Die Botschaft des Abends war wohl für alle Anwesenden eindeutig: Träume können wahr werden, man muss sich nur trauen. Worldrunner Robby Clemens machte seinen Traum von einer Weltumrundung zu Fuß 2007 wahr und berichtete am Mittwochabend in der Stadtbibliothek Zerbst von diesem Abenteuer.

Zerbst. Es mussten sogar Stühle dazugestellt werden, damit alle Zuhörer beim Multi-Media-Vortrag von World-runner Robby Clemens in der Stadtbibliothek Zerbst einen Platz fanden.

Und so stand vor versammelter Mannschaft ein Mann, der eine unmögliche Reise hinter sich hatte und doch der Nachbar von nebenan sein könnte. Robby Clemens, mit dem unverwechselbaren Dialekt eines Sachsen ausgestattet, erzählte mit Hilfe von Bildern und Filmausschnitten von seiner 13 262 Kilometer langen Reise, von wunderbaren Begegnungen, unglaublichen Zufällen und vor allem vielen hilfsbereiten Menschen.

"Ich wusste, dass ich durch Hanoi kommen werde, durch Los Angeles und New York. Aber als ich loslief, bekam ich doch ziemlich weiche Knie", räumte Clemens zu Beginn der Dia-Show ein. Doch schnell fand er die Taktik, die ihn vier Kontinente, 27 Länder und 314 Marathons in 311 Tagen laufen ließ. "Immer nur an den nächsten Schritt denken, ans Tagesziel." Während der neun Monate, die sein Lauf von Leipzig bis Berlin dauerte, hörte er keine Nachrichten aus Deutschland, nichts, das ihn ablenken könnte.

Das Ziel war klar. Etwa 70 bis 80 Kilometer mussten pro Tag gelaufen werden, um den Zeitplan einzuhalten. Vier Männer bildeten seinen Betreuerstab – darunter auch Sohn Oliver. Dazu begleiteten abwechselnd vier Ärzte den Extremsportler. In Ungarn kamen sie zum ersten Mal ernsthaft zum Einsatz. Eine mögliche Knochenhautentzündung verursachte dem Läufer große Schmerzen. 14 Tage Zwangspause halfen jedoch.

Spätestens in der Türkei jedoch wurde das Team mit dem eigenen Schubladendenken konfrontiert. "Was erwartet uns hier?", war die dominierende Frage. Bald stellte sich heraus: ein tolles Land. Mit einem kleinen Trick gelang es, die Brücke zwischen europäischem und asiatischem Teil Istanbuls zu überqueren. "Den Preis, den ich zahlen musste, sehen Sie jetzt", machte Clemens neugierig. Bekleidet mit einer mannshohen türkischen Fahne ist der Sportler am Ende der Brücke zu sehen. An einem anderen Tag meinten es Mitarbeiter einer Milchproduktion besonders gut und schenkten dem Team 20 Zehn-Liter-Eimer Joghurt. "Viele haben mit uns Essen und Trinken geteilt. Sie mussten nicht, aber sie wollten uns helfen."

In Syrien verlor Robby Clemens mit großem Abstand ein Tischtennis-Spiel gegen ein Mitglied der Behinderten-Nationalmannschaft im Tischtennis. In Ägypten eskortier- te die Polizei den aus drei Wagen bestehenden Tross für 20 ägyptische Pfund pro Polizei-Schicht.

Doch ein Zufall dieser Reise ist besonders bemerkenswert. 2003 machte Clemens mit einem Freund einen Friedenslauf durch den Irak, um Geld für verletzte Kinder zu sammeln. Beim Start in Basra plauderte er mit einem englischen Soldaten, dessen Jeep ein paar Meter neben ihm herfuhr.

Bei der Sponsorensuche für den Worldrun sagten nach und nach die großen Sportartikelhersteller ab. Kein Interesse. Die letzte Nummer galt einem kleinen Unternehmen namens Brooks mit Sitz in Münster. Dessen Geschäftsführer ließ Clemens beim Vortragen seines Anliegens kaum ausreden und meinte stattdessen: "Wir kennen uns." Und in der Tat: Es war der britische Soldat aus Basra.

Und wer nun glaubt, solche Zufälle gibt es nicht: Bei einem Bild des Weltlaufes aus Jordanien beginnen auf einmal zwei Zuhörerinnen laut zu tuscheln. Elvira Schriever aus Lindau und ihre Begleiterin erkennen einige Mitglieder der Reisegruppe, die dort zu sehen sind. "Das ist Pastor Spitzer aus Kreuzberg", sind sich die Damen sicher.

Auch nach der Ankunft in Berlin halten somit die unglaublichen Zufälle diese Reise an. Bleibt abzuwarten, was Robby Clemens für Abenteuer auf seiner nächsten großen Reise erlebt. 2013 will er vom Nord- zum Südpol laufen. "Das Training dazu beginnt im kommenden Jahr", erzählt er. Dann warten noch einmal ganz andere Extreme auf den Sachsen. Zeigte das Thermometer in den türkischen Bergen damals nur noch minus 17 Grad Celsius an, werden es in den Polargebieten wohl minus 40 oder 50 Grad sein. "Das ist jedoch eine reine Kopfsache", weiß Clemens. Und er wird ohnehin nur an den nächsten Schritt denken.