Fritz Schmidt ist normalerweise ein gelassener Mann, doch mittlerweile liegen seine Nerven blank. Seit zwei Jahren dringt Wasser in seinen Keller – und niemand scheint ihm zu helfen.

Zerbst. Es riecht muffig im Keller des Hauses Amtsmühlenweg 6. Die Wände sind feucht, der Fußboden auch. Darin ist ein Loch mit einem Eimer. Der ist voller Wasser.Fritz Schmidt schaut wieder einmal nach, wie weit das Wasser in seinem Keller steht. "Ich habe jetzt eine Pumpe", sagt der 83-Jährige. "Die läuft stundenlang. Jedesmal gehe ich mit bangem Herzen und der Frage in den Keller: Wie hoch steht das Wasser heute?"

Seit zwei Jahren haben wir das "Theater", sagt der agile Rentner. "Da wurden in der Nähe unseren Hauses Aufrissarbeiten gemacht. Da wurde aufgerissen, zugeschüttet, wieder aufgerissen, wieder zugeschüttet. So ging das ewig. Was da genau gemacht wurde, das weiß ich nicht. Ob da was verlegt wurde – keine Ahnung."

Bald haben wir den Modergeruch im ganzen Haus

Seit dieser Zeit jedenfalls dringt Wasser in den Keller ein. "Das Haus steht seit 106 Jahren, 1947 hat es mein Großvater gekauft, seither ist es im Besitz unserer Familie und es war immer trocken", weiß Fritz Schmidt.

Viel hat er in den Jahrzehnten an seinem Zuhause gearbeitet. Das Dach erneuert, die Fenster, die Installationen, die Heizung. "Das alles hat Arbeit, Schweiß und auch Geld gekostet. Ich habe es gemacht, um meinen beiden Kindern einmal ein gutes Haus überlassen zu können. Aber mit jedem Wasserschwall sinkt der Wert. Wasser im Keller – ist doch furchtbar. Bald haben wir diesen Modergeruch ganzen Haus."

Fritz Schmidt und seine Frau waren in den zwei Jahren, seit es im Keller nass wird, nicht untätig. "Wir haben eine Firma beauftragt, die uns Nässe-Sperren zwischen Keller und Wohnbereich gelegt hat. Das hat 5200 Euro gekostet. Genützt hat es nichts, weil es eben keine normale aufsteigende Nässe ist, sonst hätten wir schon vor Jahrzehnten das Problem gehabt."

Bernd Köhler, Amtsleiter Bauverwaltung im Ratzhaus, hat Schmidt bestätigt, dass die Rohre, die vor dem Haus in der Erde liegen, in Ordnung sind. Sie sind gespült und nicht verstopft. "Das hat der Amtsleiter kontrollieren lassen. Ich habe auch nicht angenommen, dass es an kaputten Rohren liegt", so Fritz Schmidt.

Vielmehr vermutet der 83-Jährige, dass bei den Aufrissarbeiten vor zwei Jahren die dicke Lehmschicht, die sein Haus umgibt und schützt, an einer Stelle durchstoßen wurde. "Und Wasser sucht sich nun mal seinen Weg", weiß er aus leidvoller Erfahrung.

Jüngst trug er den Fall dem Verbandsausschuss des Abwasser- und Wasserzweckverbandes Elbe-Fläming vor. "Vor meinem Haus treffen drei Straßenzüge aufeinander. Ich habe das Gefühl, neuerdings einen Fluss unter meinem Haus zu haben." Der Verbandsvorsitzende Andreas Fischer versprach, den Fall prüfen zu lassen. "Grundsätzlich aber hat niemand einen Rechtsanspruch auf einen bestimmten Grundwasserstand."

Ein Rechtsanspruch leitet sich daraus nicht ab

Sollten sich die hydrologischen Bedingungen ändern, müssen die Eigentümer ihr Eigentum schützen. Selbst wenn klar wird, dass der Wasserzulauf in den Schmidtschen Keller durch Bauarbeiten bewirkt wurde, leitet sich daraus kein Regulierungsanspruch ab. Fischer verwies auf die meteorologische Situation und deren Folgen in Verbindung mit nachlassender Gewässerpflege. "Es gibt so etwas wie niederschlagsintensive Zeiten und regenärmere. Im Moment durchlaufen wir gerade vier Jahre erhöhten Niederschlags. Mit den Folgen muss jeder für sich umgehen."

Dennoch. Fischer hat die Wasserwirthscftler in den Amtsmühlenweg geschickt. Gestern waren Wasserwirtschafler der Heidewasser GmbH vor und nahmen Proben, ob es sich um Wasser oder Abwasser handelt. So soll ermittelt werden, ob es sich um Grund- oder Abwasser handelt. Das Ergbnis lässt Rückschlüsse auf den Versacher des Problems zu.

"Ich hoffe nur, dass mir damit endlich geholfen werden kann", so Fitz Schmidt. "Die ganze Angelegenheit macht uns fix und fertig."