef, Erhard bei ihm angestellt. Die Beiden teilen sich den Zwölfstundentag, der im Sommer sogar von 5.30 bis 18.30 Uhr dauert.

"Auf die Dauer hält das kein Familienleben aus", sagt Erhard Kretzmann. Seine erste Ehe und jetzt die seines Sohnes wären dadurch zu Bruch gegangen. "Wir sind ja sieben Tage in der Woche auf dem Fluss."

Ein weiterer Aspekt seien die mageren Einnahmen. "Wir waren hochwasser- und eisgangbedingt dieses Jahr fast 120 Tage an Land", rechnet der 59-Jährige vor. Da komme kein Geld rein, doch Versicherung, Pacht und Rücklagen für die Fünfjahresrevision liefen weiter. Es wird wohl 2010 nicht die letzte Stillstandzeit gewesen sein, betrachtet man das Wetter.

Auch die Radtouristen seien deutlich weniger geworden, weil die Lödderitzer Deichrückverlegung auf Umleitungsstrecken zwinge.

Jetzt hat Fährpächter Andy Kretzmann das Handtuch geworfen und den Vertrag mit der Stadt Barby zum 31. Dezember gekündigt. Die ist mit Einheitsgemeindebildung Rechtsnachfolger der Gemeinde Breitenhagen, die bis Ende vergangenen Jahres Verpächter war.

"Wir müssen in den nächsten Wochen eine Lösung finden. Sonst kann es passieren, dass der Fährbetrieb ab Januar ruht", sagt Bürgermeister Jens Strube. Das Recht ist allerdings auf seiner Seite, da die vertragliche Kündigungsfrist bis November 2011 gilt.

"Stimmt", gesteht Erhard Kretzmann, beruft sich aber auf einen Passus, der "besondere Gründe" heißt. "Ich muss mich dringend an der Schulter operieren lassen. Dann falle ich für mehrere Wochen aus." Vor drei Jahren hätte er bereits den Vorschlag gemacht, nach dem Barbyer/Groß Rosenburger Beispiel einen Fährverbund zu gründen. Freilich mit dem Ziel, dann als Angestellte der Stadt zu pendeln. Das sei aber auf taube Ohren gestoßen. "Aken hätte uns genommen", beschreibt der Breitenhagener einen ähnlichen Vorstoß in südliche Richtung, der aber nicht zustandegekommen sei.

Er betont, dass er und sein Sohn Andy nach Vertragskündigung "in jedem Fall bereitstehen würden", bei der Stadt als Fährleute anzuheuern. Aber eben nicht mehr als Pächter.

Doch das würde mindestens eine zusätzliche "volle Stelle" für die Einheitsgemeinde bedeuten. "Ich weiß nicht, ob dem der Stadtrat zustimmt", gibt Jens Strube zu bedenken. Die Haushaltssituation gebe eine Aufstockung des Personalbestandes nicht her.

Die Fähren seien ohnehin ein Zuschussgeschäft. Kämmerin Sigrid Hochgräfe rechnet die Zahlen vor. 2009 hätte die Barbyer Fähre 45 252 Euro, die Rosenburger 49 467 Euro miese gemacht.

"Ich finde es sehr bedenklich, dass das Land da keine Unterstützung gibt. Schließlich halten wir den Fahrzeugverkehr der Landesstraßen aufrecht", fasst Strube das Thema weiter. Nur die alle fünf Jahre stattfindenden Landrevisionen würden finanziell bezuschusst. Diese Problematik hatte man kürzlich Innenminister Holger Hövelmann vorgetragen, obwohl der Landesverkehr nicht in sein Ressort fällt. "Er hat aber zugesagt, das Thema dem Verkehrsminister vorzutragen", so der Bürgermeister.

Davon unabhängig muss nun der Stadtrat entscheiden, was wird.

Bilder