Ob es der Briefmarkenverein, die Internationale Fasch-Gesellschaft, der Verkehrsverein oder die Geflügelzüchter und Kleingärtner sind, das Zerbster Vereinsleben ist in jeglicher Hinsicht bunt gemischt. "Vereine bilden das Rückgrat des städtischen Lebens", sagt auch Kulturamtsleiter Andreas Dittmann.

Von Tobias Dachenhausen

Zerbst. Insgesamt sind 91 eingetragene Zerbster Vereine im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal verzeichnet. "Großes Erstaunen und große Bewunderung macht sich breit, wenn man sieht, was hier so möglich ist", erzählt Dittmann. Neben den klassischen Sportvereinen ragen in der Stadt die Kulturvereine heraus mit dem Aushängeschild Katharinaverein. "Im Bereich Kultur ist Zerbst schon ein Phänomen. Als Stadtverwaltung wäre dieser Aufwand allein gar nicht möglich. Wir sind sehr froh über das große bürgerschaftliche Engagement", fasst der Kulturamtsleiter zusammen.

Dabei gibt es aber auch Enthusiasten, die gleich bei mehreren Vereinen den Hut aufhaben. Für die Zumsammenarbeit mit der Stadt ist das immer zum Vorteil. "Wenn das Personal das gleiche ist, gibt es kein Problem mit der Vernetzung. Doch scheidet diese Person dann einmal aus, muss man gleich bei mehreren Vereinen Nachfolger finden", erklärt Dittmann das Pro und Contra. Gerade im Sport- und Kulturbereich findet eine enge Zusammenarbeit zwischen Stadt und Vereinen statt. Der Sozial-, Schul-, Kultur- und Sportausschuss versteht sich hier als Dienstleister für die Vereine. "Wir sind eine wichtige Nahtstelle und sehen uns mindestens auf Augenhöhe mit den Vereinen", erklärt Dittmann. Kultur-Festtage und andere größere Projekte wären ohne die Hilfe der Vereine gar nicht möglich.

Die Gründe für das rege Vereinsleben sind schnell genannt. "Als ehemalige Residenzstadt haben wir ein anderes Traditionsverständnis. Die Fasch-Gesellschaft wurde Mitte der 1980er Jahre gegründet und ist zu einem Internationalen Verein angewachsen", nennt der Kulturamtsleiter ein Beispiel. Auch der "brutale Einschnitt" 2003 als die Vereinsförderung auf null runtergefahren werden musste, konnte überstanden werden. "Mit Hilfe von Handel und Gewerbe musste nicht ein Projekt eingestellt werden."

Bei der Fülle an Vereinen kann auch der Kulturamtsleiter nicht alle benennen. "Wir versuchen den Überblick zu behalten. Meistens beschränkt es sich aber auf die, mit denen wir auch direkt zusammenarbeiten", gesteht er ein. Dabei sind auch für ihn Vereine wie OBSA – Organisation zur Betreuung von Strafgefangenen und deren Angehörige oder K.E.R.Ze gänzlich unbekannt. "Es gibt eben Vereine, die für sich sind, was auch nicht schlimm ist. Sie sollen dafür da sein, die Interessen der eigenen Mitglieder durchzusetzen", sagt der Kulturamtsleiter.