Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt bleibt in der Kritik. Auf der Sitzung des Ortschaftsrates Straguth am Dienstagabend bemängelten Ratsmitglieder und Bürger die unzureichende Unterhaltung der Nuthe. Die Folge sind nicht nur vernässende Äcker und Hausgärten. Auch Gebäude verzeichnen bereits erste Nässeschäden.

Straguth. "Dort, wo früher Wiese war, wachsen heute Binsen", schilderte Ralf Ritter am Dienstagabend den Straguther Ratsmitgliedern seine Beobachtungen an der Nuthe. Er nutzte die Einwohnerfragestunde, um sich zu erkundigen, inwieweit die Ortschaft beeinflussen kann, dass da mal irgendwas passiert. Durch das stetige Ansteigen des Wasserstandes des Flusses würden die anliegenden Flächen immer mehr vernässen, hält er die Lage für unhaltbar. Die Nutzung vieler Wiesen sei längst nicht mehr gegeben. "Kühe versinken und Schafe können nicht mehr weiden", nannte er Beispiele. "Es verschilft und versumpft", umriss Ralf Ritter die Folgen der ausbleibenden Unterhaltung der Nuthe. "Vor mehr als 20 Jahren ist das letzte Mal grundhaft geräumt wurden", berichtete er.

"Wir rügen seit Jahren deutlich bei den Gewässerschauen den gravierend vernachlässigten Unterhaltungszustand der Nuthe", erklärte Ortsbürgermeister Edgar Grund. Er hielt es für verantwortungslos, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten nichts gemacht wurde. "Einmal haben sie die Äste rausgezogen und das war alles", bemerkte er. So führt die voranschreitende Verlandung des Flusses inzwischen zu Vernässungsschäden in Hausgärten. Auch erste Gebäude im Wohnbereich sind betroffen.

Zuständig für die Nuthe als ein Gewässer I. Ordnung ist der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, kurz LHW. Und dieser verfügt jährlich nur über begrenzte Haushaltsmittel, wie Edgar Grund anfügte. "Das Grundübel besteht darin, sie haben kein Geld", konstatierte der Ortsbürgermeister. Auch Ratsmitglied Günter Heise wusste um die knappen Kassen des LHW. "Sie sagen, wir können nichts machen", gab er den Tenor wieder. Ein Ausbau des Flusses sei nicht möglich, höchstens eine Grundräumung, führte Günter Heise aus. Seit einigen Jahren schon nimmt er regelmäßig an den Gewässerschauen teil. "Das Problem ist, die Nuthe ist zu hoch und die Gräben laufen nicht ab", erzählte er.

Um Gräben, die Gewässer II. Ordnung sind, kümmert sich im Bereich Straguth der Unterhaltungsverband Nuthe/Rossel. Wäre jener für die Nuthe zuständig, befände sich diese in einem ordentlichen Zustand, hieß es. Vor dem Hintergrund wurde der Vorschlag geäußert, dass es besser wäre, wenn der Verband die Unterhaltung des Flusses übernimmt.

Das allerdings kann der Ortschaftsrat nicht beeinflussen. Stattdessen forderte er die Verwaltung auf, das LHW schriftlich auf die Besorgnisse der Straguther hinzuweisen und in dem Schreiben konsequent Unterhaltungsmaßnahmen an der Nuthe einzufordern.