Zerbst. Am Wochenende treffen sich die Handwerker der Region zum nun bereits 20. Innungstag der Kreishandwerkerschaft Anhalt-Bitterfeld in Zerbst. Ein dickes Polster aus Tradition und Selbstverständnis unterlegt dieses Jubiläum. "Eine derartige Tradition findet man in keiner anderen Handwerkerschaft weit und breit", erklärt Carmen Bau, die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. "Es ist eine herausragende Besonderheit der Handwerksbetriebe in dieser Region, sich dieses jährliche Treffen im wirklich gehobenen Ambiente und mit den immer wieder hochkarätigen Gästen zu organisieren und letztlich auch zu gönnen."

Der Innungstag beginnt um 10 Uhr im Katharinasaal der Stadthalle. Als Festredner wird Reiner Haseloff, der Wirtschafts- und Arbeitsminister Sachsen-Anhalts und zugleich CDU-Spitzenkandidat auch für das Amt des Ministerpräsidenten ab dem März 2011, erwartet. Über "Das neue Jahrzehnt, seine Herausforderungen und Chancen für das Handwerk in Sachsen-Anhalt" wird er referieren, und vor allem auch Kreishandwerksmeister Roland Prokop wird aufmerksam zuhören. Denn der Haseloffschen Festrede voraus geht die seine. Prokop hat als Hausherr das erste Wort am Mikrofon und sich dort den Ruf eines kantigen Fragestellers erworben. "Wir sprechen an, was uns bedrückt und auch, was uns gefällt. Offen, unverfälscht, kollegial. Und ernsthaft."

Aktuell bedrückt den Kreishandwerksmeister vor allem die demografische Entwicklung. "Gerade für das Handwerk und den Mittelstand ist in unserer Region keine Entwicklung zum Besseren zu erwarten. Wir werden vergreisen. Die bloße Arbeit ist das eine, aber was kann die Region sonst noch? Infrastruktur wird abgebaut, jüngst erst wurde zum Beispiel die Gefahr der Schließung der Geburtshilfe beschrieben. Welche jungen Familien will man da halten? Unsere eigenen Kinder können sich hier nicht mehr ordentlich entwickeln. Mancher Traum eines Handwerkers, er könnte es in der Familie weitergeben, scheitert an den düsteren Prognosen, die der Nachwuchs für sich und sein Leben ausmacht. Die Jugend, und zwar neben den gelernten Fachkräften eben auch das Handwerk und natürlich auch die Studierten, bleiben hier nicht. Wir sehen das, und jetzt kommt es darauf an, wie wir alle damit umgehen. Vielleicht hat ja der In- nungstag ein paar gute Antworten."

Zum Innungstag gehört stets auch der Schulterschluss mit der lokalen und regionalen Politik. Der Zerbster Bürgermeister Helmut Behrendt wird zu den Innungsmitgliedern sprechen, Landrat Uwe Schulze hat indes eine Vertretung angekündigt. Erneut im Kreis der Handwerker wird auch Thomas Keindorf aus Halle erwartet. Vielleicht zum letzten Mal, denn der rührige Schornsteinfegermeister mit "Nebenfunktion" als Handwerkskammerpräsident ist für die Landtagswahl im März 2011 nominiert. Sicher ist: Sein Grußwort wird die Handwerker-Situation gerade im Kammerbezirk Halle/Saale deutlich beschreiben.

Zum Innungstag sind Ehrungen verdienter Handwerksmeister und erstmals auch eine Ehrung der Prüfungsausschussmitglieder vorgesehen. Und nach guter Sitte hat mit dem Vorstandsvorsitzenden Markus Klatte der Hauptsponsor des Innungstages, die Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld, das Recht aufs Schlusswort.

Am Abend schließlich findet an gleicher Stelle ein bereits jetzt absehbar gut besuchter Handwerkerball statt. Kurzentschlossene könnten, so erklärte Geschäftsführerin Carmen Bau, noch Glück haben und letzte Karten in der Geschäftsstelle auf der Breite 20 ordern.

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