Die Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" sammelt für bedürftige Kinder in Osteuropa Weihnachtsüberraschungen, um ihnen ein besinnliches Fest zu ermöglichen. In Zerbst findet diese Aktion seit Jahren großen Anklang, so dass dieses Mal 132 Pakete und über 400 Euro von Pfarrer Michael Blaszcyk zur Sammelstation gefahren werden konnten.

Zerbst. "Jetzt fühle ich mich wie der Weihnachtsmann", sagt Pfarrer Michael Blaszcyk kurz bevor er mit seinem Auto nach Dessau aufbricht. 132 Geschenke in jeder erdenklichen Form und Größe stapeln sich im Kofferraum und auf der umgeklappten Rückbank. "Wieder ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis", resümiert er. Doch die Geschenke sind noch nicht alles. Zu den Paketen kommen noch über 400 Euro an Geldspenden aus der Gemeinde, die ebenfalls der Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" zugutekommen.

Diese Aktion, getragen vom christlichen Missions- und Hilfswerk "Geschenke der Hoffnung", hilft Kindern in Not. "Weihnachten im Schuhkarton" soll Kindern in Osteuropa auf simple Weise für einen kurzen Moment Freude und Hoffnung schenken. "Viele Kinder leben dort in Armut, oft auf engstem Raum ohne fließendes Wasser, so dass sie Weihnachten nicht so feiern können, wie wir es kennen", erklärt Blaszcyk.

In Zusammenarbeit mit den Schulen und Kitas in Zerbst und Umgebung konnte dann diese stattliche Anzahl von Paketen ermöglicht werden. "Daran beteiligt haben sich auch viele Gemeindemitglieder, vor allem Ältere, die vielleicht nicht mehr unbedingt was einpacken können, jene haben eben ein bißchen Geld gegeben", vergisst der Pfarrer nicht zu erwähnen. Von Spielsachen über Süßigkeiten bis hin zu Schulsachen war alles in den Kartons enthalten, doch hier gab es bestimmte Vorschriften. "Die Kartons werden am Ende alle auf Einhaltung der Zollbestimmungen überprüft, so sind zum Beispiel Gummitiere oder Nüsse verboten", beschreibt Blaszcyk.

Dementsprechend groß ist die Herausforderung für die Kinder. Die Aufgabe bestand nicht darin, irgendetwas zusammenzupacken, sondern ganz bestimmte Dinge. "Die Kinder mussten sich mit ihrem Geschenk und natürlich dem Empfänger des Geschenks wahrhaftig auseinandersetzen", erklärt der Pfarrer. So mussten die Kinder entscheiden, ob ihr Geschenk für einen Jungen oder ein Mädchen sein sollte, dazu kam das Gestalten des Pakets an sich. "Die Kinder haben daran immer ihren Spaß, teilweise müssen sie ihren Eltern sagen, was rein darf und was nicht", erzählt der Pfarrer.

Seit wann diese Aktion im Zerbster Raum durchgeführt wird, weiß der Pfarrer nicht mehr genau, aber sie hat wohl ihren Platz gefunden. "Wichtig ist, ein festes Datum zu haben, so gewöhnen sich die Menschen leichter daran", weiß Blaszcyk. Insgesamt gibt es "Weihnachten im Schuhkarton" nun seit 20 Jahren. Initiator war der Geschäftsmann Dave Cooke, den Bilder rumänischer Kinder, die in Waisenhäusern verwahrlosten, so bewegten, dass er Hilfsgüter und mit Geschenken gefüllte Schuhkartons nach Rumänien brachte. Mit der Zeit schlossen sich immer mehr Menschen an und packten Pakete für Kinder in Not.

Neben dem Spaß am Packen von Paketen lernen die Kinder der Kitas und Schulen gleichzeitig das Teilen, ein wichtiger Faktor für den Pfarrer. "Es ist notwendig, dass die Kinder früh erfahren, dass es nicht allen Gleichaltrigen auf der Welt so gut geht wie ihnen, nicht alle eine Schule besuchen können oder ein Dach auf dem Kopf haben", sagt Blaszcyk, fügt aber an: "Es wird kein Druck auf die Kinder ausgeübt, etwas machen zu müssen". Auch wenn der Träger ein christlicher Verein ist, kommen die Pakete allen bedürftigen Kindern zugute, unabhängig irgendeiner Konfession. Auch Zweifel daran, ob die Pakete dort ankommen, wo sie vorgesehen sind, hält der Pfarrer für unbegründet. "Der Verein hat das sogenannten Spendensiegel. Damit musste er sich zahlreichen Kontrollen unterziehen, so dass man sich sicher sein kann, dass das Paket auch ans entsprechende Ziel geht."