Zerbst. "Wir haben hier die Probleme ja nicht erst seit heute, aber es wird immer schlimmer", erklärte am Wochenende Hermann Lehmann aus der Marcellstraße am Volksstimme-Lesertelefon.

Freitag und Sonnabend sind, so seine Beobachtungen, permanent schwere Traktoren samt Anhänger durch die Straße gefahren. "Die Pkw kamen nicht durch und das Wasser aus den Pfützen schwappte bis in die Vorgärten", so Lehmann. Denn der Durchgangsverkehr der sehr breiten Landmaschinen ist nicht das einzige Problem der Anwohner. "Die Borde sind heruntergefahren und es sind keine Gullys eingebaut, die das Wasser ableiten."

"Wir leiden", betont Lehmann, schon seit Jahren. Dabei ist Änderung am Straßenzustand nicht in Sicht. Vor Jahren sollte die Marcellstraße zur Gemeindestraße abgestuft werden. Dies geschah jedoch nicht – unter anderem wehrte sich die Stadt Zerbst seinerzeit, die Straße übertragen zu bekommen. Somit ist sie auch heute eine Kreisstraße. Auf den Prioritäten- und Bedarfslisten ist sie aktuell nicht vordringlich aufgeführt. Zudem stehen alle Straßenausbaumaßnahmen, die bis 2014 unter Einsatz von Landesmitteln über das sogenannte "Entflechtungsgesetz" gebaut werden können, bereits seit zwei Jahren fest. Im Zerbster Raum des Kreises Anhalt-Bitterfeld ist dies vor allem die Kreisstraße 1245 vom Heidetorplatz bis zum Ortsausgang Richtung Strinum sowie im weiteren Verlauf die Nuthe-Brücke bei Kuhberge.

Das Korsett ist eng, die Möglichkeiten für Veränderungen von Prioritäten klein. Dies bestätigt auch der Zerbster Leiter Bauverwaltung, Bernd Köhler. Aus seiner Sicht haben allein in der Kernstadt Zerbst die Lepser Straße, die Friedensallee (zwischen Käsperstraße und Bahnübergang) sowie die Marcellstraße den höchsten Ausbaubedarf. "Keine Regenentwässerung, desolate Fahrbahndecken, keine Seitenstreifenbefestigung – die haben es auf jeden Fall nötig", so Köhler. Der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss will noch in diesem Jahr beraten, ob er eine Prioritätenliste aufstellt. Ob das den Landkreis beeinflusst, ist offen.