Schlicht "Vortrag Kriminalbiologie" hieß die Veranstaltung im Katharina-Saal der Zerbster Stadthalle. Ein Fachvortrag für Experten? Mitnichten! Denn zu Gast war Dr. Mark Benecke.

Zerbst l Mark Benecke ist Kriminalbiologe, Experte der forensischen Entomologie, Rechtsmediziner, bekannt ebenso aus Radio und Fernsehen, als Autor, Gutachter und Sachverständiger - der sich insbesondere scheinbar unlösbaren geheimnisvollen Fällen der Kriminalistik widmet. Und er kann das spannend vermitteln - im reizvollen Spagat zwischen unterhaltsam reißerischem Spektakel und nachvollziehbar wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Das konnten die über 300 Gäste in Zerbst in fast drei Stunden erleben, einschließlich Pause. Selbst in der gab es Aktion. Beneckes Begleiterin Toni Paine bot das Auf-die-Hand-nehmen großer lebender Schaben an. Der "Herr der Maden" selbst hatte voll zu tun mit dem Autogramm-Geben und dem einen oder anderen persönlichen Gespräch.

Im spannungsvollen Vortrag erfuhren die fasziniert zuhörenden Besucher eine Vielzahl interessanter Fakten und kriminalistischer Zusammenhänge. Bezogen auf Be- neckes neue Biografie über Otto Prokop, den führenden DDR-Pathologen und Gerichtsmediziner mit österreichischem Pass, wurde der "Gutachterkrieg Ost-West" gleich kurz mit abgehandelt. Vor allem aber Prokops Grundsatz hervorgehoben: "Keine Annahmen machen. Nur, was geprüft werden kann, hat Bestand." "Eine bedeutsame Erkenntnis, die ich bei meinen Untersuchungen stets beachte", stellt Dr. Mark Benecke fest.

Gesagtes hat er stets mit sehr realistischen Fotos, teils auch mit schaurigen Details, anschaulich optisch belegt.

Dann kam es zu einem demokratischen Akt im Saal. Aus seinem breiten Vortragsrepertoire bot Mark Benecke zur Auswahl die Themen "Alien-Autopsie", "Hitlers Schädel und Zähne", "Gerüche und Leichen" sowie "Spontane menschliche Selbstentzündung" an. Reizvoll war alles. Immerhin war er einer der wenigen Forscher, die in Moskau Hitlers Knochenreste untersuchen durften.

Die Zerbster Gäste entschieden sich mehrheitlich für die "Spontane menschliche Selbstentzündung". Es sei ein Mythos, dass menschliche Körper ohne erkennbaren Grund verbrennen könnten, dass dabei angeblich oft die Gliedmaßen und die inneren Organe erhalten blieben und kaum geschädigt seien, selbst umgebende Gegenstände fast unbeschädigt blieben. Allerdings weist Benecke auch darauf hin, dass Fotos, die eine solche spontane Selbstentzündung beweisen sollen, oft erst gemacht wurden, als bereits einzelne Leichenteile, aus welchen Grund auch immer, entfernt waren.

Mark Benecke stellte historische Fälle aus dem 17. Jahrhundert und gegenwärtige vor, zeigte Fotos, half den Zuschauern, auf Details zu achten - ganz so, wie es Prokop lehrte. Experimente, zum Beispiel mit toten Schweinen, wurden erläutert.

Dann nahm Mark Benecke die Zuhörer mit auf eine kriminalistische Reise nach Belgien. Dort untersuchte er, auch mit Hilfe von Freunden, ganz akribisch den Fall einer ange-, aber nicht verbrannten und noch lebenden Frau. Hier glaubt der Kriminalbiologe, den sogenannten Mythos enttarnt zu haben. Höchstwahrscheinlich waren es am Strand gefundene Phosphorstücke von einem früheren Bombardement, die, von der Frau in nasse Taschentücher gewickelt, zu einer etwas späten "spontanen" Entzündung führten.

Das Publikum aller Altersklassen bedankte sich mit viel Beifall für die unterhaltsame Show zu durchaus ernstem Themen.