Mit einem geselligen Beisammensein hat die Freiwillige Feuerwehr (FFw) Zernitz/Strinum am Sonnabend ihr 130-jähriges Bestehen gefeiert. Seit 1880 gibt es Bürger vor Ort, die sich uneigennützig für den Brandschutz engagieren. Inzwischen umfasst der ehrenamtliche Dienst der Kameraden auch technische Hilfeleistungen. Eines jedoch ist gleich geblieben und längst keine Selbstverständlichkeit mehr: Bis heute ist die Ortsfeuerwehr im Gegensatz zu vielen anderen auch tagsüber einsatzbereit.

Zernitz. Üblicherweise seien Jubiläen ein Beleg dafür, dass sich etwas über einen respektablen Zeitraum hinweg über Wasser halten konnte, erklärte Sven Klarenbach. "Eine Feuerwehr hält sich dadurch über Wasser, dass sie andere, die dieses brauchen, zur rechten Zeit unter Wasser setzt", ergänzte der junge Mann lächelnd. Seit 2005 leitet er die FFw Zernitz/Strinum, die nun ihr 130-jähriges Bestehen begehen kann. Das war am Sonnabendabend nicht nur schöner Anlass zum Feiern in geselliger Runde. Vor allem sei es Grund, stolz zu sein, betonte Sven Klarenbach. Denn allein dank aktiver Kameraden, die sich uneigennützig in den Dienst der Gesellschaft stellen, ist der Fortbestand einer Wehr gewährleistet.

Die Basis für den organisierten Brandschutz wurde in Zernitz nachweislich 1880 geschaffen. "Durch die allgemeine Feuerlöschordnung und der dazu erlassenen Ausführungsbestimmung wurde festgelegt, dass ein Spritzenmeister, dessen Stellvertreter und mindestens von jeder Seite des Vorspanndienstes vier Feuerwehrmänner zu bestimmen waren, welche in der Bedienung und Handhabung des Gerätes auszubilden waren", erzählte Sven Klarenbach. In seiner Rede zum Auftakt der Jubiläumsveranstaltung ließ er die Geschichte der Wehr kurz Revue passieren. So berichtete er, dass immer am Silvestertag in Zernitz eine Bauernversammlung einberufen wurde, bei der Gustav Natho senior alljährlich den Vorspanndienst festlegte. "Jeweils für einen Vorspann bei Feueralarm wurden 20 Mark aus der Gemeindekasse bezahlt. Dazu kam eine Zielprämie von 30 Mark, die denjenigen gezahlt wurde, die zuerst von den umliegenden Orten am Brand eintrafen."

Für die Schnellsten gab es 30 Mark Zielprämie

Solch geringe Summe "geben wir als Träger nicht mehr aus", griff Andreas Fischer den Aspekt später in seinem Grußwort auf. Heute liegen die laufenden Kosten und Ausgaben für Investitionen weit im sechsstelligen Bereich, wie der Zerbster Bau- und Ordnungsdezernent ausführte. Allerdings ist die Stadt auch seit Jahresbeginn für nunmehr 27 Ortsfeuerwehren verantwortlich. Die Zeiten haben sich seit dem 19. Jahrhundert eben verändert.

1880 besaß Zernitz noch gemeinschaftlich mit den Gemeinden Kuhberge und Strinum eine "Spritze ohne Saugwerk und sechs "Feuereimer", wie dokumentiert ist. Um die Löschwasserversorgung mussten sich Strinum und Kuhberge mittels eines Wasserwagens kümmern. Ab 1906 wurde das Löschwasser aus der Nuthe entnommen. Mit Hilfe der Bürger baute man 1927 einen 14 Meter tiefen Feuerlöschbrunnen.

An der Ausstattung der Kameraden ging die Entwicklung ebenfalls nicht spurlos vorbei, wie Sven Klarenbach in seinem chronologischen Abriss darlegte. 1946 kaufte die Gemeinde Zernitz für 1500 Mark eine Motorspritze. Ein Jahr darauf wurde für Strinum eine Spritze angeschafft. Das dazugehörige Schlauchmaterial folgte nach und nach. "Sofort nach Zuteilung einer Spritze für Kuhberge vom Kreis konnte auch mit dem Bau des Gerätehauses begonnen und dieser 1948 abgeschlossen werden", blickte der Ortswehrleiter zurück. Strinum erhielt 1957 ein Gerätehaus und 1961 einen Feuerlöschbrunnen.

