Seit geraumer Zeit schon trägt der Dicke Turm einen grünen Netzgürtel. Das Maschenwerk zum Einfangen des bröckelnden Putzes ist aber nur eine Zwischenlösung. Geplant ist, den einstigen wehrhaften Burgfried 2014 zu sanieren.

Zerbst l Die Fassade des Dicken Turms muss dringend instandgesetzt werden. "Der Zustand ist kritisch", beschreibt Pfarrer Albrecht Lindemann die vorhandenen Schäden an dem historischen Gemäuer. Einst wehrhafter Bestandteil einer slawischen Wallburganlage, dient der massive Bau bereits seit Mitte des 15. Jahrhunderts der Kirchengemeinde von St. Bartholomäi als frei stehender Glockenturm. Und diesen ziert seit Mitte Mai im oberen Drittel ein grüner Gürtel. "Die Netze wurden montiert, um die Verkehrssicherheit zu garantieren", erzählt Lindemann von herabfallenden Putzstücken, die vorbeilaufende Passanten gefährden könnten. Momentan fängt das Maschenwerk den bröckelnden Mörtel ein.

Eine dauerhafte Lösung soll das allerdings nicht sein. Um die weitere Zersetzung der Substanz aufzuhalten, ist die Sanierung des Turms vorgesehen. Ursache für die immer mehr zu Tage tretenden Schäden sind konstruktive Mängel, die bei der Neueindeckung des Notdaches in den fünfziger Jahren nicht behoben worden sind. Dadurch war die Fassade sämtlichen Witterungseinflüssen schutzlos ausgeliefert. In Zukunft soll verhindert werden, dass der Regen direkt am Mauerwehr hinabläuft. Deshalb ist neben dem Einbau einer Dachrinne das Anbringen von Fallrohren an den Ecken der West- und der Ostfassade analog des Originalzustandes vor 1945 geplant. Darüber hinaus wird der Turm an allen vier Seiten Schneegitter erhalten, "da im vergangenen Winter wiederholt Schneelawinen vom Dach rutschten", wie Albrecht Lindemann erläutert.

Die Maßnahme beinhaltet außerdem das Entfernen des losen Putzes, bevor die Fassade zwischen der Dachkante und den kleineren Turmfenstern wiederhergestellt wird. Auch im unteren Bereich erfolgt punktuell die Instandsetzung vorhandener Ausbrüche. Nicht zuletzt werden die vorspringenden Bauteile - sprich die Gesimse, Lisenen und Fensterbänke mit Bleiblechen - versehen. "Die Absprachen mit den Denkmalschutzbehörden sind erfolgt, notwendige Anträge gestellt", erklärt der Pfarrer.

Ziel ist es, das Projekt so schnell wie möglich umzusetzen. Für die Realisierung wird derzeit 2014 ins Auge gefasst - vorausgesetzt natürlich, die Finanzierung ist abgesichert. "Wir rechnen mit Gesamtkosten von 80 000 Euro", nennt Albrecht Lindemann eine nicht unerhebliche Summe. Um diese aufzubringen, bemüht sich die Kirchengemeinde bereits um Fördergelder. "Diese setzen aber in steigendem Maße den Einsatz von Eigenmitteln voraus. Deshalb sind wir auf Unterstützung angewiesen", hofft der Pfarrer auf Spenden aus der Bevölkerung.