Den 25. November 2010 wird Sieglinde Schütze nie mehr in ihrem Leben vergessen. An diesem Tag überfielen zwei maskierte Männer den Laden der 58-jährigen Nedlitzerin. Bislang konnte die Polizei die Täter trotz der unverzüglich eingeleiteten Fahndungsmaßnahmen noch nicht ermitteln. Sie sucht deshalb weiter dringend nach Zeugen.

Nedlitz. Der Schreck sitzt Sieglinde Schütze noch immer tief in den Knochen. "Ich habe nächtelang nicht geschlafen", sagt die 58-Jährige. Trotzdem steht sie schon wieder in ihrem Laden in der Nedlitzer Lindenallee und verkauft wie gewohnt Zeitungen, Briefmarken und Lottoscheine. Sie kann es sich nicht leisten, das Geschäft eine Weile zu schließen. "Abends riegle ich aber die Tür zu. Da kommen die Leute nur mit Gesichtskontrolle rein." Seit dem Raubüberfall öffnet Sieglinde Schütze nur Bekannten, sobald es draußen dunkel ist. Denn im Schutz der Dunkelheit kamen die beiden Maskierten in ihren Shop.

Kurz nach halb Sechs sei es gewesen, blickt die Nedlitzerin auf den vergangenen Donnerstag zurück. Sie wollte gerade die Postabrechnung machen, als ein vermummter Mann ihr Geschäft betrat und gleich hinter den Verkaufstresen drängte. "Geld her!", fuhr er Sieglinde Schützte an, während er sie mit einer Waffe bedrohte. Reaktionsschnell griff die 58-Jährige zum Telefon, tippte 110 ein, um die Polizei anzurufen. Doch der Täter schlug ihr den Hörer aus der Hand. "Ulli Überfall", rief sie ihrem Lebensgefährten zu, der nebenan in der Küche saß und sofort herbeilief. "Da kam der zweite Mann rein und hielt ihm eine Waffe an den Kopf", berichtet Sieglinde Schütze, wie sich ihr Partner auf den Boden legen musste.

"Mir hat der andere auch seine Waffe an den Kopf gehalten", schildert sie die unvorstellbare Situation. Ob die Pistolen wirklich echt waren, kann die 58-Jährige nicht sagen. Zumindest sahen sie täuschend echt aus. "Eine Schreckschusspistole war es auf jeden Fall", ist sie sich sicher.

"Da hielt er ihm eine Waffe an den Kopf"

Während der andere zitterte, agierte der Mann, der Sieglinde Schütze bedrohte, sehr selbstsicher. "Es kommt gleich einer", versuchte sie ihn aus der Reserve zu locken. Vergeblich. Erst musste sie ihm die Postkasse und den Tresor aufschließen. Dann forderte er sie auf, auch noch die richtige Kasse zu öffnen. "Mach‘ doch alleine auf", entgegnete ihm die Ladeninhaberin forsch. "Da ist er brutaler geworden", erklärt die Nedlitzerin, die im Moment des Überfalls überraschend resolut reagierte. "Ich hatte Angst um mein Hab und Gut", begründet sie rückblickend ihr Verhalten. Doch es half nichts. Die Täter flüchteten mit über 1000 Euro Bargeld, Rubbellosen und unzähligen Briefmarken, die sie zur Verwunderung von Sieglinde Schütze unbedingt haben wollten.

"Wir sind noch hinterher gerannt. Aber die waren plötzlich wie vom Erdboden verschluckt", sagt die 58-Jährige. Das Auto der Männer stand wohl hinter der Friedhofsmauer auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Sieglinde Schütze berichtet, wie jemand einen dunklen Ford mit Berliner Kennzeichen beobachtete. "Das Schild hatte Tageszulassung." Sie weiß auch, dass die zwei Männer im brandenburgischen Reetz, das nicht weit von Nedlitz entfernt ist, am gleichen Tag gegen halb Eins in einem Laden waren und zwar ohne Masken. Zumindest stimmt die Beschreibung von Statur und Kleidung überein. Ausländer seien es nicht gewesen, sagt Sieglinde Schütze. "Der Sprache nach waren sie von hier."

"Der Sprache nach waren sie von hier"

Bislang hat die Polizei die Täter trotz der sofort eingeleiteten Fahndungsmaßnahmen allerdings nicht ermitteln können. Dabei kam ein Fährtenhund zum Einsatz und auch die brandenburgische Polizei wurde sofort mit eingebunden. Inzwischen haben Kriminalbeamte des Polizeireviers Anhalt-Bitterfeld den Fall vom örtlich zuständigen Revierkommissariat Zerbst übernommen, wie die Pressesprecherin der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost, Doreen Wendland, mitteilt.

Und sie sind nach wie vor an Hinweisen aus der Bevölkerung interessiert, die zum Ergreifen der Täter führen können. Das Alter der beiden Männer wird auf 20 bis 30 Jahre geschätzt. Der eine war etwa 1,60 Meter groß und schlank. Er trug eine beigefarbene Skimütze, eine Jogginghose und eine helle Winterjacke. Sie sei grau gewesen, erinnert sich Sieglinde Schütze. Der andere war größer, zwischen 1,70 und 1,75 Meter, und hatte einen Bauchansatz. Er war ebenfalls mit einer Jogginghose bekleidet, trug aber eine dunkle Jacke. Zudem hatte er einen dunklen Campingbeutel bei sich.

Wer jemanden gesehen hat, auf den diese Beschreibungen passen, oder aber andere Hinweise zu dem Raubüberfall in Nedlitz hat, wird gebeten, sich an das Polizeirevier Anhalt-Bitterfeld zu wenden. Entweder telefonisch unter (0 34 96) 42 62 91 oder per E-Mail an lfz.pd-ost@polizei.sachsen-anhalt.de