1976 fand in Zernitz die Übergabe des neu errichteten Gerätehauses mit Garage für den Vorspanndienst statt. Sven Klarenbach erinnerte, wie die Kameraden mit Unterstützung der Betriebe tatkräftig selbst Hand angelegt hatten. Innerhalb nur eines halben Jahres konnte das Gebäude fertiggestellt werden. Auch bei anderen Einsätzen ähnlicher Art war und ist auf die Brandschützer stets Verlass. So ließ der Ortswehrleiter nicht unerwähnt, wie unter Günther Klarenbach, der von 1991 bis 1999 Wehrleiter war, in Strinum ein Gerätehaus "mit großer Initiative der Kameraden" entstand.

Den persönlichen Kontakten von Wehrleiter Werner Ritter war es zu verdanken, dass die Strinumer 1991 kostenlos einen VW erhielten, der zum Feuerwehrfahrzeug umgebaut und bis vor Kurzem noch genutzt wurde. Unterdessen waren die Zernitzer bis März 1995 weiterhin auf Vorspanndienste angewiesen. Erst mit dem LF 8 – LO, den ihnen der damalige Wirkungsbereichsleiter Heiko Bergfeld in Ansprache mit dem Deetzer Gemeinderat auf unbestimmte Zeit unentgeltlich zur Verfügung stellte, "waren wir mobil und konnten an überörtlichen Ausbildungen und Ausscheiden teilnehmen", schilderte Sven Klarenbach. Unvergesslich ist den Wehrmitgliedern auch der 2. Juli 1999, als sie endlich ihr neues, mit einem Wassertank bestücktes Löschfahrzeug, ein TSF-W, abholen konnten.

Mit TSF-W endeten die Vorspanndienste

Mit der deutschen Einheit 1990 wandelten sich die Aufgaben der Kameraden. Der vorbeugende Brandschutz rückte in den Hintergrund. Stattdessen gehörten nun das Beseitigen von Ölspuren oder Sturmschäden sowie technische Hilfeleistungen bei Unfällen zu ihrem Einsatzgebiet. Die gestiegenen Anforderungen setzten entsprechende Qualifikationen und Ausbildungen voraus, worum sich die Wehrleitung stets bemüht hat. "Dies setzten wir natürlich fort", sprach Sven Klarenbach für sich und seinen Stellvertreter Thomas Krieg. "Ich kann mit Stolz sagen, dass unsere Kameraden von 1995 bis zum heutigen Tage 148 Lehrgänge auf Abschnitts-, Kreis- beziehungsweise Landesebene erfolgreich absolviert haben", konstatierte der Ortswehrleiter.

Aktuell zählt die FFw Zernitz/Strinum 29 Mitglieder, davon gehören sieben der Alters- und Ehrenabteilung an. Bei den übrigen 22 Kameraden handelt es sich um die aktiven Kräfte der Ortsfeuerwehr, die eine von nur sechs der 27 Wehren der Stadt Zerbst ist, die tagsüber einsatzbereit sind.

In Anbetracht all dessen hatte keiner der Ehrengäste Zweifel am Fortbestand der Jubiläumswehr. Neben Andreas Fischer schaute der Zerbster Stadtwehrleiter Jürgen Dornblut zum Gratulieren vorbei. Und während Heiko Bergfeld als stellvertretender Abschnittsleiter Grüße von Landrat Uwe Schulze übermittelte, überbrachte Siegfried Schellin die Glückwünsche des Kreisfeuerwehrverbandes Anhalt-Bitterfeld. Als Freundin der Ortsfeuerwehr überreichte Doris Heine den Kameraden ebenfalls ein Präsent.

Selbstverständlich ließ sich auch Ortsbürgermeisterin Birgit Jacobsen das besondere Ereignis nicht entgehen. Zugleich bedauerte sie, dass sie die Bürokratie der Zerbster Verwaltung daran hinderte, den Kameraden den DSL-Anschluss für ihr Gerätehaus zu schenken, das erst in diesem Jahr ausgebaut und modernisiert wurde. Allein der Fußboden in der Fahrzeughalle muss noch gemacht werden. Sobald das erledigt ist, ist die Ortsfeuerwehr erstmal wunschlos glücklich.